Corona-Krise sorgt für Hochbetrieb bei Hornbach – ein Baumarkt im Ausnahmezustand

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Während das öffentliche Leben in Corona-Zeiten stillsteht, herrscht in Baumärkten Hochkonjunktur. In so manchem weckt die freie Zeit den inneren Heimwerker. Die Märkte reagieren mit strengen Schutzmaßnahmen.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 27.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist bereits früher Abend, als Chris und Denise ihre Einkäufe im Auto verstauen. Mittlerweile hat sich der Parkplatz des Hornbach-Baumarktes in Kamen geleert, am Mittag sah das aber noch ganz anders aus. „Da hat man hier kaum einer Platz gefunden“, erzählt Student Chris. Der Prüfungsblock des angehenden Elektrotechnikers wurde bis auf Weiteres verschoben, nun hat er viel freie Zeit. „Die wollen wir nutzen, um den Hausbau voran zu treiben“, verrät seine Partnerin Denise. „Eigentlich war diese Phase erst in ein bis zwei Monaten geplant, aber das haben wir nun vorgezogen.“

Denn irgendwann kommt der Tag, an dem der junge Student die Prüfungen wird nachholen müssen, deshalb muss das junge Paar nun vorarbeiten. Während Chris momentan viel Zeit im Eigenheim verbringt, geht Denise weiter im Büro arbeiten, natürlich mit drei Meter Abstand zu den Kollegen und deutlich reduzierten Besprechungen.

Im Hornbach-Baumarkt in Kamen gelten wegen der Corona-Krise zurzeit strenge Regeln.

Das Beratungs- und Service-Angebot im Baumarkt ist aufgrund der Corona-Krise zurzeit eingeschränkt. © Stefan Milk

Den nächsten Besuch im Baumarkt hat das Paar schon geplant, erklärt Chris: „Als Nächstes sind die Steckdosenabdeckungen dran, die müssen wir vorher noch zählen.“

Obwohl Baumärkte wie die Hornbach-Zweigstelle am Zollpost in Kamen zu den wenigen Geschäften gehören, die im Zuge der Grundversorgung in der Corona-Krise die Pforten offen halten dürfen, ist auch hier der Ausnahmezustand deutlich zu spüren.

Vater und Sohn nutzen die Corona-Krise für eine gemeinsame Heimwerker-Aktion. Martin (l.) und Kai besuchten den Baumarkt, weil sie daheim eine Abstellkammer renovieren wollen.

Vater und Sohn nutzen die Corona-Krise für eine gemeinsame Heimwerker-Aktion. Martin (l.) und Kai besuchten den Baumarkt, weil sie daheim eine Abstellkammer renovieren wollen. © Niklas Mallitzky

Martin ist mit seinem 21-jährigen Sohn Kai gerade angekommen, gemeinsam wollen sie daheim eine Abstellkammer renovieren. „Mehr Zeit wegen des Virus haben wir momentan eigentlich beide nicht“, erklärt Vater Martin. „Ich arbeite im Außendienst von zuhause aus, mein Sohn studiert Wirtschaftsinformatik, dort wurde der Betrieb auf Online-Seminare umgestellt.“

Warten auf Einlass in einem umzäunten Bereich

Bevor Vater und Sohn den Markt betreten können, gilt es in einem umzäunten Bereich zu warten. Erst wenn die Tür sich hinter dem Vordermann geschlossen hat, erhalten die nächsten Kunden Einlass. Die Kunden dürfen das Geschäft höchstens zu zweit betreten, wer hinein will braucht zudem einen Einkaufswagen. „So können wir den Besucherfluss genau kontrollieren“, erklärt ein Mitarbeiter, der jeden Einkaufwagen nach dem Einkauf desinfiziert. „Wenn es keine Wagen mehr gibt, müssen Kunden hier solange warten, bis wieder ein Kunde samt Wagen den Markt verlässt.“

Wohnung ausgebrannt – jetzt muss eine neue Einrichtung her

Warum es so wichtig ist, dass die Baumärkte geöffnet bleiben, macht das Beispiel von Markus deutlich. Vor kurzem ist seine Wohnung ausgebrannt, nun ist er de facto obdachlos. Freund Thorsten hat ihn bei sich aufgenommen, gemeinsam renovieren die zwei Männer nun eine neue Wohnung für Markus. „Da ist neben den ganzen Renovierungsarbeiten auch eine komplette Ersteinrichtung, die wir irgendwie wieder auftreiben müssen“, so Thorsten.

Im Hornbach-Baumarkt in Kamen gelten wegen der Corona-Krise zurzeit strenge Regeln.

Im Hornbach-Baumarkt in Kamen gelten wegen der Corona-Krise zurzeit strenge Regeln. Kunden dürfen maximal zu zweit eintreten und sollen zwei Meter Abstand zu anderen Kunden und Mitarbeitern halten. © Stefan Milk

Um Mitarbeiter und Kunden zu schützen, hat der Baumarkt spezielle Schutzmaßnahmen eingeführt. Dazu gehört auch ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Personen, Beratungsgespräche werden nur noch an den Infopoints geführt, die Mitarbeiter begleiten die Kunden nicht mehr in die einzelnen Abteilungen.

Das Warenangebot hat der Markt reduziert. So sind einige Bereiche mit einem Absperrband verschlossen. Außerdem wurden die Serviceangebote heruntergefahren, auf Holz- und Teppichzuschnitt sowie Bilderrahmungen und die Aquaristik, also den Verkauf von Fischen, müssen die Kunden vorerst verzichten. An den Kassen stehen Scheiben, die eine physische Barriere zwischen Kunden und Mitarbeitern gewährleisten.

Abwechslung zum Home-Office: Ralf Kappelhoff nutzte den weiter geöffneten Baumarkt, um sich mit einem neuen Besen und einem Pflanzkübel einzudecken.

Abwechslung zum Home-Office: Ralf Kappelhoff nutzte den weiter geöffneten Baumarkt, um sich mit einem neuen Besen und einem Pflanzkübel einzudecken. © Niklas Mallitzky

Natürlich sind es nicht nur die großen Anschaffungen, die die Leute in die Baumärkte treiben. Ralf Kappelhoff braucht bloß einen Besen und einen Pflanzkübel, seine Tage verbringt er sonst, wie so viele, im Home Office.

Birgit und Thomas Lühr haben sich Holzplatten gekauft, um daraus eine Wurfkiste zu zimmern, eine Art Laufstall für Baby-Katzen.

Das Ehepaar züchtet Sphynx-Katzen, fünf Katzen-Babys sind bereits geboren, erzählt Birgit: „Ein weiterer Wurf steht noch aus.“ Für das Paar ist die Wurfkiste extrem wichtig, sonst würden sie das Haus zurzeit nur selten verlassen. „Wir haben natürlich auch Angst, uns und besonders Andere anzustecken.“

Sonntagsöffnung wäre erlaubt, kommt aber nicht in Frage

Sogar an den Sonntagen könnte der Baumarkt theoretisch öffnen, doch die Marktleiter der Hornbach-Baumärkte in Deutschland haben sich einstimmig dagegen entschlossen.

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Die Gesundheit der Mitarbeiter gehe vor, erklärt Christa Theurer im Namen des Hornbach-Vorstands. „Die Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus und die Verringerung der Besucherströme zeigen auch ohne die Sonntagsöffnung Wirkung.“ Außerdem seien im Angesicht des hohen Einsatzes der Mitarbeiter Entlastung und Ruhe dringend geboten.

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