VKU-Projekt hilft Menschen mit Beeinträchtigung beim Busfahren

dzFünf Jahre Jederbus

Seit fünf Jahren treibt die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna das Projekt „Jederbus“ voran. Die Idee ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen jedweder Art die Nutzung des ÖPNV zu erleichtern.

Kreis Unna

, 09.11.2018, 11:34 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das hat uns, als wir angefangen haben, niemand zugetraut“, fasst Andreas Feld zusammen. Er arbeitet im Verkehrsmanagement der VKU und betreut das Projekt „Jederbus“ seit der ersten Stunde. „Genau das hat uns angespornt, denn von Seiten des Kreises und auch aus den eigenen Reihen gab es Zweifel, ob das Projekt von Bestand sein wird“, fährt er fort. Dass es geklappt hat, zeigt der Umstand, in dem er diese Worte an die „Jederbus“-Mitglieder richtet. Es ist das Jahrestreffen zum fünfjährigen Bestehen des Projektes und es geht darum, einen Weg zu finden, wie das Projekt auch in Zukunft dazu beitragen kann, Menschen mit Beeinträchtigungen das Busfahren zu erleichtern oder erst zu ermöglichen. Um hier eine Datengrundlage zu schaffen, hat die VKU in Zusammenarbeit mit dem Amt für Schwerbehindertenangelegenheiten in den vergangenen Monaten 2000 Fragebögen versendet.

Fragebögen zur Auswertung des Projekts

Jeder der Post von diesem Amt bekommen hat, bekam gleichzeitig einen Fragebogen mit der Bitte um Rücksendung zugestellt. „Wir wollten nach fünf Jahren einmal nachsehen, wie bekannt ist das Projekt bei den Menschen, die es betrifft“, erklärt Projektleiterin Gaby Freudenreich. Da das Amt für Schwerbehindertenangelegenheiten nun eben die Belange genau dieser Menschen bearbeitet, bot sich eine Kooperation an. Was bei der Befragung herauskam, gibt gleichermaßen Anlass zur Freude, wie auch bestimmte Aspekte des Projektes zu hinterfragen. Nur 12,2 Prozent von allen Befragten kannten das Projekt überhaupt. Bei den regelmäßigen Busnutzern war die Zahl zwar schon doppelt so hoch, aber eben immer noch nicht sonderlich zufriedenstellend, so Freudenreich - und nimm dies als Anlass „dass wir ein bisschen Werbung für uns machen müssen“. Gut hingegen zeigt sich die Auswertung bei den Fragen, ob die behindertengerechten Änderungen, die im Laufe der fünf Jahre in den Bussen umgesetzt worden sind von den Betroffenen wahrgenommen werden, fast die Hälfte bejaht dies.

Jederbus soll bekannter werden

Nun gelte es eben, das Projekt durch Werbemaßnahmen bekannter zu machen. Zwar hat es auch in der Vergangenheit bereits Maßnahmen gegeben, wie der bunt folierte Jederbus, der auffällig im Kreisgebiet unterwegs ist. Stationen waren im Juli in Schwerte und im September in Unna und in Lünen. Bei diesen Jederbus Stationen konnten auch Menschen ohne Behinderung einmal nachempfinden, was es bedeutet, mit einer Beeinträchtigung Bus zu fahren, etwa blind den Eingang zu finden oder mit einem Rollstuhl in den Bus zu kommen. Eine große Entwicklung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit war auch der Inklusionspreis im Jahr 2015.

An der Broschüre „Einfach Bus-Fahren“ in leicht verständlicher Sprache besteht seit der Einführung bundesweit großes Interesse. Ein Farbleitsystem, mit dem es einfacher machen soll, die Buslinien auseinanderzuhalten, wird derzeit in Lünen erprobt. Die Testphase läuft seit 2017. Bei dem System wird jeder Buslinie eine feste Farbe zugeordnet und die Endhaltestelle hat ein Symbol. „Also fährt man blau bis Ente“, gibt Freudenreich ein Beispiel.

Farbleitsystem in Lünen erprobt

Die Testphase in Lünen sei über einen so langen Zeitraum geplant, um eindeutig herausfinden zu können, ob es auf der einen Seite den Menschen hilft, die diese Hilfe brauchen und zum Anderen, ob es diejenigen stört, die diese Unterstützung eigentlich nicht brauchen. Die Resonanz sei durchweg positiv und auch Menschen, die eigentlich nicht auf diese Hilfe angewiesen sind, gaben positives Feedback. Beim nächsten Fahrplanwechsel soll dieses System dann im gesamten Kreis Unna ausgerollt werden. Das wäre dann Anfang 2020.

