Häufig versuchen Einbrecher nur kurz, über Fenster, Türen oder den Balkon einzudringen © picture alliance/dpa
Kriminalstatistik

Zahl der Einbrüche im Kreis Unna in einem Jahr mehr als verdoppelt

Während landesweit ein massiver Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen verzeichnet wird, hat sich die Gesamtzahl aller Einbrüche im Kreis Unna mehr als verdoppelt. Die Polizei hat einen Verdacht.

Die Zahl der Einbruchsdelikte hat sich zwischen Januar und Juli 2021 stark auf 76 bekannt gewordene Fälle erhöht. Im Juli 2020 waren es nur 35 angezeigte Einbrüche. Genau umgekehrt verläuft der Trend beim Taschendiebstahl.

»Die Zahlen haben sich eingependelt.«

Christian Stein, Sprecher Kreispolizeibehörde Unna

„Die konkrete Ursache dafür zu finden ist schwierig“, räumt Polizeipressesprecher Christian Stein ein. Die Kripo folgt bei der Ursachenforschung allerdings einer Fährte, die plausibel erscheint: Das Corona-Jahr 2020 kann so gut wie gar nicht mit anderen Zeiträumen verglichen werden.

Reisende Täter lassen Statistik schwanken

Zu den erfassten Einbrüchen zählen solche in Wohnungen ebenso wie solche in Firmen oder Kleingartenanlagen. Im Juli 2020 seien vielen Menschen wegen der Pandemie nicht verreist oder hätten ihren Urlaub verkürzt und sich damit häufiger als sonst in den Sommerferien zuhause oder in ihrem Schrebergarten aufgehalten.

„Den Tätern wurde damit die Möglichkeit genommen, dort einzusteigen“, so Christian Stein. Untermauert wird diese Annahme durch einen Langzeitvergleich: Vor fünf Jahren, im Juli 2016, lagen die Einbruchszahlen bei 99 Fällen und damit näher an den in diesem Jahr erfassten 76 Einbrüchen.

Betrachtet man die Wohnungseinbrüche separat, folgt der Kreis Unna nicht dem landesweit rückläufigen Trend: 16 Fälle registrierte die Polizei im Juli 2021, 15 waren es im Juli 2020. Es gibt also sogar einen minimalen Anstieg.

„Die Zahlen haben sich eingependelt“, sagt daher auch Christian Stein. Im Juli 2021 war die Pandemie bereits viel stärker eingedämmt als ein Jahr zuvor, Urlaub ist wieder häufiger bzw. an einem längeren Stück gemacht worden.

Nicht zu unterschätzen bei von Jahr zu Jahr schwankenden Einbruchszahlen und besonders bei Ausreißern nach oben sei aber ein ganz anderes Phänomen: reisende Täter. „Wenn sie bei uns durch sind, ziehen sie in den nächsten Kreis“, schildert Stein. Die Straftaten der mobile Banden, die meist für gehäufte Pkw-Aufbrüche verantwortlich sind, werden in den Statistiken dementsprechend nur in bestimmten Monaten abgebildet.

Zahl der Taschendiebstähle bestätigt Corona-Annahme

Sogar für die gegenläufige Entwicklung beim Taschendiebstahl mag Corona mit zahlreichen Lockdowns und Kontaktbeschränkungen als Ursache herhalten: Der Griff in den Einkaufswagen oder die Jackentasche sank nämlich im selben Zeitraum von 46 auf 24 Fälle. Als Erklärung dafür zieht die Polizei den Umstand heran, dass Einbrecher 2020 weniger Gelegenheiten fanden und auf den Taschendiebstahl umgestiegen sind.

Dagegen folgt die Entwicklung bei der Straßenkriminalität, also vor allem Körperverletzungen, Automatenaufbrüche oder Diebstähle auf öffentlichen Plätzen, keinem eindeutigen Corona-Trend: Mit 362 Fällen sank sie im Juli 2021 marginal im Vergleich zu Juli 2020 mit 386 erfassten Delikten.

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Redaktion Fröndenberg
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Marcus Land

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