Landrat nach Corona-Hustenattacke auf Polizisten: „Schändliches und widerliches Verhalten“

Polizeieinsätze

Eine Frau aus Schwerte und ein Mann aus Werne, beide betrunken, haben versucht, Polizisten mit einer scheinbaren Corona-Hustenattacke einzuschüchtern. Landrat und Polizeichef Michael Makiolla warnt: „Das ist kein Dummejungenstreich.“

Kreis Unna

, 10.04.2020, 11:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit vermeintlichem Corona-Husten haben ein Mann und eine Frau Polizisten bedroht.

Mit vermeintlichem Corona-Husten haben ein Mann und eine Frau Polizisten bedroht. © picture alliance / dpa

Eine Virus-Ansteckung als potenzielle Waffe: Die Corona-Krise bringt offenbar eine neue Form des Widerstands gegen Polizisten hervor. Bei einem Einsatz wegen eines Verkehrsunfalls in Werne und wegen einer Ruhestörung in Werne sind die Beamten von einem Mann und einer Frau angehustet worden, wie die Polizei am Karfreitag berichtete.

Bereits am Donnerstagmorgen trafen die Polizisten bei einer Unfallaufnahme auf der Varnhöveler Straße in Werne auf einen 54-Jährigen aus Werne. Der mutmaßliche Unfallverursacher war alkoholisiert und teilte den Einsatzkräften mit, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert habe. Er habe mehrfach „demonstrativ in Richtung der Beamten“ gehustet, heißt es im Polizeibericht. Die Polizisten, die sich Schutzmasken und Einweghandschuhe überzogen, brachten den Mann auf die Wache in Werne, wo er sich einer Blutprobe unterziehen und seinen Führerschein abgeben musste.

Bei einem Einsatz wegen Ruhestörung gegen 23.55 Uhr an der Grünstraße in Schwerte hatten andere Polizisten ein ähnliches Erlebnis. Eine stark alkoholisierte 36-Jährige aus Schwerte hustete die Streifenbeamten laut Polizeibericht mehrfach an und äußerte, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sei. „Die eingesetzten Beamten trugen zum Tatzeitpunkt keine Schutzmasken und keine Einweghandschuhe“, heißt es im Polizeibericht.

Eine Ansteckungsgefahr für die Polizisten bestand nicht, wie sich später herausstellte. Der Mann und die Frau waren nicht mit dem Coronavirus infiziert. Juristisch wertet die Polizei die etwas andere Form der Husten-Attacke als gefährliche Körperverletzung und leitete entsprechende Ermittlungsverfahren ein.

Landrat und Polizeichef Michael Makiolla (SPD) stellte sich hinter die Beamten. „Unsere Einsatzkräfte verdienen besonders in der aktuellen Situation, in der sie Großes leisten, großen Respekt – und diese beiden Fälle aus Werne und Schwerte sind an Respektlosigkeit nicht zu überbieten“, erklärte Makiolla. „Vorzutäuschen, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, die Kolleginnen und Kollegen gezielt anzuhusten und sie glauben zu lassen, sich nun mit dieser potenziell lebensgefährlichen Krankheit angesteckt zu haben, nur um die rechtlichen Folgen ihrer Taten zu verhindern, ist ein schändliches und widerliches Verhalten. Das ist kein Dummejungenstreich, das ist kein Spaß.“

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