Alarmstimmung durch Orkan „Sabine“. Über tausend Feuerwehrleute sind einsatzbereit, Dachdecker rechnen mit Zusatzarbeit. Der Schulbesuch Montag ist freigestellt. Und das kann man vorab tun.

Kreis Unna

, 07.02.2020, 15:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alarmstimmung durch das Orkantief „Sabine“, das den Kreis Unna am Sonntag etwa um Mitternacht treffen soll. Mehr als tausend Feuerwehrleute sind kreisweit in Bereitschaft, um in Notfällen helfen zu können. Viele Schulen informierten bereits am Freitagmittag, dass es den Eltern freigestellt ist, ihre Kinder zur Schule zu schicken, falls der Schulweg unsicher erscheint. Auch die Dachdecker rechnen mit Zusatzarbeit.

9.000 Notrufe binnen zwölf Stunden bei Sturm „Friederike“

Viel Sonnenschein und fast Windstille. An einem herrlichen Wintertag am Freitag erscheint es kaum vorstellbar, dass in der Nacht zu Montag ein Orkantief über Nordrhein-Westfalen und den Kreis Unna hinwegziehen soll.

„Der Sturm kommt“, sagt Kreisbrandmeister Thomas Heckmann und ergänzt: „Es gibt aber noch viele Fragezeichen. Wird es nur etwas pustig oder gibt es die volle Breitseite?“ Am Freitag ist noch nicht klar, welche Ausmaße das Unwetter erreicht.

Egal, ob pustig oder Orkan: Die Leitstelle der Feuerwehr Kreis Unna bildet von Sonntag auf Montag das Herz des Einsatzgeschehens, weil dort alle Notrufe auflaufen, die dann an die Feuerwehren in den Städten und Gemeinden weitergegeben werden. Allein 9.000 Notrufe binnen zwölf Stunden waren es beim Sturmtief „Friederike“ im Januar vor zwei Jahren.

Alarmstimmung durch Orkantief Sabine: Jeder kann sich vorbereiten – schulfrei am Montag

Der Orkan Kyrill hatte Anfang 2007 im ganzen Land gewütet. Betroffen war davon auch der Straßenverkehr wie hier in Heeren-Werve. Die Feuerwehren rüsten sich jetzt für den möglichen Einsatz. Sie tankten die Motorsägen auf, füllten Öl nach und schärften die Ketten. © Stefan Milk

Nur im Notfall die Feuerwehr alarmieren

„Wir sind einsatzbereit und jeder Mitarbeiter weiß Bescheid“, so Heckmann. Falls das Unwetter die angekündigten Ausmaße von Orkanböen über 120 Stundenkilometern erreicht, wird die Leitstelle an der Florianstraße gleichzeitig mit bis zu 13 Kräften, die die Notrufe aufnehmen, besetzt.

Zum Vergleich: Ansonsten teilen sich dort lediglich fünf Kräfte einen Tag- und Nachtdienst. Dringender Rat der Feuerwehr: In Notfällen auf jeden Fall schnell die 112 wählen, aber wirklich nur dann, weil ansonsten wichtige Kapazitäten für echte Notfälle blockiert werden. „Ist nur ein Baum im Garten umgefallen, ist ein Notfall nicht gegeben – es sei denn, es ist jemand verletzt worden“, illustriert Heckmann. Je nach Einsatzlage könne es auch Wartezeiten bei der Annahme der Notrufe geben.

