In der Ruhe liegt die Kraft. Dass sich die CDU-Spitze mit Blick auf die Landratswahl betont gelassen gibt, könnte aber ein Zeichen von Schwäche sein. Kandidaten dürften nicht Schlange stehen.

Kreis Unna

, 10.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Gelassenheit – das ist der Habitus von Parteichef Marco Morten Pufke und Kreistagsfraktionschef Wilhelm Jasperneite, wenn es um die Landratswahl 2020 geht. Es sei doch noch massig Zeit, weicht die Doppelspitze des CDU-Kreisverbandes jeder Frage nach geeigneten Kandidaten aus. Stattdessen: allgemeine Plattitüden zu ergebnisoffenen Gesprächen auch mit anderen Parteien.

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Eben solche zu führen, das sei der Auftrag des Kreisvorstandes von Ende September dieses Jahres, als sich die Partei erstmals überhaupt mit der Kreistags- und Landratswahl befasst habe; angesteckt von der Debatte auf dem Unterbezirksparteitag der SPD, wie Jasperneite unumwunden eingesteht. Detaillierter habe man sich mit 2020 allerdings noch gar nicht auseinandergesetzt. Während also die Kandidatensuche bei den Genossen längst auf Hochtouren läuft – bis Jahresende soll eine eigens dafür eingerichtete Kommission den Parteigremien einen Personalvorschlag unterbreiten – verweisen Pufke und Jasperneite auf eine Klausurtagung des Kreisvorstandes im Februar 2020. Erst die soll den offiziellen Anstoß zur Diskussion über einen geeigneten Landratskandidaten der CDU geben, der dann im Rahmen eines Kreisparteitages im zweiten Quartal 2020 offiziell ins Rennen geschickt werden soll.

Kooperation mit Kleinen?

„Unser Anspruch ist natürlich, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.“
Marco Morten Pufke

„Unser Anspruch ist natürlich, einen eigenen Kandidaten aufzustellen“, so ein selbstbewusster Parteichef Pufke, der aber diplomatisch gewandt genug ist, das Hintertürchen für ein Joint Venture mit den kleinen Parteien gegen die Sozialdemokraten nicht gleich zuzuschlagen; wenngleich das zuletzt bei der Bürgermeisterwahl in Schwerte nicht von Erfolg gekrönt gewesen ist. Wenn man sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen könne, sei das ein durchaus denkbarer Weg, sagt Pufke. Dass die CDU bei einer so prestigeträchtigen Wahl wie der Landratswahl einen parteilosen oder gar einen Kandidaten anderer Couleurs unterstützt, ist jedoch unwahrscheinlich. Zumal Landrat Michael Makiolla (SPD) nach dann 16 Jahren im Amt aufhört, die Genossen also keinen Amtsbonus mehr haben und die Sozialdemokraten in Anbetracht der politischen Großwetterlage auch im Kreis Unna durchaus schlagbar zu sein scheinen. Fragt sich nur, wen die Christdemokraten zwischen Anspruch und Wirklichkeit von entsprechendem Format im Stall haben. Wirklich in Frage kommen dürften allein die Protagonisten auf der kreisweiten Politbühne.

CDU im Kreis Unna mangelt es an Alternativen für die Landratswahl

Marco Morten Pufke genießt als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Erstzugriffsrecht auf die Landratskandidatur © Alexander Heine

