Auf Spurensuche mit Schweißhündin Mora

dzSuche nach Wild

Wenn irgendwo im Kreis Unna verletztes Wild aufgestöbert werden muss, sind sie zur Stelle: Michael Garbe und seine Schweißhündin Mora. Gemeinsam machen sie sich auf die Spur, oft mit Erfolg.

Kreis Unna

, 24.11.2018, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit der Nase fest am Boden läuft Mora über eine kleine Wiese am Rande eines Bergkamener Waldstücks. Die Halme sind noch nass vom Morgentau, die Temperatur liegt kaum über 0 Grad. Die Hündin scheint das nicht zu stören. Unentwegt schnüffelt sie über den Boden, arbeitet sich Meter für Meter weiter vor. Nur einmal blickt sie kurz auf und dreht sich zu ihrem Herrchen um. Für Michael Garbe das Zeichen, dass Mora Fährte aufgenommen hat, in diesem Fall die gelegte Fährte eines verletzten Rotwilds. Der Sucherfolg ist da nur noch eine Frage der Zeit.

Was für Mora einem Spiel gleicht, ist tatsächlich ein wichtiger Teil des Tierschutzes. Denn Mora ist ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, Michael Garbe ihr Hundeführer. Gemeinsam bilden sie ein Schweißhundegespann. Sie werden gerufen, wenn im Kreis Unna verletztes Schalenwild aufgestöbert und von seinem Leiden erlöst werden muss – zum Beispiel nach einem Wildunfall oder wenn ein Tier bei der Jagd nur angeschossen wird und flüchtet. Nachsuche nennt sich das in der Jägersprache.

Vor gut einem Jahr haben Garbe und seine Schweißhündin ihre Arbeit aufgenommen. Rund 80 Einsätze pro Jahr zählt das Gespann, bei Wildunfällen werden sie nicht selten nachts oder in den frühen Morgenstunden gerufen. Wenn so ein Anruf kommt, lässt der Kamener, der auch Jäger ist, alles stehen und liegen und macht sich sofort auf den Weg. Denn die Leidenszeit des verletzten Tieres soll so kurz wie möglich sein.

Absolutes Vertrauen

Auf Spurensuche mit Schweißhündin Mora

Auch wenn Mora das Aufspüren von verletztem Wild im Blut liegt, muss sie regelmäßig mit ihrem Herrchen Michael Garbe trainieren, zum Beispiel mit dem Fährtenschuh. © Bettina Hesse

Die Suche beginnt für Mora und ihr Herrchen an der Stelle, wo das Wild verletzt wurde. Dort nimmt die Hündin die Fährte auf und folgt ihr. „Dann ist der Hund der Chef und sagt, wohin wir gehen und wie lange wir gehen“, erklärt Garbe, der Mora bei der Suche nur an einer 15 Meter langen Spezialleine festhält. Er muss ihr und ihrer Nase vertrauen. Einer Nase, die nicht nur die Stresshormone und das Blut eines verletzten Tieres, den sogenannten Schweiß, sondern auch die durch die Klauen aufgewühlte Erde riechen kann – und das bei Wind und Wetter und auch noch Stunden später.

Im Idealfall endet die Suche beim verletzten Wild. Garbes Aufgabe ist es dann, dem Tier den Gnadenschuss zu geben. „Häufig sind die Suchen allerdings Todsuchen“, weiß der 42-Jährige aus Erfahrung. Manchmal findet Mora auch gar nichts, entweder weil das Tier bereits von einem anderen Jäger entfernt wurde oder weil die Verletzung so leicht ist, dass das Tier ohne Probleme damit weiterleben kann.

Ansitz bis Waidmannsheil

  • Jäger haben eine eigene Sprache, die mehr als 3000 Begriffe umfassen soll. Wer die Jägerprüfung machen will, muss die wichtigsten Begriffe kennen.
  • Ansitz: Jagd vom Hochsitz oder einer Leiter, in Deutschland die häufigste Jagdform
  • Ansprechen: Wild erkennen (Art, Geschlecht, Altersklasse und Zustand)
  • Bache: weibliches Wildschwein (siehe Schwarzwild)
  • Blattschuss: Ein Treffer im Bereich des Schulterblatts, der zum schnellen Tod führt
  • Bock: ein männliches Reh
  • Büchse: Gewehr für Kugelpatronen, eine Flinte verschießt Schrot
  • Drückjagd: Treiber und Hunde bringen das Wild auf die Beine und bewegen („drücken“) es möglichst langsam auf die wartenden Jäger zu.
  • Pirsch: Einzeljagd, bei der sich der Jäger möglichst leise an das Wild heranschleicht (anpirscht). In Deutschland eher die Ausnahme.
  • Ricke: ein weibliches Reh
  • Rotwild: Hirsche beiderlei Geschlechts
  • Schalenwild: alles Wild mit Klauen (Schalen) wie Reh oder Hirsch
  • Schwarzwild: Wildschweine beiderlei Geschlechts
  • Schweiß: ausgetretenes Blut verletzter Tiere
  • Weidmannsheil oder Waidmannsheil: Gruß der Jäger, der Duden erlaubt beide Schreibweisen. Wenn dem erfolgreichen Jäger so gratuliert wird, antwortet er mit „Weidmannsdank“, sonst auch mit Weidmannsheil.

Was nach einem entspannten Spaziergang durch den Wald klingen mag, kann durchaus anstrengend und teilweise auch gefährlich sein. Denn eine Nachsuche kann über viele Kilometer durch unwegsames Gelände führen. „So eine Strecke läuft man nicht eben mal ab, das ist richtig Arbeit“, so Garbe. Heikel kann es werden, wenn zum Beispiel ein Wildschwein nachgesucht wird. Mit seinen Hauern kann es nicht nur den Hund, sondern auch den Menschen verletzen. Zum Schutz trägt Garbe daher eine stoß- und stichfeste Hose. Pflicht sind außerdem eine Jacke in Signalfarben, um von anderen Jägern gesehen zu werden, sowie ein Helm.

Ehrenamtliche Arbeit

Geld bekommt Garbe für seine Arbeit nicht. „Das ist alles ehrenamtlich“, so der 42-Jährige. Geld stehe für ihn auch nicht im Vordergrund. „Mir geht es darum, dass die verletzten Tiere so wenig leiden müssen wie möglich“, betont der Kamener.

Mora hingegen liegt das Aufspüren von verletztem Wild im Blut. Als Bayerischer Gebirgsschweißhund gehört sie wie der Hannoversche Schweißhund und die Alpenländische Dachsbracke zu einer von drei Rassen, die von Jagdverbänden für die Nachsuche anerkannt sind. Aber auch andere Hunderassen dürfen eingesetzt werden, wenn sie denn entsprechend geschult sind.

Mehrjährige Ausbildung

Die Ausbildung dauert mehrere Jahre und beginnt schon im Welpenalter – anfangs mit spielerischen Übungen auf der Suche nach dem Fressnapf, später mit regelmäßigem Training mit dem Fährtenschuh. Dazu kommen Prüfungen, die jeder Schweißhund bestehen muss, um auf Nachsuche gehen zu dürfen. Durch die lange und intensive Zusammenarbeit haben Garbe und Mora eine ganz besondere Verbindung. „Es ist ein besonderes, fast vermenschlichtes Verhältnis“, sagt der Kamener.

Dass die beiden ein gutes Team sind, stellen sie derzeit fast jedes Wochenende unter Beweis. Denn im Herbst ist Hauptjagdsaison – und damit auch Hauptsaison für Garbe und seine Hündin mit der feinen Spürnase.