Applaus am Busbahnhof: So erlebt ein VKU-Fahrer die Corona-Krise

dzCoronavirus und Nahverkehr

Applaus beim Zwischenstopp kennen sonst nur Flugzeugpiloten: Busfahrer Thomas Tralle und seine Kollegen von der VKU sind gerührt von freundlichen Gesten der Passagiere in der Corona-Krise.

Kreis Unna

, 31.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Interview mit Carsten Fischer berichtet Busfahrer Thomas Tralle, wie das Coronavirus seinen Berufsalltag und das Busfahren überhaupt zurzeit verändert.

In den VKU-Bussen darf man seit zwei Wochen nur noch hinten einsteigen, und Fahrkarten gibt es nicht mehr beim Einstieg. Welche Erfahrungen haben die Busfahrer mit der Schutzmaßnahme gemacht?

Positive. Die ersten ein, zwei Tage gab es noch Probleme, bis die Fahrgäste realisiert hatten, dass sie hinten einsteigen müssen. Nachdem sich das herumgesprochen hatte, ging das reibungslos.

Sie selber sitzen auch am Steuer.

Ja, ich war bis kurz vor der Umstellung auf den Ferienfahrplan auch im Fahrdienst. Als Betriebsratsvorsitzender fahre ich an Schultagen einen Kurzdienst und in den Ferien nicht. Die Leute sitzen in den Bussen weit auseinander und folgen damit der Abstandsregel. Wir haben jetzt auch so gut wie alle Gelenkbusse am Laufen, soweit sie nicht zur Haupt- und Zwischenuntersuchung dran sind. Darin ist mehr Platz.

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Manche Menschen stehen täglich am Balkon, applaudieren oder singen, um die Arbeit derjenigen zu würdigen, die dafür sorgen, dass Krankenhäuser und Supermärkte weiter funktionieren. Erleben Sie so etwas auch als Busfahrer?

Wir von der VKU haben in den vergangenen Tagen so viel Lob aus der Politik und von unseren Fahrgästen bekommen, dass wir nicht wie andere Verkehrsbetriebe die Verkehre soweit runterfahren, dass keiner mehr zu seinem Arbeitsplatz kommt. Wir sind gerührt von den Gesten, die wir bemerken. Da wird an einigen Busbahnhöfen von Fahrgästen applaudiert dafür, dass wir die Busse in dieser schweren Zeit lenken. Den Kollegen wird gesagt: Gut, dass ihr fahrt. Und gut, dass ihr nach dem Ferienfahrplan unterwegs seid und nicht nach dem Sonntagsplan wie einige Verkehrsunternehmen.

Zur Person

Die VKU und Thomas Tralle

  • Thomas Tralle, 55, aus Unna ist Busfahrer und seit 30 Jahren bei der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) in Kamen beschäftigt. Seit 1998 ist er im Betriebsrat aktiv, seit 2014 als Vorsitzender.
  • 185 Omnibusse, davon 79 eigene und 106 angemietete, bilden den Fuhrpark der VKU. Die Busse legen über acht Millionen Kilometer jährlich auf 107 Linien mit einer Gesamtlänge von 1963 Kilometern zurück.
  • Das kommunale Unternehmen beschäftigt 236 Mitarbeiter und Azubis (Stand: 2018).
  • Der Einstiegslohn eines Busfahrers liegt bei rund 2500 Euro brutto.

Das heißt, der VKU-Fahrplan ist nicht so stark verkürzt wie anderswo?

Wir fahren gemäß unseres öffentlichen Dienstleistungsauftrags, den wir vom Kreis Unna bekommen haben, immer noch unser volles Fahrplanangebot nach Ferienplan. So lange der Krankenstand das zulässt.

Beeinträchtigt der Krankenstand den Betrieb?

Nein. Wir helfen uns gegenseitig an den Betriebshöfen in Kamen und Lünen aus. Zum Beispiel war eine Kollegin aus Lünen in Kamen im Einsatz und umgekehrt machen wir das auch. Normalerweise haben wir als Fahrer an Schultagen 115 Dienste zu besetzen, in den Ferien sind es 97 Dienste. Das sind 15 Prozent weniger. Dadurch haben wir personell Luft.

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Trotz Coronakrise bleibt der öffentliche Nahverkehr bestehen. Wer sorgt alles dafür?

Ohne die Busfahrer, ohne die Kollegen in den Werkstätten, im Büro und in der Leitstelle würde der Laden nicht laufen. Der früheste Fahrdienst beginnt morgens um 4.17 Uhr, nach Mitternacht kommt der letzte Dienst rein.

Welche Abläufe ändern sich durch die Corona-Krise?

Derjenige, der einen Kollegen an einer Bushaltestelle ablöst, fährt nicht mehr mit dem Ablöse-PKW zu der Stelle, sondern mit einem neuen Bus. Das ist planerisch erst einmal am Kamener Bahnhof umgesetzt worden, weil dort die Mehrzahl an Ablösungen stattfindet. Diese Busse sind durch das Reinigungspersonal desinfiziert worden, zum Beispiel die Haltestangen, das Hartmaterial, der Fahrer-Arbeitsplatz.

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