Barbershops breiten sich im Kreis Unna aus

dzMänner unter sich

In Großstädten liegen Barbershops schon länger im Trend. Jetzt erobern die Wohlfühloasen für Männer auch kleinere Städte wie Unna, Lünen und Schwerte. Und das Angebot kommt gut an.

Kreis Unna

, 18.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Zwei schwarze Ledersessel mit Kopfstütze und Fußraste, dahinter ein Waschbecken, Scheren und Kämme. Auf den ersten Blick sieht bei Fabio Zelletta alles aus wie in einem normalen Friseursalon. Doch dann merkt man, dass etwas anders ist. An der Wand hängen Bilder verschiedener Bartformen, auf der Ablage vor den großen Spiegeln reihen sich auffällig viele Rasierpinsel und -messer aneinander. Und von Frauen fehlt jede Spur. Fabio Zelletta betreibt einen Barbershop – eine Wohlfühloase nur für Männer.

Seit Anfang Februar gibt es den kleinen Laden an der Friedrich-Ebert-Straße 48 in Unna. „Barbiere da Fabio“ heißt er und ist Zellettas wahr gewordener Traum: ein Raum, zwei Stühle und der Italiener mit Kamm und Schere mittendrin. So hatte er es sich schon als kleiner Junge in seiner Heimatstadt Tarent ausgemalt, als er mit seinem Vater zum Barbier nebenan ging.

Doch noch vor einem Jahr hätte der 33-Jährige nicht geglaubt, dass er jemals einen eigenen Laden haben würde. Er war Leiter eines Friseursalons in Hemer und hatte mehr als gutzutun. Er rotierte zwischen einer Dauerwelle hier, einem Kurzhaarschnitt und Strähnen dort. „Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Satz ‚Fabio kannst du eben mal‘ gehört habe“, erinnert sich der gelernte Friseurmeister.

Schritt in Selbstständigkeit

Irgendwann hatte Zelletta genug. Er wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine neue Zielgruppe hatte er da bereits im Visier: Männer. „Frauen haben doch auch ihre kleinen Wellness-Oasen, wo sie unter sich sind. Männer brauchen das auch“, ist der 33-Jährige überzeugt. Und wo ginge das besser als in einem Barbershop? In Unna fand er den passenden Laden. Der Rest ist Geschichte.

In Italien gehören Barbier-Läden traditionell zum Straßenbild, ähnlich wie in vielen orientalischen Ländern. In deutschen Großstädten sind sie seit einiger Zeit im Trend. Nun erobern die sogenannten Barbershops auch kleinere Städte. In Unna ist es „Barbiere da Fabio“, in Lünen gibt es mit „Männersache“, „Turunlar’s Barbershop“ und „Old School“ gleich drei Läden. Und in Schwerte hat vor knapp zwei Jahren der „Barbier-Laden“ eröffnet.

Barbershops breiten sich im Kreis Unna aus

© Bettina Hesse

Zum klassischen Angebot der Barbershops gehört etwa die Nassrasur mit dem Messer, der klassische Kurzhaarschnitt oder das Formen eines Bartes. Die Kunden sitzen dabei nicht selten auf Sesseln im Retro-Look, trinken in ganz hippen Läden Bier oder Whiskey und rauchen auch mal eine Zigarre, wie zum Beispiel im Barbershop „Barbiero“ in Dortmund.

Bei Fabio Zelletta in Unna gibt es keine Zigarren, dafür aber Espresso, wie es sich für einen Italiener gehört. 90 Prozent seiner Kunden kommen für eine Rasur oder Bartpflege in seinen Laden. Barbershops sind für den 33-Jährigen aber keine Trenderscheinung, die von den seit einiger Zeit angesagten Hipster-Bärten herrührt. Geschäftsmänner hätten einfach den Moment genutzt, sich endlich den Bedürfnissen der Männer zu widmen. „Bärte hat es immer gegeben. Nur haben sich viele Männer nicht getraut, die Frau beim Friseur zu fragen, ob sie auch den Bart stutzen könnte“, meint Zelletta.

Rückzugsort für Männer

In Barbershops geht es auch um viel mehr als nur um Haare. Vielen Männern dienen die Läden als Rückzugsort. Hier sind sie unter sich, reden über Felgen und Frauen, können ungestört im Playboy blättern. „Bei mir dürfen Männer noch Männer sein“, betont Zelletta. Und sie sollen sich entspannen, den Kopf freikriegen vom Alltag.

So wie zum Beispiel Dominik Wünsch. Der 23-Jährige sitzt bei Zelletta auf dem Friseurstuhl und lässt sich in der Mittagspause die Haare schneiden. Der Unnaer gehört zu den Stammkunden von Zelletta und ist begeistert von seinem Angebot. Nicht nur, weil der Italiener sein Handwerk versteht, sondern auch, weil er das umsetzt, was sich der Kunde wünscht. Und: „Nach 30 Minuten bei Fabio bin ich so entspannt wie nach einem ganzen Wellness-Wochenende“, sagt Wünsch.

Barbershops breiten sich im Kreis Unna aus

© Bettina Hesse

Die meisten Kunden, die zu „Barbiere da Fabio“ kommen sind zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig. „Sie achten auf ihr Äußeres. Da muss alles stimmen, auch die feinste Kontur beim Bart“, sagt Zelletta. Aber auch immer mehr ältere Kunden kommen in den kleinen Laden in der Friedrich-Ebert-Straße. Manchmal seien es auch Väter mit ihren Söhnen, die sich zusammen verwöhnen lassen wollten. Das Angebot „Padre + Figlio“ (deutsch: Vater und Sohn) kostet 33 Euro.

Auch wenn Barbershops derzeit wie Pilze aus dem Boden wachsen: Dass sie zu einer großen Konkurrenz für traditionelle Friseursalons werden, diese Gefahr sieht Wolfgang Mikeleit nicht. „Das Angebot ist doch sehr speziell. Ein richtiger Barbershop richtet sich ja nur an Männer“, sagt der Obermeister der Friseur-Innung im Kreis Unna. Und ob sich dieses Geschäftsmodell durchsetze, müsse man erst einmal abwarten. Im normalen Friseursalon könnten Männer ihren Bart schließlich auch schneiden lassen.

Bei Zelletta ist indes der Postbote vorbeigekommen und hat ein Päckchen mit neuen Rasierpinseln aus Italien gebracht. Die müssen erst einmal 24 Stunden im Wasserbad liegen, bevor der nächste Kunde damit eingeseift und verwöhnt wird.