Joint Venture

Steinkohle-Aus: Kreis Unna soll Wasserstoff-Vorreiter in der Energiewende werden

Landrat Mario Löhr hat schon im Wahlkampf angekündigt, verstärkt auf Kompetenzen aus der Wirtschaft setzen zu wollen. Nun gibt es das erste Joint Venture – und eine Vision zur Energiewende.
Landrat Mario Löhr (SPD) arbeitet an seinen Visionen und holt dafür auch Partner aus der Wirtschaft wie Remondis ins Boot. © Alexander Heine

Die Energiewende braucht Visionäre. Und das, was dieses Joint Venture aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft anstrebt, ist so eine Vision: Der Kreis Unna soll Pionier und Vorreiter werden – und zwar, in dem er aus der (Steinkohle-)Not eine Tugend macht und auf Wasserstoff als Schlüssel zur Energiewende setzt.

Bis 2038 gehen alle Steinkohlekraftwerke vom Netz

Der Ausstieg aus der Steinkohle trifft den Kreis Unna mit seinen vier Kraftwerksstandorten heftig. Bis 2038 werden alle Steinkohlekraftwerke bundesweit vom Netz gehen. Das Gersteinwerk in Werne und das Steag-Kraftwerk in Lünen sind bereits abgeschaltet, die verbliebenen Kraftwerke in Lünen und Bergkamen werden folgen.

Ein Strukturwandel, der eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für die Region bedeutet – zumal obendrein auch Hamm betroffen ist –, der aber auch eine Chance sein kann.

Wasserstoff als Schlüssel-Element der Energiewende

Das jedenfalls ist die Botschaft eines Spitzentreffens um Landrat Mario Löhr (SPD) und Remondis-Vorstand Ludger Rethmann: Sie sehen in Wasserstoff mit den wichtigsten Baustein, wenn es um die Lösung der Klimakrise geht. Ihre Vision für die Region: Wasserstoffproduzenten ansiedeln und eine leistungsfähige Infrastruktur aufbauen, um Industriebetriebe zur Umstellung auf klimaneutrale Prozesse zu bewegen; auf dem Weg dahin sollen auch die Potenziale der unterschiedlichen Verkehrsträger gehoben werden. Zwei Beispiele: mit Wasserstoff betriebene Müllfahrzeuge und Busse.

„Da werden viele kleine Rädchen ein großes Rad in Bewegung setzen.“

Landrat Mario Löhr (SPD)

Ein ambitioniertes Vorhaben, keine Frage; dass es keineswegs utopisch ist, betont Rethmann mit Verweis auf sein Unternehmen Remondis, dessen Lippewerk in Lünen nach eigenen Angaben Europas größtes Zentrum für industrielles Recycling ist. „Mit unseren Recyclingaktivitäten versorgen wir die Industrie mit wertvollen Rohstoffen und sparen dabei obendrein eine knappe halbe Million Tonnen CO2 ein, alleine am Standort Lippewerk in Lünen.“ Landrat Löhr vertraut auf die Kompetenz vom Remondis: „Wir müssen langfristig denken und brauchen die Wirtschaft als Partner. Da werden viele kleine Rädchen ein großes Rad in Bewegung setzen.“

Ludger Rethmann, Vorstandsvorsitzender von Remondis
Ludger Rethmann, Vorstandsvorsitzender von Remondis © Alexander Heine © Alexander Heine

Was die Ansiedlung von Wasserstoffproduzenten anbelangt, hat Löhr freilich ein hohes Interesse an den Kraftwerksstandorten in Bergkamen, Lünen und Werne. Da werden allerdings noch mitunter schwierige Gespräche bevorstehen.

Wasserstoff-Technologie: Attraktive Arbeitsplätze für die Region

Der Anfang aber ist gemacht, schon weil 662 Millionen Euro Fördergelder für die Bewältigung des Strukturwandels zur Verfügung stehen – und weil die Beteiligten sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen, vom Bundesverkehrsministerium als Modellregion auserkoren zu werden, um Wasserstofftechnologien im Verkehrsbereich voranzubringen. „Wir haben die besten Rahmenbedingungen“, sagt Löhr, um mit der Wasserstofftechnologie auch attraktive Arbeitsplätze in die Region zu holen.

Michael Thews (SPD), Bundestagsabgeordneter aus Lünen
Michael Thews (SPD), Bundestagsabgeordneter aus Lünen, sieht eine „vielleicht einmalige Chance“ für die Region. © Alexander Heine © Alexander Heine

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Thews spricht von einer „vielleicht einmaligen Chance, aus einer ehemaligen Kohleregion eine Musterregion für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz zu machen.“

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