Keuchhusten ist eine langwierige Erkrankung, die nicht nur den Körper von Kindern stark schwächen kann. © AOK/hfr.
Pandemie

Dank Corona-Schutz: Fast keine Keuchhusten-Fälle im Kreis Unna

Die Kontaktbeschränkungen, Abstands- und Hygieneregeln während der Corona-Pandemie haben einen positiven Nebeneffekt: Im Kreis Unna wurden 2020 nur zwei Keuchhusten-Fälle diagnostiziert.

Menschen treffen sich weniger, bleiben weiter voneinander entfernt und tragen oft Masken – in der Corona-Pandemie ist das normal geworden. Abstands- und Hygieneregeln sollen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Tatsächlich aber werden auch andere Infektionskrankheiten seltener.

Dazu gehört etwa Keuchhusten (Pertussis). Impfungen gegen Keuchhusten sind schon lange möglich und vielfach auch üblich – trotzdem gab es 2019 noch 26 Keuchhusten-Fälle im Kreis Unna. Im vergangenen Jahr wurden nur noch zwei Infektionsfälle nachgewiesen. Das teilt die AOK Nord-West auf Basis aktueller Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit. Eine Keuchhusten-Infektion ist wie Covid-19 meldepflichtig. Insofern gibt es einen guten Überblick über die Zahl der Fälle.

AHA-Regeln mindern Infektionsgefahr

„Wir gehen davon aus, dass die AHA-Regeln und die Kita- sowie Schulschließungen zu diesem starken Rückgang geführt haben, denn die Ansteckung erfolgt bei Keuchhusten über kleinste Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen versprüht werden“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock.

Stichwort

Keuchhusten (Pertussis)

Da Keuchhusten-Symptome in der ersten Phase der Erkrankung noch unspezifisch sind, werden sie oftmals nicht richtig gedeutet. So können die Beschwerden leicht für eine Bronchitis oder eine einfache Erkältung gehalten werden. Doch woran ist eine Keuchhustenerkrankung zu erkennen?

  • Typischerweise nimmt Keuchhusten einen Verlauf in drei Phasen: Ein bis zwei Wochen nach der Infektion treten Symptome wie Fieber, Schnupfen oder trockener Reizhusten auf.
  • Nach 14 Tagen kommt es zu den charakteristischen Indizien: Langanhaltende, stakkatoartige Hustenanfälle über Wochen; unkontrollierbare, schmerzhafte Hustenattacken; Erbrechen nach Hustenanfällen; keuchende Atemgeräusche beim Einatmen; Mittelohr- und/oder Lungenentzündung
  • In der dritten Phase der Keuchhusteninfektion nehmen die Hustenattacken erst über viele Wochen langsam wieder ab. Bei älteren Erwachsenen kann die Erkrankung zu Leisten- oder Rippenbrüchen führen. Doch auch ohne Komplikationen schränkt die Atemwegserkrankung mit ihren heftigen Hustenattacken den Alltag nicht selten stark ein. Oft braucht es danach einige Zeit, um sich wieder zu erholen. In der Regel steckt eine infizierte Person in Deutschland fünf weitere an. (Quelle: dpa)

Keuchhusten wird durch ein Bakterium mit Namen Bordetella pertussis übertragen. Die Erkrankung ist hochansteckend und langwierig. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen (maximal jedoch 20 Tagen) treten die typischen Krankheitserscheinungen wie Hustenanfälle, Atemnot durch angeschwollene Atemwege und Erbrechen auf, die in der Regel einige Wochen bis Monate andauern.

Gerade im ersten Lebensjahr stellt der Keuchhusten eine ernste gesundheitliche Bedrohung für Kinder dar. „Auch wenn die Zahlen wegen der derzeitigen verstärkten Handhygiene, dem Tragen von Masken und den Kontaktbeschränkungen rückläufig sind, raten wir, unbedingt die empfohlenen Impfungen insbesondere bei Säuglingen und Kindern vorzunehmen“, so Kock.

Deutsche fürchten Keuchhusten-Infektion kaum

Die Mahnung scheint gerechtfertigt und gilt wohl auch für Erwachsene: Die übergroße Mehrheit (84 Prozent) der befragten Bundesbürger glaubt, lediglich ein niedriges Risiko zu haben, an Keuchhusten zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsunternehmens Ipsos im Auftrag des forschenden Gesundheitsunternehmens GSK.

Ein Grund dafür: Noch immer gilt Keuchhusten für viele als eine Krankheit, die vor allem Babys, Kinder und Jugendliche trifft (49 Prozent). In der Realität hingegen sind mehrheitlich Erwachsene betroffen, davon ist jeder Fünfte 60 Jahre oder älter.

Kombinationsimpfung wird vom RKI empfohlen

Die Impfung gegen Keuchhusten gehört zu den Kombinationsimpfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI ab dem dritten Lebensmonat empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen für ihre Versicherten bezahlt werden. Auffrischungsimpfungen sind im Alter von fünf bis sechs Jahren sinnvoll.

Schwangeren wird seit dem vergangenen Jahr empfohlen, sich ab der 28. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten impfen zu lassen.
Schwangeren wird seit dem vergangenen Jahr empfohlen, sich ab der 28. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten impfen zu lassen. © dpa © dpa

Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit Mitte 2020 bereits auch Schwangeren, sich gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Denn bevor ein Neugeborenes selbst geimpft werden kann, ist es den Viren schutzlos ausgeliefert. Bei einer Impfung in der Schwangerschaft übertragen sich die von der Mutter gebildeten Antikörper auf den Fötus.

Empfohlen wird die Impfung gegen Keuchhusten zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels ab der 28. Schwangerschaftswoche. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, sollte die Impfung ins zweite Schwangerschaftsdrittel vorgezogen werden. Für gesetzlich Versicherte übernehmen die Krankenkassen die Impfkosten.

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Redaktion Unna
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