Jeder Verstorbene wird behandelt, als trage er das Coronavirus in sich

dzBestattungen

Die Corona-Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf das Bestattungswesen. Der Umgang mit Verstorbenen hat sich verändert – und Bestatter beklagen, in NRW nicht als systemrelevant zu gelten.

Kreis Unna

, 10.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mensch verstirbt. Ob er das Coronavirus in sich trägt, spielt keine Rolle. Bestatter, die sich dem Verstorbenen widmen, müssen in diesen Monaten besondere Maßnahmen ergreifen. Vor allem, um sich selbst zu schützen.

„Jeder wird so behandelt, als ob er Corona hat“, sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer von Bestattungen Schäfer-Kretschmer in Bergkamen. Was genau zu tun ist, schreibt das Bundesinfektionsschutzgesetz vor.

Weiter Feuer- und Erdbestattung möglich

Die für Angehörige zunächst oft wichtigste Frage regelt das Gesetz nicht – die nach der Bestattungsform. „Nach wie vor sind sowohl Erdbestattung wie auch eine Feuerbestattung erlaubt“, erklärt Schäfer. Allerdings entscheiden sich immer mehr Angehörige für eine Verbrennung des Leichnams. „Ich habe den Eindruck, dass das jetzt in der Corona-Krise noch weiter zugenommen hat“, sagt der Bestatter.

Stirbt ein Mensch, dann befinden sich in seinem Körper noch Gase und Flüssigkeiten. Durch Umlagerungen können Gase – und damit auch Flüssigkeiten – entweichen. Theoretisch wäre also auch auf diesem Weg noch eine Tröpfcheninfektion möglich. Bestatter könnten somit auch mit dem Coronavirus infiziert werden, von dem in der Regel niemand weiß, ob es der Verstorbene in sich trägt.

Bestatter haben keinen Zugriff auf Schutzkleidung

Bestatter müssen sich also schützen. Kittel, Mundschutz und Handschuhe sind obligatorisch. Der Verstorbene wird in einen Leichensack gelegt und darin transportiert. „Viele Menschen kennen die aus Krimis, wo dann der Reißverschluss zugezogen wird“, weiß Schäfer. Alles wird gründlich desinfiziert. Das gilt auch für den Sarg. Ist eine Corona-Infektion des Verstorbenen bekannt, so muss der Sarg von außen als „infektiös“ gekennzeichnet werden.

Wollen Bestatter alle Regeln einhalten, so müssen sie über die erforderliche Ausrüstung verfügen. Und genau hier liegt ein Problem. Insbesondere Schutzmasken sind rar. Und: Weil Bestatter in Nordrhein-Westfalen nicht als systemrelevante Berufsgruppe gelten, ist der Zugriff auf die ohnehin kleinen Kontingente noch schwieriger.

Petition im Internet gestartet

Dabei ist der Eigenschutz der Menschen, die sich um die Verstorben kümmern, in Zeiten des Coronavirus wichtiger denn je. Unter www.change.org gibt es inzwischen auch eine Petition mit der Forderung, der Landtag solle Bestatter als systemrelevant einstufen. Deutlich mehr als 4000 Menschen haben diese bereits unterstützt (Stand 9. April).

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