Der Freibadverein Dellwig ist Vorreiter für die neue Kontaktverfolgungs-App Luca. © Lisa Dröttboom

Digitale Kontaktverfolgung: So funktioniert die Luca-App

Der Kreis Unna hat kurzfristig die Luca-App zur leichteren Nachverfolgung von Kontakten eingeführt. Aber wie genau funktioniert die App eigentlich? Die wichtigsten Antworten.

Nach einem Jahr im Zettelwahn waren viele Geschäfte und Vereine auf der Suche nach einer digitalen Alternative zur Kontaktnachverfolgung. Der Freibadverein aus Fröndenberg-Dellwig machte die Luca-App als erstes zu einem Gesprächsthema im Kreis. Nun soll sie im gesamten Kreisgebiet Anwendung finden.

Auch viele Kommunen wie Holzwickede und Fröndenberg haben sich der Entwicklung angeschlossen und überlegen, wie sie die App nutzen können. In Unna steht eine Entscheidung noch aus. Was aber steckt eigentlich hinter dem Begriff „Luca-App“, wie funktioniert sie und wer kann sie nutzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wofür ist die App gedacht?

Die Luca-App wurde in Berlin entwickelt. Zu den Schöpfern und Förderern zählen mitunter die „Fantastischen Vier“. Sie dient der digitalen Kontaktnachverfolgung und kann von kreisweiten wie lokalen Einrichtungen, Geschäften und Vereinen, aber auch Privatpersonen genutzt werden.

Während der Saison 2020 wurden im Freibad Dellwig zum Beispiel mehr als 44.000 Zettel mit Kontaktdaten ausgefüllt. Diese Zettelwirtschaft soll mit der App entfallen, künftig müssen sich die Leute nur noch einmal registrieren.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Einrichtungen, Vereine und Händler entscheiden, die App zu nutzen, desto einfacher und effizienter wird die Kontaktnachverfolgung für die Gesundheitsämter.

Der Kreis Unna kann die App nur in seinen kreiseigenen Einrichtungen einrichten. Er ist darauf angewiesen, dass auch die Kommunen und lokalen Händler und Gewerbetreibenden mitziehen und die App ebenfalls installieren.

Wie wird die App genutzt?

Die Entwickler haben mehrere Möglichkeiten für die Nutzung entwickelt, sodass jeder selbst entscheiden kann, wie er die App nutzen möchte. Sogar eine analoge Version für Handy-Muffel gibt es.

Vor allem aber ist die Luca-App eine Software, die kostenlos auf dem Smartphone heruntergeladen werden kann. Nutzer müssen nach der Installation einmalig ihre Kontaktdaten angeben. Das System ist damit auch für Kinder oder Ältere geeignet, die bei der Einrichtung Hilfe benötigen.

Das Freibad Dellwig hat am Wochenende die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung getestet.
Das Freibad Dellwig hat am Wochenende die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung getestet. © Stefan Milk © Stefan Milk

Steht nun zum Beispiel der Friseurbesuch an, muss die App gestartet werden und bietet einem zwei Möglichkeiten: Die App auf dem Handy generiert automatisch einen QR-Code, der von einem Scanner eingelesen werden kann. Oder aber ein Klick auf das Feld „Selbst einchecken“ öffnet ein Kamerafenster, mit dem sich ein ausgelegter Code einscannen lässt.

Ein System erfasst daraufhin die Kontaktdaten – allerdings als verschlüsselten Code. Der kann nur vom Gesundheitsamt des Kreises mit einer zweiten Software wieder entschlüsselt werden.

Tritt ein Corona-Fall beispielsweise beim Friseur auf, können die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes schnell gucken, wer sich zur selben Zeit am selben Ort aufgehalten hat. Das erspart ihnen die mühsame Auswertung von handschriftlichen Zetteln. Nach vier Wochen werden die verschlüsselten Daten automatisch gelöscht.

Welche Alternativen gibt es?

Wer sein Handy nicht immer am Mann trägt oder es nicht überall mit hinnehmen möchte, kann auch auf Alternativen ausweichen. Zum einen können sich Nutzer an bestimmten Stellen einen Schlüsselanhänger besorgen. Der ist ebenfalls mit einem benutzer-gebundenen QR-Code versehen, lässt sich mit den entsprechenden Daten füttern und kann dann zum Beispiel in der Bibliothek, beim Friseur oder in der Eisdiele eingelesen werden wie der Barcode einer Eintrittskarte.

Die Chips sind schlicht, robust und handlich – ein guter Ersatz für das Handy, das nicht jeder mit ins Schwimmbad nehmen will. © Lisa Dröttboom © Lisa Dröttboom

Zum anderen können Einrichtungen digitale Geräte wie Tablets zur Verfügung stellen, über die sich Nutzer einmalig anmelden können. Wie bei der analogen Zettelvariante, nur eben digital.

Die App kann sogar im privaten Umfeld genutzt werden. Nutzer können am Handy ein privates Treffen erstellen. So könnte das Gesundheitsamt im Falle eines positiven Corona-Falls auch solche Treffen nachverfolgen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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Lisa Dröttboom