Corona-Teststelle in Unna soll Ende Mai schließen – Landrat kritisiert Kassenärzte

dzDiagnosezentrum

Der Corona-Teststelle in Unna droht das Aus. Die Kassenärzte wollen ihre Diagnose- und Behandlungszentren im Kreis Unna vor dem Hintergrund gesunkener Infektionszahlen schließen. Landrat Michael Makiolla kritisiert die Entscheidung.

Kreis Unna

, 19.05.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warnschilder hängen an jeder Arztpraxis: Wer Erkältungssymptome hat, soll die Räume nicht betreten, sondern vorher anrufen. Die Mediziner können die Kranken dann nach einer Ferndiagnose am Telefon entweder in ihre eigene Praxis bitten – oder veranlassen, dass sich die Kranken in der zentralen Corona-Teststelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) in Unna melden. Außer in der Kreisstadt gibt es solche Teststellen im Kreis Unna noch in Lünen und Schwerte.

Wenn es nach nun bekannt gewordenen Plänen der Kassenärzte geht, fallen alle zentralen Anlaufstellen für Verdachtsfälle künftig weg. Die Menschen, die unter coronatypischen Symptomen wie Husten, Fieber oder Schnupfen leiden, sollen sich dann weiterhin telefonisch bei ihrem Hausarzt anmelden – würden dann aber in dieser Praxis auf Corona getestet statt in der KVWL-Teststelle. Für die sogenannten Diagnose- und Behandlungszentren bedeutet dies das Aus.

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KVWL bestätigt Schließung der Teststellen Unna, Lünen und Schwerte

Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der KVWL-Bezirksstelle Dortmund, bestätigte am Dienstag im Gespräch mit der Redaktion, dass die Teststellen Unna, Lünen und Schwerte wegen rückläufiger Infektionszahlen geschlossen werden: Schwerte öffnet zum letzten Mal am 29. Mai, Unna am 31. Mai, Lünen am 5. Juni.

Rückläufige Infektionszahlen als Grund genannt

Der Rückzug der KVWL von kommunalen Teststellen in Westfalen-Lippe wurde bereits am Montag in einer Pressemitteilung angekündigt, ohne dass jedoch konkrete Teststellen im Kreis Unna genannt wurden. Die Situation sehe mit Blick auf das Infektgeschehen sowie die Ausstattung der Praxen mit persönlicher Schutzausrüstung nun anders aus als noch vor einigen Wochen, wie es in der Mitteilung heißt. Die Infektionszahlen seien rückläufig und die Arztpraxen seien im Moment ausreichend mit Schutzkleidung ausgestattet. Die begründete Testung von Patienten, die eine Coronavirus-Symptomatik aufweisen, könne wieder direkt in den Praxen der niedergelassenen Ärzte vorgenommen werden – natürlich nur unter Einhaltung aller notwendigen Hygienemaßnahmen.

Eine weitere Pressemitteilung folgte am frühen Dienstagnachmittag mit dem Titel „Behandlungszentrum in Unna und Diagnosestelle in Schwerte schließen“. Darin heißt es, die Corona-Behandlungszentren der KVWL in Dortmund, Hamm und Lünen blieben zunächst weiterhin geöffnet.

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Landrat befürchtet Schwächung vor zweiter Welle

Im Kreishaus in Unna kommen die Schließungspläne nicht gut an. Landrat Michael Makiolla (SPD) sagte am Dienstag: „Ich habe die Besorgnis, dass wenn die Behandlungsstellen dichtgemacht werden, wichtige Infrastruktur im Kampf gegen das Coronavirus beseitigt wird und wir dann nicht mehr mit entsprechenden Testkapazitäten reagieren können, wenn die Infektionszahlen zunehmen und die zweite Welle kommt.“ Das Kreisgesundheitsamt war in der Anfangszeit der Pandemie mit eigenen Teststellen eingesprungen, bis die Kassenärzte mit ihrer Struktur so weit waren.

TESTSTELLE

Corona-Behandlungszentrum

  • Das Corona-Behandlungszentrum Unna liegt im Familien-Forum Katharina, Mozartstraße 26, neben dem Katharinen-Hospital in Unna.
  • Der Patient wird vom behandelnden Arzt, vom ärztlichen Notfalldienst, vom Gesundheitsamt oder von einer Krankenhausambulanz per E-Mail im Behandlungszentrum angemeldet, die anschließende Terminvergabe erfolgt per SMS/Telefonanruf.
  • Nur am Wochenende melden sich Patienten direkt unter Tel. (02303) 1002893 an.

Der Landrat wurde nach eigenen Angaben bereits am vorigen Mittwoch über die Schließung der Teststellen in Unna und Lünen informiert. In der E-Mail seien für Unna der 31. Mai und für Lünen der 14. Juni als Schließungstermin angegeben worden. Die Schließung in Lünen kommt nun laut Dr. Rodewyk etwas früher.

Kassenärzte verweisen auf Kostenproblematik

Die Kassenärzte verweisen auf eine Kostenproblematik. So würden die Krankenkassen derzeit die Kosten für Corona-Tests nur bei Patienten erstatten, die Symptome zeigen. Ein vorigen Freitag verabschiedetes Gesetz sehe vor, dass künftig auch die Kosten für asymptomatische Tests durch die öffentlichen Gesundheitsdienste von den Kassen übernommen werden. Selbstverständlich könnten die Gesundheitsämter weiterhin Corona-Tests bei den Bürgern vornehmen. Die Rechtsverordnung, die Genaues regeln soll, fehlt aber noch.

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