In der Nacht zum Samstag hatten sich die Einsatzkräfte am Feuerwehrservicezentrum in Unna gesammelt. Von dort fuhren sie im Konvoi nach Eschweiler. © Thomas Heckmann
Hilfe in Eschweiler

Heimische Feuerwehrleute im Katastropheneinsatz: „So viel Sympathie“

Erst Fröndenberg, dann der Kreis Unna und dann ging es ins Katastrophengebiet bei Aachen: 180 heimische Feuerwehrleute sahen die totale Zerstörung – und kamen trotzdem mit einem positiven Eindruck zurück.

Es sind Bilder, die müssen auch hartgesottene Feuerwehrleute erst einmal verarbeiten. Am Wochenende fuhren 181 Kräfte aus den Kreisen Unna und Soest sowie der Stadt Hamm nach Eschweiler bei Aachen, um dort zu helfen. Zum ersten Mal war der Bergkamener Max Matthies in so einem Verband dabei. Er meldete sich freiwillig, als in den Bergkamener Löschgruppen abgefragt wurde, wer Zeit für diesen Einsatz hätte.

„Man muss ja schauen, wer 24 Stunden oder auch länger von Zuhause oder der Arbeit wegbleiben kann“, sagt der 24-Jährige. Die Eindrücke, die er mitnahm sind nur mühsam zu verarbeiten. „So etwas kannte man vorher nicht. Wir dachten, Oberaden wäre schlimm gewesen. Aber das waren ganz andere Ausmaße.“

Winkende Menschen auf den Straßen und Brücken

Trotz allen Schreckens gibt es etwas Positives, das Kreisbrandmeister Thomas Heckmann nie vergessen wird: „Die Sympathie der Leute. Wir fahren da im Verbund mit 60 Stundekilometern über die Autobahn zurück – und die uns überholenden Autos hupen uns an. Die Leute recken die Daumen nach oben“, schildert Heckmann. „Auf den Autobahnbrücken stehen Menschen und winken. Das war gigantisch.“

In Eschweiler sieht es katastrophal aus. Dort, wo das Wasser abgelaufen war blieb Schlamm zurück. © Ralf Suckrau © Ralf Suckrau

Vor Ort ein ähnliches Bild der Dankbarkeit: Während die Kräfte im für sie fremden Beritt Straßenzug um Straßenzug leerpumpen, holen die Anwohner den Grill raus, legen Würstchen auf und kochen Kaffee für die Helfer. „Das war sehr bewegend“, sagt Heckmann, denn eigentlich waren die Helfer ausreichend versorgt.

Für sie war es nur schwierig, die Menschen zu erreichen. „Wir konnten ja nicht einfach klingeln“, schildert Max Matthies. „Der Strom war abgeschaltet.“ Also gab es Lautsprecherdurchsagen, dass die Feuerwehr da ist – „und da hat man dann die Leute an den Fenstern gesehen“, schildert Matthies.

Heftige Einsatzbilanz in den Knochen

Was niemand von Anwohnern weiß: Hinter Heckmann, Matthies und den anderen liegen heftige Tage. Für die begann schon alles vor drei Wochen in Fröndenberg, am Mittwoch war dann ab 16 Uhr der gesamte Kreis Unna betroffen. 1100 Einsätze wurden kreisweit registriert, davon allein 280 in Bergkamen. „So ein hohes Einsatzaufkommen hatten wir noch nie“, sagt Heckmann.

Und dann ging am Freitagabend bei der 5. Feuerwehrbereitschaft des Bezirks Arnsberg der Hilfeaufruf aus Eschweiler ein. Eine Stadt, die zwar nicht so schlimm wie Ahrweiler oder Erftstadt zerstört ist. „Aber auch da sind Bürger betroffen“, sagt Heckmann. „Das sind individuelle Schicksale. Da kann man nicht sagen, der hat es schwerer oder der leichter.“

Nur von sich selbst kann Heckmann sagen, glücklicherweise nicht solchen Szenen ausgesetzt gewesen zu sein, wie sie die Kameraden der Sanitätseinheit in Erftstadt erlebten. Die hatten dort an sich nur einen Betreuungsplatz organisieren sollen, mussten aber plötzlich Patienten ohne Medikamente behandeln und die Erstversorgung übernehmen, weil ein Krankenhaus geräumt werden musste.

Bei Thomas Heckmann und seinen Feuerwehrleuten ging es ums Abpumpen von Wassermassen. Dass der Verbund nur zum 24-Stunden-Einsatz ohne Übernachtung alarmiert worden war, war Zufall. Es hätten auch drei oder sieben Tage werden können. Die 181 Kräfte aus Hamm und den Kreisen Unna und Soest trafen sich an der Florianstraße in Unna. Daher war Kreisbrandmeister Thomas Heckmann automatisch Chef des Führungsstabs.

Mit mehr als 40 Fahrzeugen ins Katastrophengebiet

Um 0.20 Uhr fuhren die Feuerwehrleute mit 40 Fahrzeugen im Verbund ab. „Es gibt ein Video von einer Autobahnbrücke, unter der wir herfahren. Das geht drei Minuten“, zeigt Heckmann auf, mit welchem Aufgebot sich die Helfer auf den Weg ins Katastrophengebiet machten. Lediglich ein Vorauskommando war da schon auf dem Weg, um vor Ort die Lage zu erkunden.

Müde und erschöpft, aber sichtbar glücklich über die erfolgreiche Hilfeleistung: Die Einsatzkräfte kurz vor der Abfahrt an der Feuerwache in Eschweiler. © Feuerwehr © Feuerwehr

Um 3.20 Uhr kam der Verbund in Eschweiler an. Zunächst ging es hinter einem Lotsenfahrzeug her zu einer Tankstelle, schildert Heckmann, damit einige Fahrzeuge aufgetankt werden konnten. Dann fuhr der Verbund zum Bereitstellungsraum an der Feuer- und Rettungswache Eschweiler. „Wir wurden sofort versorgt: Toilettengang, Getränke und Verpflegung wurden aufgenommen. Das war vorbildlich organisiert“, sagt Heckmann. „Die Logistik dahinter war beeindruckend“, sagt auch Max Matthies.

Einsatz permanent von Sorgen begleitet

Nach der Einweisung begab sich die Führungscrew in den ihr zugewiesenen Abschnitt. „Wir waren in der Innenstadt, wo sonst der Karnevalsumzug entlangführt“, sagt Heckmann. 40 Eisatzstellen wurden in 12 Stunden abgearbeitet. Die Feuerwehrleute gingen in acht Straßenzügen von Tür zu Tür, um die Keller auszupumpen. „Natürlich permanent begleitet von der Sorge, dass man jemanden findet, der nicht mehr lebt“, sagt Heckmann.

Tote zu bergen blieb den Einsatzkräften erspart. Sie fanden anderes:

„Natürlich wurden bei dem Unwetter auch Öltanks aufgeschwemmt“, sagt Heckmann, doch solche Stellen wurden nur gemeldet. Dort mussten andere Fachleute das Ölgemisch abpumpen.

Bis 17 Uhr arbeiteten die Feuerwehrleute im fremden Gebiet, dann ging es zurück. Was bleibt, sind die Bilder: Psychologische Hilfe steht für die Einsatzkräfte jederzeit bereit. Aber für Max Matthies ist klar: „Ich würde noch mal zu so einem Einsatz mitfahren.“

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