Pfingst-Spaziergang: Eine Erlebnis-Wanderung im Süden vom Kreis Unna

Freier Mitarbeiter
Am Bienenstand sind dicke Holzscheiben mit Löchern für die Hummel angebracht. Der Bienenstand ist eine kleine Wissensreise in die Welt der fleißigen Flieger und wird auch von Schülern der Paul-Gerhard-Schule gepflegt: v.l. Alex Pleßmann, Luise Brandtstetter, Frederick Schlüter und Klara Reckmann.
Am Bienenstand sind dicke Holzscheiben mit Löchern für die Hummel angebracht. Der Bienenstand ist eine kleine Wissensreise in die Welt der fleißigen Flieger und wird auch von Schülern der Paul-Gerhard-Schule gepflegt: v.l. Alex Pleßmann, Luise Brandtstetter, Frederick Schlüter und Klara Reckmann. © Stefan Reimet
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Zu Fuß unterwegs nimmt man Wege völlig anders wahr, das Auge ist aufmerksamer, alle Sinne sind in der Landschaft. Aus Durchrauschen wird Spazieren mit Genuss.

Dazu möchte unser Wanderspaziergang anregen, der durch den Süden der Gemeinde Holzwickede führt. Die Route über den Haarstrang, einer ehemaligen Mühle vorbei und südlich über den Standort-Übungsplatz Hengsen-Opherdicke so einige sehenswerte Punkte streift, die zum Hinschauen und Nachdenken anregen. Fleißige Bienen sind auch mit dabei.

Kickerspaß und 900 Jahre alte Kirche

Los geht’s am öffentlichen Parkplatz vom TC Holzwickede zwischen Feuerwache-Süd und Haarstrang-Sportanlage an der Unnaer Straße. Auf dem Geh-/Radweg biegen wir rechts ab, wo unmittelbar die Haarstrang-Sportanlage angrenzt. Gut möglich, dass hier gerade ein Team des Holzwickeder SV trainiert. Das erhaltene Kassenhäuschen empfängt Sportler und Fans und bildet einen auffallenden Kontrast zu der großen, modern ausgestatteten Kunstrasen-Sportanlage.

Unser Ausflug führt zum Kirchen-Duo in Opherdicke. Aus Steinbrüchen entlang des Haarstrang hinter der Soester Börde stammt der grünliche Anroechter Sandstein der Ev. Kirche Opherdicke. Mit ihrem Bau wurde 1120 begonnen, Teile der Kanzel mit den gedrehten Säulen sind stattliche 300 Jahre alt. Durch den historischen Ortskern mit seinen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern wandert man vorbei an einem längst geschlossenen Kiosk.

Er war Preisträger eines Wettbewerbs zur Geschichte der Trinkhallen im Ruhrgebiet. Auf rund 200 Metern befanden sich einst drei Gasthäuser, wovon das Restaurant „Schlossstuben“ sich einen sehr guten regionalen Ruf erworben hat. Davor steht die Kath. Kirche St. Stephanus, erst 1893 errichtet, Teile stammen aber aus dem 17. Jhdt. Einer ihrer drei Eingänge führt in die sog. „Lilien-Kapelle“ neben dem Altarraum. Was es wohl mit dem Wappen der Familie „von Lilien“ über dem Portal auf sich hat???

Heimatstube bietet Zeitreise

Unübersehbar liegt die „Heimatstube“ nahe den “Schlossstuben“. Das Domizil des Historischen Vereins beherbergt auf zwei Etagen bedeutende Zeitzeugen der Holzwickeder Geschichte und seiner Ortsteile. Von Ackerbau und Alltagsgegenständen bis Ausstattungen ehemaliger Handels-, Produktions- und Gewerbebetriebe gibt es hier viel Historisches zu entdecken. Hintergründe dazu erklären die Helfer gern.

Barock-Parkanlage mit Skulpturen

Die Schlossalle kreuzt von links die Unnaer Straße und mündet direkt auf dem Innenhof des Wasserschloss Gut Opherdicke, wo neben laufenden Ausstellungen auch ein Bistro zur Einkehr lädt.

