Die Caritas bündelt an der Hansastraße in Unna verschiedene Hilfs- und Beratungsangebote für Wohnungslose. © Marcel Drawe / Archiv
Coronavirus

Immer mehr Wohnungslose im Kreis Unna

Die Wohnungslosenhilfe der Caritas war 2020 gefragt wie nie. Die Lage spitzt sich weiter zu: Es gibt weiterhin jeden Tag viele Anfragen.

Nach Angaben des Caritasverbandes für den Kreis Unna nutzten 2020 so viele Menschen wie nie zuvor das Angebot der Wohnungslosenhilfe. 405 Klienten zählten die Berater des Wohlfahrtsverbandes. Dabei war schon 2019 mit 389 ein Ausnahmejahr; zuvor lag das übliche Niveau seit 2010 bei rund 250 Ratsuchenden.

Das Coronavirus hat nach Einschätzung der Caritas nur einen mittelbaren Einfluss. Die Wohnungssuche sei auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt „einfach noch deutlich schwieriger beziehungsweise fast unmöglich“ geworden, verweist Sprecher Jan Wandschneider auf ausbleibende persönliche Kontakte und Besichtigungstermine. Er jedenfalls geht davon aus, dass die ökonomischen Folgen der Corona-Krise mit privatwirtschaftlichen Schieflagen noch nicht bis zur Wohnungslosenhilfe durchgeschlagen sind.

„Wir haben jeden Tag viele Anfragen und viel zu tun.“

Ben Peppersack, Berater für Wohnungslose

Schon die ersten Monate dieses Jahres deuten jedoch darauf hin, dass sich die Situation in der Region weiter zuspitzen wird. „Es ist erstaunlich, was hier los ist“, sagt Ben Peppersack von der Beratungsstelle an der Hansastraße in Unna. „Wir haben jeden Tag viele Anfragen und viel zu tun.“

Corona-Krise bringt zusätzliche Hürden und Nachteile

Wohnungslos heißt nicht gleich obdachlos. Viele Klienten, mit denen die Caritas-Berater zu tun haben, schlafen bei Familienangehörigen oder Freunden. Die Berater der Wohnungslosenhilfe der Caritas versuchen, bei der Wohnungssuche zu helfen, staatliche Hilfen zu vermitteln und die medizinische Versorgung sicherzustellen. Freilich ist auch das unter den erschwerten Bedingungen im Corona-Jahr nicht einfacher geworden. „Es gibt zusätzliche Hürden und zusätzliche Nachteile“, verweist Peppersack etwa auf Behörden, die für den Publikumsverkehr nicht mehr geöffnet sind.

„Wir brauchen Singlewohnungen ohne Ende.“

Jan Wandschneider, Caritasverband Kreis Unna

Ohnehin braucht es nach Einschätzung des Caritasverbandes langfristige Lösungen – und am dringendsten eine Entspannung des Wohnungsmarktes. Die Ankündigung von Landrat Mario Löhr (SPD), mit der UKBS bis zum Ende seiner Amtszeit 500 neue Wohnungen im Kreisgebiet bauen zu wollen, sei ein wichtiges Signal, so Wandschneider. „Wir brauchen Singlewohnungen ohne Ende – und zwar welche, die auch bezahlbar sind.“

Die meisten Ratsuchenden kamen aus Unna

Die meisten der 405 Klienten kamen 2020 übrigens aus Unna (161), Kamen (46) und Bergkamen (40). Daraus zu folgern, im restlichen Zuständigkeitsgebiet seien die Probleme weniger akut, hält Abteilungsleiterin Silvia Engemann für einen Trugschluss. „Das liegt wohl eher an den infrastrukturellen Herausforderungen – der Weg aus Bergkamen oder Schwerte nach Unna ist doch recht weit.“ Für Lünen, Werne und Selm ist ein anderer Caritasverband zuständig.

Über den Autor
stv. Chefredakteur
Jahrgang 1985, verliebt in seine Heimat am nördlichsten Bogen der Ruhr. Geselliger Vereinsmensch mit vielseitigen Interessen. Im Job brennt er vor allem für politische und menschelnde Storys. Seit 2010 beim Hellweger.
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Alexander Heine
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