Bessere Vergütung schon in der Ausbildung gegen Fachkräftemangel bei Erzieherinnen

dzAusbildungsmodell PiA

Es gibt zu wenige Erzieherinnen und Erzieher. Schon heute. Und die Lücke wird immer größer. Ein neues Ausbildungsmodell soll helfen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Ein wesentlicher Aspekt: Geld.

Kreis Unna

, 21.05.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutschland steuert auf ein großes Problem zu. Bundesweit fehlen bis zum Jahr 2025 Hunderttausende Erzieherinnen und Erzieher; je nachdem, ob man das Familienministerium oder die Gewerkschaften fragt, zwischen 300.000 und 600.000. Für den Kreis Unna könnte die Lücke, so hat Schuldezernent Torsten Göpfert mit dem „groben Daumen“ ausgerechnet, bei 950 Stellen liegen. Wie viele es am Ende genau sein werden, ist dabei gar nicht entscheidend, allein die Größenordnung sollte aufschrecken. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig. Viele erfahrene Erzieherinnen erreichen in den nächsten Jahren das Rentenalter; gleichzeitig werden wieder mehr Kinder geboren und wächst die Nachfrage der Eltern nach Betreuung stetig. Auch durch verbesserte Personalschlüssel, wie sie das neue Kinderbildungsgesetz in NRW vorsieht, entsteht ein Mehrbedarf an Fachkräften.

25 Prozent wandern schnell wieder ab

Eingedenk all dieser Entwicklungen mutet es geradezu grotesk an, wenn jede vierte Erzieherin in den ersten fünf Jahren ihr Arbeitsfeld wieder verlässt. Diese bedenkliche Quote dürfte auch mit der Vergütung zusammenhängen, die sich zwar verbessert hat, insbesondere in der Ausbildung aber immer noch zu wünschen übrig lässt. Die Träger stehen unter einem hohen Kostendruck, und es soll auch im Kreis Unna noch immer welche geben, bei denen das Praktikumsjahr unbezahlt ist. „Gleichzeitig merken die Träger auch, dass es immer schwerer wird, Personal zu finden. Sie müssen umdenken“, sagt Carmen Uibel, Abteilungsleiterin der Sozialpädagogik am Lippe-Berufskolleg in Lünen.

Helfen soll allen Beteiligten ein neues Ausbildungsmodell namens PiA; wobei die Abkürzung für „Praxisintegrierte Ausbildung“ steht. Ein zentraler Bestandteil ist die Vergütung über die gesamte Ausbildungsdauer von drei Jahren. Die Träger können hierfür Zuschüsse vom Bund bekommen. Die angehenden Erzieherinnen erhalten dann bei Trägern, die den Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) anwenden, im ersten Ausbildungsjahr 1140 Euro, im zweiten 1202 Euro und im dritten 1303 Euro, mehr Urlaub und eine Jahressonderzahlung.

Von Beginn an in der Kita

Aber auch der Ablauf der Ausbildung verändert sich. Im Gegensatz zur herkömmlichen Ausbildung, die weiterhin angeboten wird, sind die angehenden Erzieherinnen von Anfang an zwei Tage pro Woche (im ersten Jahr) beziehungsweise drei Tage pro Woche (im zweiten und dritten Jahr) in der Kita tätig, an den anderen Tagen gehen sie zur Berufsschule. Eine Art duale Ausbildung tritt damit an die Stelle der bisher relativ strikt getrennten zweijährigen Theorie- und einjährigen Praxisausbildung.

Kontakt für weitere Informationen

  • Märkisches Berufskolleg Unna, Parkstraße 22, 59425 Unna, Brit Albrecht, Abteilungsleiterin der Fachschulen, E-Mail albrecht@mbk-unna.de, Tel. (02303) 27-1245
  • Lippe-Berufskolleg Lünen, Dortmunder Straße 44, 44536 Lünen, Carmen Uibel, Abteilungsleiterin Sozialpädagogik, E-Mail uibel@lbk-luenen.de, Tel. (02306) 100-443

Start zum neuen Schuljahr

Mit jeweils einer „PiA-Klasse“ starten das Märkische Berufskolleg in Unna und das Lippe-Berufskolleg in Lünen zum Schuljahr 2019/20. „Die schulischen Voraussetzungen sind da, Interessenten haben wir auch genug, nun müssen die Träger noch mitmachen“, sagt Brit Albrecht, Schulleiterin am Märkischen Berufskolleg. Die meisten hätten bereits Interesse bekundet, ergänzt Schuldezernent Torsten Göpfert, auch wenn noch nicht mit jedem Träger eine Kooperationsvereinbarung geschlossen wurde. Interessenten ist zu raten, sich zunächst einmal in den Schulen zu erkundigen; bewerben müssen sie sich letztlich aber sowohl um einen Platz im Berufskolleg als auch beim Kita-Träger. Sorgen, den Arbeitsplatz mangels genügend Arbeit irgendwann zu verlieren, braucht sich dagegen niemand zu machen. Zumal staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher auch abseits von Kitas dringend gesucht werden, etwa im Bereich des Offenen Ganztags oder in der Jugendhilfe.

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