Corona-Stress für Pflegekräfte: Zusatzdruck und kaum Zeit für Gefühle

dzPflege-Ombudsperson

Pflegefachmann Norbert Zimmering begrüßt, wenn Altenheime in der jetzigen Krise auch wieder Besucher empfangen dürfen. Und er lenkt den Blick auf die Pflegekräfte: Auch sie brauchten Zeit für Gefühle.

Unna, Kamen, Bergkamen, Fröndenberg, Holzwickede

, 29.10.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fröndenberger Norbert Zimmering hat seit dem Frühjahr im Kreis Unna eine besondere Verantwortung. Er ist ehrenamtlicher Vermittler zwischen Altenheimen, Angehörigen und Behörden. Als solcher mahnt er in der Corona-Krise zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit Betroffenen – auch mit Pflegekräften.

„Ich weiß, was es auch für Mitarbeiter bedeutet, wenn Bewohner in einem Heim sterben“, sagt Zimmering. Er war 30 Jahre lang selbst Heimleiter und kennt die emotionalen Bindungen, die zwischen Bewohnern und Pflegern entstehen. „Das sind persönliche Beziehungen.“

Oft fehlt Zeit zum Trauern

Der Tod von Bewohnern gehört in Alten- und Pflegeeinrichtungen dazu. Trotzdem, so Zimmering, sei es wichtig, dass nach einem solchen Ereignis nicht einfach wieder zum Alltag übergegangen werde. Pflegekräfte hätten in einer angespannten Personalsituation oft nicht die Zeit zum Trauern.

„Zwar gehört Abschied nehmen zum Heim- und Pflegealltag, jedoch können sich in der Regel Pflegende innerlich darauf vorbereiten. Corona lässt das nicht zu. Umso wichtiger ist es, dass neben den betroffenen Angehörigen auch die Pflegenden in ihrer Trauer begleitet werden“, schrieb Zimmering an unsere Redaktion.

Pflegepersonal unter Zusatzdruck

Zusätzlicher Druck von außen könne derzeit entstehen, wenn wie beispielsweise aktuell im Haus Husemann in Unna mehrere Menschen mit Corona infiziert sind. Wenn bekannt ist, dass in einer Einrichtung Menschen erkranken und sogar einige mit dieser Erkrankung sterben, dann könne das bei Pflegerinnen und Pflegern mitunter Schuldgefühle auslösen, so Zimmering.

Das Haus Husemann in Unna ist akut von Corona betroffen. Seit Bekanntwerden von Infektionsfällen ist ein Notfallplan für das Haupthaus in Kraft.

Das Haus Husemann in Unna ist akut von Corona betroffen. Seit Bekanntwerden von Infektionsfällen ist ein Notfallplan für das Haupthaus in Kraft. © Udo Hennes

Besuchsverbote möglichst zeitnah wieder lockern

Das Coronavirus stellt Pflegekräfte vor besondere Herausforderungen, insbesondere wenn in einer ganzen Einrichtung aufgrund von Infektionen verschärfte Schutzmaßnahmen greifen müssen. Dann wird die Lage aber auch für die Bewohner und die Angehörigen schwer. „Besonders demenziell veränderte Menschen erleben die Situation ganz anders“, sagt Zimmering. Und wenn Angehörige ihre Lieben nicht mehr besuchen dürfen, ist das für beide Seiten hart.

Zimmering begrüßt daher, wenn nach einem Besuchsverbot zeitnah auch wieder ein Stück Normalität einkehrt. So hatte die Spies KG, der das Haus Husemann gehört, bei Bekanntwerden der Corona-Fälle zunächst auch für ihre beiden Häuser in Kamen Besuchsverbote verhängt: das Haus Volkermann und das Haus am Koppelteich. Dann kam die Lockerung, Mitte Oktober: Die Kamener Häuser wurden wieder für Besucher geöffnet.

Anrufe besorgter Angehöriger

Er habe als Pflege-Ombudsperson während der Besuchsverbote Anrufe besorgter Angehöriger erhalten, die sich nur ungern an die Besuchseinschränkungen aus dem Frühjahr erinnerten und Selbiges für die Zukunft befürchteten, so Zimmering.

Er setzte sich mit der WTG-Behörde, der Heimaufsicht beim Kreis Unna in Verbindung. Dort sei man mit ihm und den Angehörigen einer Meinung gewesen, dass Besuchsverbote insbesondere für die Kamener Einrichtungen schnellstmöglich aufgehoben werden müssten. Aber das Vorgehen kann Zimmering nachvollziehen: Zunächst habe man sicherstellen müssen, dass nicht durch personelle Begegnungen zwischen Unna und Kamen ein weiteres Infektionsrisiko bestand. Diese Prüfung, die der Wiederöffnung für Besucher in Kamen vorausgegangen war, hält Zimmering für „sorgfältig und verantwortungsbewusst“.

Norbert Zimmering

Der Vermittler

  • Norbert Zimmering ist für das gesamte Kreisgebiet ehrenamtlich tätig als Ombudsperson in der Pflege. Er vermittelt und schlichtet bei Problemen zwischen Heimen, Pflegebedürftigen und Angehörigen.
  • Kontakt: Tel. 0151 / 23 47 58 66; OMB-Sued@Kreis-Unna.de
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