Alarmstimmung durch Orkantief Sabine: Jeder kann sich vorbereiten – schulfrei am Montag

Kreisbrandmeister Thomas Heckmann und die Feuerwehren im Kreis Unna sind vorbereitet auf das Orkantief „Sabine“. Bei einer derartigen „Flächenlage“, wie es im Behördendeutsch heißt, werden die Notrufe aus der Leitstelle an die sogenannten „Meldeköpfe“ in den Städten und Gemeinden weitergegeben. Dort herrscht überall Einsatzbereitschaft. © Udo Hennes

Ungeschützte Orte wie Parks und Wälder sollten gemieden werden

Wie andere Städte auch, veröffentlichte die Stadt Kamen am Freitag eine Unwetterwarnung, ausgehend von der Meldung des Deutschen Wetterdienstes. „Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, sich während des Unwetters in Sicherheit aufzuhalten“, so Stadtsprecher Peter Büttner. Ungeschützte Orte wie Parks und Wälder sollten gemieden werden. Zudem werde vor herumfliegenden Dachziegeln und umgestürzten Bäumen und Baugerüsten gewarnt.

Eine Warnung, die der Bergkamener Feuerwehrchef Dirk Kemke ergänzt. „Jeder sollte noch einmal ums Haus gehen und gucken, was dort wegfliegen kann“, sagt Kemke. „Alles sichern, egal ob Trampoline, Pavillons, Mülltonnen oder Fahrräder.“ Ein wichtiger Hinweis außerdem: Falls möglich, sollte man seinen Wagen so parken, dass keine Äste aufs Autodach fallen können.

Kemke kann in der Nacht auf Montag auf etwa 200 Kräfte mit 30 Fahrzeugen zurückgreifen, falls es notwendig wird. Die Feuerwehrleute tankten bereits die Motorsägen auf, füllten Öl nach und schärften die Ketten.

Alarmstimmung durch Orkantief Sabine: Jeder kann sich vorbereiten – schulfrei am Montag

Die Karte zeigt in Rot, wo am Sonntagabend Sturmböen von mehr als 100 Stundenkilometern drohen. © obs/WetterOnline Meteorologische Dienstleistungen

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Eltern können entscheiden, ob sie Kinder zur Schule schicken

Bereits am Freitagmittag informierten die Schulen des Kreises auf ihren Homepages, dass es Eltern am Montag freigestellt ist, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Das Ministerium für Schule und Bildung hatte sämtliche Schulen in NRW zuvor auf die bevorstehende Wetterlage aufmerksam gemacht.

In der Fridtjof-Nansen-Realschule in Kamen war zudem ein Elternbrief an die Schüler des fünften und sechsten Jahrgangs verteilt worden, der auf die Lage aufmerksam machte. „Oberste Priorität hat die Sicherheit und Unversehrtheit aller Schülerinnen und Schüler“, so Staatssekretär Mathias Richter am Freitag in Düsseldorf.

Nicht nur Schulen können den Unterricht ganz absagen. Auch die Eltern dürfen aufgrund der Wetterlage entscheiden, ob sie den Schulweg für sicher erachten. Hinweise zum Unterrichtsausfall gibt es auf den jeweiligen Homepages der Schulen.

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Heimische Dachdecker in Bereitschaft: Viel Zusatzarbeit erwartet

Die heimischen Dachdecker, die am Sonntag in Bereitschaft sind, rechnen mit reichlich Zusatzarbeit, falls tatsächlich ein Orkan über den Kreis Unna fegt. Harry Böhle, Geschäftsführer des Traditionsbetriebs „BLS“ in Kamen, blickt auf das Jahr 2018 zurück, als durch den Sturm Friederike 450 zusätzliche Arbeitseinsätze folgten. „Und jetzt sind noch größere Windgeschwindigkeiten angekündigt.“

Windgeschwindigkeiten über 120 Stundenkilometer, die dem Dachdeckerbetrieb beim Orkan Kyrill im Jahr 2007 zusätzliche 1500 Einsätze bescherten. „Über Aufträge wollen wir nicht klagen, davon leben wir ja. Aber es ist definitiv eine Zusatzbelastung, durch die sich andere Aufträge wieder nach hinten verschieben.“

Die Dachdecker im Kreis Unna bereiteten sich jetzt darauf vor, dass die Baustellen gesichert sind. Böhles Rat an die Bürger: „Immer die Ruhe bewahren und abwarten, bis sich der Sturm gelegt hat. Fliegt eine Dachpfanne herunter, ist das kein Drama.“

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