Unfall auf der A1 zwischen Kamen-Zentrum und Kamener Kreuz Anfang 2020: Im vergangenen Jahr krachte es so selten wie lange nicht mehr auf den Autobahnen im Kreisgebiet. © Archiv/Stefan Milk
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Unfälle auf Autobahnen im Kreis Unna: Es wird besser

Eine Auswertung der Unfälle auf A1 und A2 im Kreis Unna mag manch einen überraschen: Es wird gar nicht immer schlimmer, sondern eher besser.

Es wird immer schlimmer. Dieser Kommentar findet sich gefühlt unter jedem Facebook-Post, wenn unsere Redaktion dort über einen Unfall auf der A1 oder A2 berichtet. Ein Blick auf die Fakten zeigt aber: Das Gefühl trügt, es wird im Gegenteil sogar immer besser.

Auf Anfrage unserer Redaktion hat die Polizei in Dortmund die Anzahl und Schwere der Verkehrsunfälle ausgewertet, und zwar auf der A1 zwischen dem Autobahnkreuz Dortmund/Unna und der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne sowie auf der A2 zwischen dem Kreuz Dortmund-Nordost und Hamm.

Unfälle und Verunglückte auf dem niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren

Das Ergebnis ist positiv: „Die Gesamtanzahl der Verkehrsunfälle sowie die Verunglücktenzahlen auf den Bundesautobahnen des PP Dortmund sind auf dem niedrigsten Stand der letzten 19 Jahre. Der positive Trend zeigt sich auch auf den benannten Abschnitten der A1 und der A2“, teilt die Polizei mit.

So gab es im vergangenen Jahr erfreulicherweise nicht einen tödlichen Unfall auf beiden Abschnitten. Die Gesamtzahl der Unfälle in vier Kategorien von tödlichen Verletzungen bis zu schwerwiegendem Sachschaden hat sich 2020 auf dem A1-Abschnitt rund ums Kamener Kreuz gegenüber 2019 sogar fast halbiert – von 104 auf 59. Auf der A2 fiel der Rückgang von 64 auf 55 Unfälle nicht ganz so deutlich aus.

Der Trend war schon im Jahr 2019 rückläufig – also noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie, die sich 2020 positiv auf das Unfallgeschehen nicht nur auf den Autobahnen auswirkte. Auch die Kreispolizei in Unna sieht zwischen dem Rückgang des Verkehrs durch mehr Homeoffice und der Reduzierung der Unfallzahlen einen Zusammenhang.

Polizei hält sich aus Tempolimit-Debatte heraus

So positiv die Entwicklung auch ist, bleibt doch für die Zeit nach der Pandemie wieder ein Anstieg zu befürchten. Überhaupt betont die Polizei, dass die Hauptursache für Verkehrsunfälle auf den Autobahnen „immer noch eine zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit und ein zu geringer Sicherheitsabstand“ seien. Die gefahrene Geschwindigkeit wirke sich dabei nahezu immer negativ auf die Unfallfolgen aus. Eine Reduzierung des Geschwindigkeitsniveaus könnte sich daher grundsätzlich positiv auf die Verkehrsunfallentwicklung auswirken, heißt es von Sprecher Sven Schönberg aus dem Polizeipräsidium Dortmund.

Eine Einschätzung, die den Schluss nahelegen könnte, dass sich die Polizei in der gerade wieder aufgeflammten Diskussion für ein generelles Tempolimit aussprechen würde. Genau das tut sie aber nicht. „Eine Einschätzung zu politischen Debatten können wir als Behörde nicht abgeben“, sagt der Polizeisprecher.

Auch ADAC verzichtet auf Empfehlung an die Politik

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hatte sich kürzlich gegen ein Tempolimit ausgesprochen und dafür einigen Gegenwind bekommen. Interessant ist, dass inzwischen selbst die Mehrheit des mitgliederstarken Automobilclubs ADAC für eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit votiert – wenn auch mit 50 zu 45 Prozent nur knapp.

Wie der ADAC, der die Interessen von über 21 Millionen Mitgliedern vertritt, selbst zu der Debatte steht, ist nicht zu erfahren. „Angesichts der polarisierenden Wirkung des Themas – auch unter den Club-Mitgliedern – verzichte der ADAC derzeit auf eine Empfehlung an die Politik, heißt es auf seiner Webseite.

Über den Autor
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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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