Friseure durften am 4. Mai wieder öffnen, nachdem auch sie eine Zeitlang vom ersten Lockdown betroffen waren. Ab dem 16. Dezember heißt es nun erneut: Schotten dicht. © dpa
Lockdown

Friseure arbeiten bis 22 Uhr und länger – aber: „Finger weg“ vom privaten Haarschnitt

„Wirtschaftliche Katastrophe“ auch für die Friseure, aber ein notwendiger Akt der Solidarität in der Corona-Pandemie. Obermeister Björn Barthold zeigt zudem kein Verständnis für den „privaten Haarschnitt“.

Friseur-Innungsmeister Björn Barthold hatte vor wenigen Tagen noch gehofft, dass die Salons den harten Lockdown erst ab Heiligabend erleben würden. Die Schließung ab dem 16. Dezember trägt er jetzt voll mit – und warnt Kollegen.

»Wen ich dabei erwische, der bekommt etwas auf die Pfoten.«

Björn Barthold, Obermeister der Friseur-Innung Unna

Bereits am Sonntag hätten Mitarbeiter freiwillig Termine für Kundinnen und Kunden neu organisiert: An den nur zwei verbliebenen Öffnungstagen vor Weihnachten sollen noch möglichst viele Haare geschnitten werden.

„Wir halten uns dabei nach wie vor an alles, was die Hygienekonzepte vorsehen“, betont Björn Barthold, Obermeister der Friseur-Innung Unna. In seinen Salons sei ein Schichtbetrieb möglich, sodass entsprechend mehr Kunden bedient werden können.

Salons in Kamen wollen bis 22 Uhr arbeiten

Zudem dürfen die Friseursalons nach dem Ladenöffnungsgesetz auch ihre Geschäftszeiten verlängern. Aus Hamm seien ihm Kollegen bekannt, die bis 21 Uhr arbeiten wollen, aus Kamen gar Salons, die bis 22 Uhr und darüber hinaus die Schere in die Hand nehmen.

Björn Barthold, selbstständiger Friseurmeister in Fröndenberg, ist Obermeister der Innung Unna. © privat © privat

Die Begründung der Landesregierung dafür, nun auch sofort die Friseure in den Lockdown zu schicken, sei nachvollziehbar. „Alle körpernahen Tätigkeiten“, heißt es, soweit sie keine Gesundheitsdienstleistung sind, wurden untersagt.

„Es ist kurz vor zwölf“, so Barthold, weswegen die Friseure diese Entscheidung auch voll mittrügen. Man erwarte im Gegenzug allerdings auch, dass das von Finanzminister Olaf Scholz angekündigte Überbrückungsgeld III diesmal allen Salons nachhaltig helfe. Die Soforthilfe aus dem Frühjahr, ein Betriebskostenzuschuss bei Liquiditätsengpässen, hätten viele Kollegen zu einem Großteil bereits wieder zurückerstatten müssen.

Friseur-Obermeister appelliert an Vernunft

Dennoch dürfe man nicht zulassen, dass Friseure nach dem 15. Dezember praktisch unter der Hand doch weiterarbeiten, um noch Einnahmen zu erzielen: durch Haarschnitte nicht im Salon, aber zum Beispiel bei Kunden zuhause.

„Finger weg!“, sagt Björn Barthold. Es gehe jetzt darum, dass sich alle solidarisch zeigten, „damit wir das Weihnachtsfest ohne größere Schäden bewältigen“. Die Regelungen seien klar und bundesweit einheitlich, auch ein Friseur-Tourismus über Landesgrenzen hinweg daher diesmal überhaupt nicht möglich.

Als Obermeister appelliere er an alle Friseure im Kreis Unna, sich an die Vorschriften zu halten und die Schere nach dem 15. Dezember vorerst nicht in die Hand zu nehmen: „Wen ich dabei erwische, der bekommt etwas auf die Pfoten.“

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Redaktion Fröndenberg
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Marcus Land
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