Den beliebten Fuß-/Radweg an der Mühlenstraße in Opherdicke nutzen Kornelia mit Tochter Sophie und Oma Monika fast täglich und genießen die herrliche Sicht bis in das Sauerland. © Stefan Reimet

Der Weg geht durch ein altes Eisentor in der Schlossmauer auf der linken Seite und führt direkt in den weitläufigen Park, der nach barockem Baumuster angelegt wurde. 13 Skulpturen des amerikanisch-italienischen Bildhauers Raimondo Puccinelli (1904- 1986) sind hier auf Sockeln platziert und laden zu einem Kultur-Spaziergang ein. Die größte ist die „Sirena“, eine Meerjungfrau, die ihren Platz in der Gräfte direkt am Hauptgebäude hat.

Wir halten uns rechts, wo der Weg in einen kleinen naturbelassenen Wald mit Teich abfällt und direkt auf dem vor wenigen Jahren angelegten Fuß-/Radweg Mühlenstraße mündet. Die Strecke führt uns den Südhang hinab und bietet ein wunderbares Panorama auf die Höhen des Sauerlandes.

Königliche Mühle und Platz für Picknick

Zwischen Haus Nr. 27 und 31 führt ein kleiner Abzweig zum Namensgeber der Mühlenstraße. Ihr erhaltener Turm ist bewohnt und zählt zu den rund 400 erhaltenen Mühlendenkmälern in NRW.

Über die Mündung der Altendorfer Straße gehen wir geradeaus und biegen nach rund 150 Metern auf den Standort-Übungsplatz ein. Der Hauptweg verläuft südlich entlang der ehemaligen Raketenstation Opherdicke. Luftbildaufnahmen zeigen bis heute die Mulden der Bunker. Ein Abstecher auf die Anhöhe im Süden, zu der auch markante Spuren von Kettenfahrzeugen der Bundeswehr führen, bringt uns ganz nahe an den geographischen Mittelpunkt des Militärstützpunktes. Im Norden sind beide Kirchen gut erkennbar… ein toller Platz für ein Picknick, aber stets windig.

Rennstrecke ist heute Weidefläche

In Richtung Westen steigen wir von der Anhöhe hinab und folgen dem ersten Weg in den Wald. Der Lauf des Hengser Bach wird erkennbar und wir kommen zu einem größeren Stau-Tümpel, im Sommer von Hunden gerne als Abkühlung genutzt. Im weiteren Verlauf der Wanderung halten wir uns weiter rechts, es geht leicht bergauf bis linker Hand eine große Freifläche auftaucht. Ein Bach kreuzt unseren Weg und wir marschieren quer über das Feldt, immer dem Trampelpfad nach in Richtung des grünen Damms, der uns den Weg versperrt. Auf dem Damm stehend wird ein Oval erkennbar. Hier fanden bis in die 80er Jahre sog. Grasbahn-Rennen statt. Die Motorradrennen auf der Wiese erfreuten sich einer Fangemeinde aus dem ganzen Bundesgebiet und waren ein Spektakel, allerdings im Laufe der Zeit zu gefährlich.

Über die ehemalige Rennsportfläche gehen wir Richtung Westen bis zur Schwerter Straße, folgen dieser rechts bis zur Schulstraße. Die Paul-Gerhardt-Grundschule hat eine besondere Bedeutung für uns. Ihr Schulleiter Magnus Krämer stellte hinter der Schule nämlich einen Bienenstand auf. Die Hummelheimat steht jetzt am Rand des Truppen-Übungsplatz, erreichbar über den Fuß-Radweg, der die Schulstraße geradlinig fortsetzt. Aufpassen: Biegt der Weg links ab steht das Lehr-Bienenhotel rechts auf der Wiese. Einfach hingehen: „Keine Angst“, erklärt Magnus Krämer dazu. Die Bienen werden nicht gefährlich, außer man „hält direkt das Auge an das Einflugloch“. Bei zweistelligen Temperaturen werden die Flugvölker aktiv und sorgen für eine stattliche Honigernte. Die Schüler verkaufen das süße Gold gerne auf dem Weihnachtsmarkt Holzwickede.

Quasi auf der „Zielgeraden“ befinden wir uns dann wieder auf der Unnaer Straße, die zum Startpunkt führt.

INFO

  • Start und Ziel des Erlebnisspaziergangs ist der Parkplatz an der Unnaer Straße (Koordninaten 51.48565242438433, 7.637544216180035).
  • Die Weglänge beträgt rund 6,5 Kilometer. 60 % Feste Oberfläche, 30 % befestigter Weg, 10% unbefestigt (Trampelpfade). Mittelschwere Tour, Höhenunterschied von 60m. Wir empfehlen festes Schuhwerk/ Wanderschuhe.
  • Die Tour ist für Nordic-Walking gut, für Radfahrer bedingt geeignet.