Arbeitgeber verlangt Coronavirus-Test von einem Angestellten

dzArbeitsverbot

Insbesondere Senioren haben Angst vor dem Coronavirus – sie gehören zur Risikogruppe. Ein älterer Arbeitgeber verlangt einen Test von einem Beschäftigten. Nur dann darf dieser wieder in den Betrieb.

Kreis Unna

, 09.04.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie weit darf ein Arbeitnehmer gehen, der Angst vor dem Coronavirus hat? Darf er von seinen Angestellten einen Corona-Test verlangen, bevor die das Betriebsgelände wieder betreten dürfen? Ein im Kreis Unna niedergelassener Allgemeinmediziner ist sich sicher, dass der Senior-Chef eines Unternehmens mit dieser Forderung zu weit gegangen ist.

„Ich habe gegen meine eigene Überzeugung einen Test durchgeführt“, sagt der Mediziner. Dem Institut, das er um die Auswertung gebeten hat, hat er den Hinweis gegeben, dass der Chef den Test nach einer Durchfallerkrankung einfordere. Die Analyse solle nur durchgeführt werden, wenn die Kapazitäten dafür ausreichten.

Offensichtlich, so die Vermutung des Arztes, hatte der Unternehmer Angst, selbst am Coronavirus zu erkranken. Bei älteren Infizierten ist der Verlauf der Krankheit Covid-19 offenbar schwerer als bei jüngeren.

Patient erfüllt RKI-Kriterien nicht

Begründet sei diese Angst nicht gewesen. Zum einen zählt Durchfall nicht zu den typischen Symptomen bei Covid-19, zum anderen war der Arbeitnehmer in keinem Risikogebiet und hatte keinen Kontakt zu Menschen, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Damit steht auch fest, dass kein Gesundheitsamt den Test durchgeführt hätte. „Das entscheidende Kriterium für die Durchführung von Tests durch uns ist bekanntlich, ob die Person die vom Robert-Koch-Institut (RKI) beschriebenen Kriterien erfüllt“, erklärt etwa Constanze Rauert, Pressesprecherin des Kreises Unna. Zur Frage, ob dem Kreis ähnliche Anliegen von Arbeitgebern bekannt sind, äußert sie sich nicht.

IG Metall: „Entscheidung liegt bei Gesundheitsbehörden“

Wer von seinem Chef aufgefordert wird, einen Test vorzunehmen, könnte sich auch an die Gewerkschaften wenden. „Im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Unna ist uns nicht bekannt, dass Arbeitgeber einen Corona-Test ohne besonderen Anlass oder bei nicht besonders sensibler Tätigkeit verlangen“, erklärt dazu eine Sprecherin der IG Metall.

Die Gewerkschaft sieht keine Entscheidungsbefugnis bei einem Arbeitgeber. „Ob getestet werden muss, entscheiden die Gesundheitsbehörden“, erklärt die Sprecherin. Die IG Metall gibt auf ihren Internetseiten ausführliche Informationen zum Thema Coronavirus. Mitglieder haben zudem die Möglichkeit einer persönlichen Beratung, wenn sie telefonisch einen Termin vereinbart haben.

Verdi: „Arbeitgeber haben keinen Anspruch“

„Ein Arbeitgeber hat grundsätzlich keinen Anspruch auf solch einen Nachweis“, sagt auch Gudrun Janßen, stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin im Verdi-Bezirk Westfalen. Auch Verdi habe im Kreis Unna noch nichts von solchen Ansinnen von Arbeitgebern mitbekommen. Janßen: „Unseren Mitgliedern raten wir in solchen Fällen, sich immer mit uns in Verbindung zu setzen, damit wir hier jeden Einzelfall über unsere Rechtsschutzabteilung abklären können.“

Kein Coronavirus nachgewiesen

Das Ergebnis des Coronatests des Angestellten liegt inzwischen vor. Es ist so ausgefallen, wie es der behandelnde Arzt erwartet hatte: negativ. Damit darf der Mann nun auch wieder arbeiten. Ein Recht, das er sonst wohl auch hätte einklagen können.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Schmallenbach-Haus
Verzögerung bei Corona-Tests „problematisch“: Pflegeheim-Chef kritisiert Gesundheitsamt
Hellweger Anzeiger Spezielle Atemschutzmasken
Masken mit Batterien erleichtern das Atmen: 3M kooperiert zum Corona-Schutz mit Ford