Corona-Krise: Bis zu 67.000 Menschen im Kreis Unna in Kurzarbeit

dzArbeitsmarkt-Bilanz

Schätzungsweise jeder dritte Arbeitnehmer hat wegen der Corona-Krise weniger am Arbeitsplatz zu tun. Das zeigen die Mai-Zahlen der Agentur für Arbeit zur Kurzarbeit im Kreis Unna. Diese steigt nicht mehr so stark.

Unna, Kamen, Bergkamen, Holzwickede, Fröndenberg

, 03.06.2020, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Händler mussten wochenlang ihre Läden schließen, Dienstleister durften Kunden nicht bedienen, und in Industriebetrieben brachen die Aufträge weg: Die Corona-Krise hat die Wirtschaft gelähmt, und erst langsam löst sich die Starre durch die schrittweise Aufhebung der Beschränkungen. „Es gibt eine Wiederanfahrdynamik“, beobachtet Thomas Helm, Chef der Agentur für Arbeit in Hamm. Neue Zahlen verdeutlichen nun, wie stark der „Corona-Effekt“ auf die heimischen Unternehmen und den Arbeitsmarkt gewirkt hat.

3420 Unternehmen meldeten Kurzarbeit an

Seit Anfang März haben insgesamt 3420 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt, wie aus dem Arbeitsmarktreport Mai der Agentur für Arbeit hervorgeht. Dahinter stehen insgesamt 66.717 Mitarbeiter – das ist scheinbar jeder zweite sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Kreis Unna. Zur Einordnung der Zahlen sind aber noch zwei Punkte zu berücksichtigen, wie Agentur-Chef Helm sagt. Erstens lässt sich jetzt noch nicht sagen, wie viele Arbeitsstunden letztlich ausfallen werden, weil die Arbeitgeber drei Monate Zeit für die Abrechnung der Kurzarbeit haben. 66717 betroffene Mitarbeiter sind also eine mögliche Maximalzahl. Und zweitens sind im Kreis Unna mehrere Konzernzentralen von Unternehmen beheimatet, deren Mitarbeiter über mehrere Bundesländer verstreut sind. Die Auswärtigen müssen aus dem Kreis Unna herausgerechnet werden, um abzubilden, wie groß der Anteil der Kurzarbeiter an den insgesamt 133.128 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Unna ist. Dieser beläuft sich bereinigt um diese und weitere Faktoren auf etwa 33,2 Prozent. Mit anteilig 9239 betroffenen Beschäftigten bleibt der Handel „das größte Sorgenkind“, sagt Helm.

So entwickelte sich die Kurzarbeit

Ein Blick zurück: Im März wurden Schulen und Kindergärten geschlossen, es folgten Läden. Dazu kam ein Kontaktverbot zur Pandemie-Eindämmung – alles Bürden für die Wirtschaft. 816 Betriebe meldeten im ersten Monat Kurzarbeit an. „Der große Run kam im April“, so Agenturchef Helm. 2351 Unternehmen kamen hinzu. Im Mai waren es dann, so der am Mittwoch veröffentlichte Arbeitsmarktreport, noch 253 neue Anzeigen.

Arbeitslosenquote: 7,8 Prozent

Arbeitsmarkt im Mai

Wo stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten?

  • Entwicklung im Vergleich zum Vormonat
  • Unna +3,8 %, jetzt 2165 Arbeitslose
  • Werne +4,1 %, 887 Arbeitslose
  • Bönen +4,5 %, 716 Arbeitslose
  • Lünen +4,5 % 4.844 Arbeitslose
  • Schwerte +4,7 %, 1.659 Arbeitslose
  • Kamen +5,1 %, 1.869 Arbeitslose
  • Fröndenberg +5,7 %, 598 Arbeitslose
  • Bergkamen +5,8 %, 2.509 Arbeitslose
  • Selm +6,2 %, 946 Arbeitslose
  • Holzwickede +7,0 %, 517 Arbeitslose

Etliche Menschen hat die Corona die Arbeitsstelle gekostet. Unter dem Einfluss der Krise stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im Kreis Unna binnen eines Monats um 4,9 Prozent – binnen eines Jahres sogar um 15,9 Prozent. 16710 Menschen sind derzeit ohne Arbeit. Davon beziehen 11368 Menschen Arbeitslosengeld 2 („Hartz IV“), das sind 4,9 Prozent mehr als im April.

Die Arbeitslosenquote klettert auf 7,8 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im April. Im Mai 2019 belief sich der Anteil der Arbeitslosen an allen potenziellen Arbeitnehmern noch auf 6,8 Prozent.

Agentur-Chef Helm sieht trotz steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit positive Anzeichen. „Für eine Entwarnung ist es noch zu früh, aber im Mai fiel der Corona-Effekt auf dem Arbeitsmarkt schon deutlich schwächer aus als noch im April, zum Teil sogar schon mit ersten positiven Tendenzen“, erklärt er. „Insbesondere auf der Stellenseite gibt es Grund zum Optimismus, denn die Anzahl an neuen Stellen legt mit über 480 kräftig zu.“

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