Lokale Buchhändler beweisen in Corona-Zeiten, was sie können – und trotzen Amazon

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Die Buchhandlung Hornung in Unna bietet einen „Literarischen Notdienst“ an. Und auch Buchhändler in anderen Städten des Kreises beweisen, was sie besser können als Amazon.

Unna

, 23.03.2020, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Michael Sacher in diesen Tagen die Buchhandlung Hornung am Alten Markt in Unna aufschließt, dann öffnet er eigentlich einen Kiosk. „Weil wir ja auch Tageszeitungen verkaufen, sind wir auf einen Kioskbetrieb mit Theke umgestiegen“, sagt der Buchhändler. Fünf Stunden täglich, von 10 bis 15 Uhr, ist er so immer noch für seine Kunden da.

Tisch trennt Laden vom Marktplatz

Der Tisch, der den Laden vom Marktplatz trennt, ist eine notwendige Barriere. Kunden dürfen nicht mehr in das Geschäft. Sie können ihre Wünsche loswerden – und die meisten werden sofort erfüllt. „Literarischer Notdienst“ heißt dieses Konzept in Unna und es zeigt, wie viel Wert Buchhändler auf den Service setzen. „Das ist ja eigentlich überall so, wo es noch inhabergeführte Buchhandlungen gibt“, weiß Sacher, dass auch viele seiner Kollegen die Türen nicht einfach zugeschlossen haben.

Erzwungene Freiräume zum Lesen

Das Coronavirus hat das Leben in den Städten fast vollkommen zum Erliegen gebracht. Die Menschen verbringen gezwungenermaßen viel Zeit zuhause – und haben plötzlich auch Freiräume, mal wieder ein Buch zu lesen. Das liefern die lokalen Buchhändler auch jetzt noch – und sie machen vieles besser als der Versandhändler Amazon.

„Amazon hat den Bucheinkauf ja schon reduziert. Die konzentrieren sich jetzt erst recht noch mehr auf Haushaltswaren“, weiß Sacher. Und: In den Buchhandlungen bekommen die Menschen auch jetzt noch Beratung und sogar Buchempfehlungen – nur passiert das jetzt eben telefonisch und nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Das kann Amazon nicht.

Kurzarbeit auch bei Hornung

Ist also alles gut bei den Buchhändlern, wo doch ihre Angebote so gefragt sind? Natürlich nicht. „Auch wir mussten Kurzarbeit anmelden, arbeiten hier in einer absoluten Notbesetzung“, erklärt Sacher. Kurzarbeit – das ist auch für den erfahrenen Buchhändler etwas Neues: „Wir mussten auch schon mal Personal reduzieren, aber so etwas gab es hier noch nie.“

Innerhalb der Unnaer Innenstadt bringt Sacher Bücher gerne mit dem Fahrrad herum. „Da komme ich auch noch an die frische Luft“, sagt er. Aber natürlich verschickt die Buchhandlung den Lesestoff auch per Post.

Buchhändler Michael Sacher aus Unna nimmt auch in der Corona-Zeit immer noch Bestellungen entgegen und bestellt auch selbst täglich bei den Großhändlern.

Buchhändler Michael Sacher nimmt auch in der Corona-Zeit immer noch Bestellungen entgegen und bestellt auch selbst täglich bei den Großhändlern. „Sonst kommt das System zum Erliegen“, sagt er. © Dirk Becker

Was überrascht: Sacher bestellt auch selbst noch jeden Tag im Großhandel. „Wenn das jetzt keiner mehr macht, kommt das System zum Erliegen. Jetzt kann ich noch bestellen und habe das Buch am nächsten Tag wieder da.“ Kunden können ihre Bestellung dann direkt an der Theke abholen.

Buchhändler rechnet mit Kaufzurückhaltung

Wie lange Sacher und die übrigen Buchhändler ihre Notdienste aufrechterhalten müssen, ehe wieder ein Stück Normalität einkehrt, ist ungewiss. Sacher wünscht sich, dass es nicht zu lange dauern wird – zumal er auch bei einer Wiedereröffnung der Geschäfte noch Kaufzurückhaltung erwartet. Möglicherweise gebe es zunächst auch noch Zugangsbeschränkungen.

Doch der Buchhandel hat schon so manche Krise gemeistert und manchen Abgesang überlebt. Sacher ist optimistisch, dass die Menschen wieder zu Büchern greifen werden und die Dienste der Buchhandlungen auch in der Krise in Anspruch nehmen: „Wenn das Geld knapp wird, habe ich eher Geld für ein neues Buch, das mir Freude macht, als für ein neues Wohnmobil.“

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