Afrikanische Schweinepest bereitet Bauern Sorge

dzGrenzenlose Seuche

Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher. Vor einem Monat ist das Virus bei Wildschweinen in Belgien nachgewiesen worden. Die Landwirte im Kreis Unna sind besorgt.

Kreis Unna

, 20.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kreis Unna wächst die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Mitte September war das für Menschen ungefährliche Virus erstmals bei Wildschweinen in Belgien entdeckt worden – nur 60 Kilometer von der deutschen und 120 Kilometer von der nordrhein-westfälischen Grenze entfernt. Seitdem befinden sich die Schweinezüchter in der Region in Alarmbereitschaft.

„Die Lage ist sehr angespannt. Wir machen uns große Sorgen“, bringt es Hans-Heinrich Wortmann auf den Punkt. Er ist nicht nur Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Ruhr-Lippe, sondern auch selbst Schweinezüchter. Von einem Befall im Hausschweinebestand geht er derzeit zwar nicht aus, „aber bei den Wildschweinen könnte es jederzeit passieren“.

Weitreichende wirtschaftliche Folgen

Die größte Sorge bereiten Wortmann dabei die wirtschaftlichen Folgen. Denn schon beim ersten Nachweis in Deutschland droht der Export von Schweinefleisch in andere Länder zum Erliegen zu kommen. „Belgien hat jetzt zum Beispiel einen Selbstversorgungsgrad von 230 Prozent, die Schweinepreise sind im Keller“, befürchtet Wortmann ein ähnliches Szenario für Deutschland.

Auf politischer Ebene kämpfen die Landwirte daher für regionale Restriktionen. Es dürfe nicht sein, dass ein totes Wildschwein in Bayern auch das Geschäft mit Schweinen in Schleswig-Holstein lahmlegt. „Dann bricht der Markt komplett zusammen“, ist Wortmann überzeugt. Im Kreis Unna wären rund 170 Schweinehalter mit einem Bestand von knapp 140.000 Tieren betroffen.

Afrikanische Schweinepest bereitet Bauern Sorge

„Die Lage ist sehr angespannt. Wir machen uns große Sorgen“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Ruhr-Lippe.

Funde unmittelbar melden

Damit es gar nicht so weit kommt, sind Landwirte, Jäger und auch die Kreisveterinärbehörde in größter Alarmbereitschaft. So sind Jäger, die Wildschweine geschossen haben, weiter aufgefordert, Proben einzusenden und amtlich untersuchen zu lassen. Die bisher untersuchten Proben seien bislang aber alle negativ gewesen, betont Josef Merfels, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz. Zudem sind Funde von toten Wildschweinen unmittelbar zu melden.

Zum Schutz vor einer Einschleppung rät Dr. Anja Dirksen, Sachgebietsleiterin Veterinärwesen, zu diversen Vorsichtsmaßnahmen. Jäger sollten Regionen, die von der ASP betroffen sind, unbedingt meiden. Dazu gehören insbesondere Gebiete in Polen, Tschechien, Russland, Weißrussland, im Baltikum und in der Ukraine. Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge und Jagdausrüstung müssten gründlich gereinigt oder desinfiziert werden. Wildabfälle müssten zudem korrekt entsorgt werden.

Maßnahmen getroffen

Auch die Landwirte haben bereits Vorkehrungen getroffen. „Es gelten strenge Hygienemaßnahmen“, betont Petra Drees-Hagen, Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV). Die Höfe seien alle abgeriegelt, damit Wildschweine weder mit Hausschweinen noch Futterstellen in Kontakt kommen. Die Landwirte würden ihre Schuhe wechseln, bevor sie die Schweineställe betreten.

Der größte Risikofaktor bei der Ausbreitung sind ohnehin nicht die Tiere, sondern der Mensch. Das widerstandsfähige Virus überlebt nämlich monatelang in gepökelten und geräucherten Waren wie Salami. Werden diese dann achtlos in der Landschaft, zum Beispiel an einem Rastplatz entsorgt, ist der Weg zu den heimischen Wildschweinen nicht mehr weit. „So dürfte der Virus auch nach Belgien gekommen sein“, vermutet Wortmann. An erster Stelle steht für ihn daher die Aufklärung. „Die Öffentlichkeit muss über die Gefahren informiert werden.“

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