Pufke mit Erstzugriffsrecht

Da ist zunächst natürlich Pufke selbst zu nennen, der – so sehen es die parteipolitischen Gepflogenheiten vor – als Parteichef Erstzugriffsrecht hat. Aber wäre er auch wirklich reif für das Landratsamt? Der 45-jährige selbstständige Personalberater ist seit 2013 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Unna, folgte nach dessen fast 25-jähriger Ära auf Hubert Hüppe. Seit 2005 Stadtverbandschef, ist Pufke als Vize der CDU-Ratsfraktion politisch in Bergkamen beheimatet, kreispolitisch trotz seiner sehr engen Bindung zur CDU-Kreistagsfraktion eher unbefleckt. Sein Problem: Wann immer er gemeinsam mit CDU-Urgestein Wilhelm Jasperneite auftritt – und das ist häufig der Fall – schafft er es nicht, aus dessen Schatten herauszutreten und ein eigenes Profil zu formen. Ein Coup gelang ihm gleichwohl bei der Landtagswahl 2017, als er im Wahlkreis Unna II mit 31,6 Prozent der Erststimmen sogar ein leicht besseres Ergebnis als seine Partei in den Städten Lünen, Selm und Werne erzielte; trotzdem hatte er gegen den damals noch amtierenden NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD, 41,8 Prozent) keine Chance. Auf seine persönlichen Ambitionen hinsichtlich einer möglichen Landratskandidatur angesprochen, gibt Pufke sich zurückhaltend: Er werde sich zu gegebener Zeit mit den Parteigremien auch zu dieser Frage austauschen, sagt er.

CDU im Kreis Unna mangelt es an Alternativen für die Landratswahl

CDU-Urgestein Wilhelm Jasperneite gibt sich zurückhaltend zu seiner persönlichen Zukunft. © Alexander Heine

Hört Jasperneite auf?

Kommunalwahl

Zeitplan der CDU zur Wahl 2020

  • Die Kommunalwahl in NRW findet voraussichtlich im Herbst 2020 statt.
  • Bis zum 30. März 2020 sind die Wahlkreise für den Kreistag einzuteilen. Die CDU-Stadtverbände sollen ihre Nominierungen bis zum Jahreswechsel 2019/2020 vornehmen.
  • Der CDU-Kreisvorstand will im Rahmen einer Klausurtagung im Februar 2020 die Listenplätze beraten und dem Kreisparteitag im zweiten Quartal 2020 zur Abstimmung vorlegen.
  • Im März/April 2020 will der Kreisvorstand einen Landratskandidaten nominieren und diesen durch einen gesonderten Kreisparteitag im zweiten Quartal 2020 aufstellen lassen.

Ob Pufke seinen Hut in den Ring wirft oder nicht, dürfte maßgeblich auch mit der Frage zusammenhängen, wie Wilhelm Jasperneite sich seine politische Zukunft auf Kreisebene vorstellt. Er ist 62 Jahre alt. Gut möglich also, dass er den Weg frei machen möchte für jüngere Kräfte, vielleicht auch an der Spitze der Kreistagsfraktion. Während allerdings auf den Kreishausfluren bereits relativ unverblümt die Rede davon ist, dass Jasperneite als Alphatier und Tausendsassa der Christdemokraten die kreispolitische Bühne mit der Kommunalwahl 2020 verlässt, scheint er selbst sich alle Optionen offenhalten zu wollen, dementiert im Gespräch mit unserer Redaktion entsprechende Gerüchte um seine Person und quittiert die Frage nach seiner persönlichen Zukunft mit einem Lächeln. Es spricht jedoch einiges dafür, dass er sich auf die Politik in seiner Heimatstadt Werne konzentrieren möchte, wo er seit 2004 den Parteivorsitz und seit 2016 auch den Fraktionsvorsitz der CDU innehat. Damit dürfte er allemal ausgelastet sein. Jasperneite ist bereits 2009 (32,1%) und 2014 (28,8%) als Landratskandidat der CDU angetreten, beide Male gewann Makiolla als Amtsinhaber mit jeweils über 50 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang. Jasperneites Kandidatur 2014 dürfte allerdings eher von Pflichtbewusstsein denn von ernsthaften Ambitionen getrieben gewesen sein, um einen möglichen Nachfolger in der damals ohnehin aussichtslosen Konkurrenz mit dem beliebten Amtsinhaber Makiolla nicht schon zu verbrennen.