VKU-Projekt hilft Menschen mit Beeinträchtigung beim Busfahren

Gaby Freudenreich, Projektleitung Jederbus der VKU © Liesegang Markus

Neben der Öffentlichkeitsarbeit gibt es bei Jederbus auch Teilprojekte im Hintergrund, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. An den Busschulen und Sicherheitstrainings haben bislang mehr als 1100 Menschen teilgenommen. Das Sicherheitstraining betrifft in diesem Falle auch Rollatorfahrer. Besonders an den Rollator Aktionstagen etwa in Holzwickede, Kamen, Lünen und Schwerte und beim Seniorentag in Unna zeige sich, dass viele Rollatorfahrer die kleinen Tricks mit dem Rollator gar nicht kennen, wie das Ein- und Aussteigen erleichtert werden kann. Dazu gibt es auch spezielle Trainingseinheiten für Senioren.

VKU-Projekt hilft Menschen mit Beeinträchtigung beim Busfahren

Rollator-Tag Stadthalle Kamen, Elisabeth Danelkewitz übt mit Gaby Freudenreich vom Projekt „JederBus“ das richtige Einsteigen in einen Bus © Marcel Drawe

Schulungen für das Personal

Nicht nur die Nutzer werden im Rahmen des Projektes geschult, sondern auch die Fahrer und das Servicepersonal werden geschult und sensibilisiert. Feld: „Wie nötig hier die Aufklärung ist, zeigt sich in den Schulungen, wenn die Frage kommt. Die sind doch blind, warum haben die dann ein Smartphone?“ Nun, neben den optischen Informationen, biete ja so ein Gerät auch eine Menge an akustischen Hilfen. Auch die Bitte, nicht auf die Frage „Ist das die C11?“ zu antworten: „Steht doch dran!“, gehört zu diesen Seminaren. „Das ist dann oftmals Gedankenlosigkeit, wenn so etwas passiert, damit stößt man aber sein Gegenüber vor den Kopf – unnötigerweise“; erklärt Feld.

VKU-Projekt hilft Menschen mit Beeinträchtigung beim Busfahren

Linda Föhrer (dritte von links) leitet gemeinsam mit „JederBus“-Projektleiterin Gaby Freudenreich (vierte von links) das Seminar gegen Busangst bei der VKU. © Bettina Hesse

Eine weitere Gruppe betrifft die Menschen, die Angst vor dem Busfahren haben, das sei vergleichbar mit Flugangst. Daher arbeitet eine Stewardess in diesem Themenfeld in einem Seminar zum Thema Busangst mit. Auch auf diese Ängste einzugehen und auf Menschen, die diese Einschränkungen haben, wollen die Jederbus Leute gerne eingehen. „Aber“, sagt Gaby Freudenreich, „An diese Menschen kommen wir gar nicht ran, weil die sich ihr ganzes Leben schon Mittel und Wege überlegt haben, diesen Ängsten aus dem Weg zu gehen.“ Da sich diese Hilfe gezielt eben auch an Menschen richtet, die generell Schwierigkeiten haben, sich mit anderen Menschen zu treffen werden diese Workshops auch in Einrichtungen angeboten, damit diese Hemmschwelle schon einmal nicht zu überwinden ist.

Hören, wann der nächste Bus kommt

Bushörstellen sollen Menschen mit Sehbehinderung helfen, sich zu orientieren, Mit Druck auf einen Knopf, wird vorgelesen, wo sich der Fahrgast befindet und welcher Bus wann fährt. „Da hat es aber leider im vergangenen Jahr in Lünen Probleme gegeben hat, sind diese Info-Säulen noch nicht weiter verbreitet.“ Am Rathaus in Unna funktioniert die Bushörstelle hingegen problemlos. Diese Säulen sind eine Spezialentwicklung des Jederbus-Projekts und für die Haltestellen gedacht, an denen keine Anzeigeanlage gebaut werden kann oder aus finanziellen Gründen soll.

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Für Menschen mit Sehbehinderung stellt das Ein- und Aussteigen eine besondere Herausforderung dar.

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