CDU im Kreis Unna mangelt es an Alternativen für die Landratswahl

Ina Scharrenbach aus Kamen ist im Kabinett von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. © Udo Hennes

Scharrenbach sicher nicht

Allein der Vollständigkeit halber ist freilich Ina Scharrenbach aus Kamen zu nennen, die im Kabinett von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung noch mindestens bis 2022 einen gesicherten Posten hat. Sie dürfte deshalb keinerlei Ambitionen für eine Landratskandidatur hegen. Überhaupt war sie in ihrer politischen Laufbahn nie in der Kreispolitik aktiv, beschränkte sich 18 Jahre lang stets auf ihr Ratsmandat in Kamen – mit Ausnahme der Zeit von 2012 bis 2017, als sie parallel eine strebsame Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag war. Seit 2012 auch stellvertretende Vorsitzende des CDU-Landesverbandes, war Scharrenbachs weiterer Karriereweg spätestens vorgezeichnet, als Laschet sie nach dem Wahlsieg der Union 2017 in sein Kompetenzteam berief und die Kamenerin maßgeblich an der Ausarbeitung des Koalitionsvertrages der schwarz-gelben Landesregierung beteiligte. Zumindest das lassen Pufke und Jasperneite durchblicken: Auch sie rechnen nicht damit, dass Ina Scharrenbach plötzlich Landrätin im Kreis Unna werden möchte.

CDU im Kreis Unna mangelt es an Alternativen für die Landratswahl

Schwertes Alt-Bürgermeister Heinrich Böckelühr, seit Herbst 2017 Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt NRW mit Sitz in Herne. © Foto: Manuela Schwerte

Kommt Böckelühr zurück?

Bliebe als vierter Protagonist der Kreis-CDU noch Heinrich Böckelühr, der von 1999 bis zu seiner Berufung zum Präsidenten der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) NRW im vergangenen Herbst Bürgermeister der Stadt Schwerte war – viele Jahre davon einziges christdemokratisches Stadtoberhaupt im Kreis Unna. Allein das brachte ihm eine gewisse Sonderstellung im CDU-Kreisverband ein. Er ist seit seinem Wechsel zu seinem neuen Dienstherrn nach Herne von der politischen Bühne im Kreis Unna allerdings weitestgehend verschwunden. Weil die GPA dem Ministerium von Ina Scharrenbach unterstellt ist, dürfte auch Heinrich Böckelührs Job für die nächsten Jahre erst einmal gesichert sein. Überhaupt: 2020 wird er 60 Jahre alt – nur schwer vorstellbar, dass er dann noch nach dem Landratsamt greift.

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Bildergalerie

Die Landräte des Kreises Unna seit 1961

15.09.2018
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Hubert Biernat (1907-1967) war gleich zweimal Landrat - von 1946 bis 1950 und noch einmal von 1961 bis 1964.© Archiv
Jürgen Girgensohn (1924-2007) folgte 1964 auf Biernat und blieb bis 1970 im Amt© Archiv
Fritz Böckmann (rechts im Bild, 1923-1999) war Landrat von 1970 bis 1988. Auf diesem Foto von 1975 gratuliert der Alterspräsident des Kreistages, Dr. Josef Weskamp, Böckmann zur einstimmigen Wiederwahl.© Archiv
Rolf Tewes (links im Bild, geboren 1935) amtierte von 1988 bis 1999. Das Foto zeigt ihn händeschüttelnd mit Landesgesundheitsminister Hermann Heinemann bei der Eröffnung des Gesundheitshauses Unna am 13. September 1991.© Archiv
Gerd Achenbach (geboren 1941) war Landrat von 1999 bis 2004.© Archiv
Michael Makiolla (geboren 1956) ist Landrat des Kreises seit dem 13. Oktober 2004. Im Jahr 2020 will er nach dann 16 Jahren im Amt abtreten.© Archiv

Die Kommunalwahl findet in Nordrhein-Westfalen im fünfjährigen Turnus statt. Das nächste Mal im Herbst 2020. Der genaue Wahltermin steht noch nicht fest.