Rolf König ist froh, die Booster-Impfung inzwischen bekommen zu haben. Die Art und Weise, wie die Termine organisiert werden, findet er aber kritikwürdig. © Thomas Aschwer
Coronavirus

Boostern in Impfzentren: Wer zu früh kommt, wird wieder weggeschickt

Sechs kommunale Impfstellen listet der Kreis Unna inzwischen auf. Freie Termine gibt es aktuell trotzdem nicht. Nicht nur das sorgt bei Boosterwilligen für Unmut.

Rolf König (61) aus Selm gehört zu den vielen Menschen, die sich in den vergangenen Tagen intensiv um eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bemüht haben. Weil seine Frau (über 70) und er bei ihrem Hausarzt erst im Januar einen Termin bekommen hätten, versuchte König es seit Anfang November über den Kreis Unna.

Als er schließlich einen Termin im ehemaligen Impfzentrum bekam, fragte er sicherheitshalber nach, ob er auch schon vor Ablauf von sechs Monaten nach seiner Zweitimpfung geboostert werden könne. So hatte es Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schließlich kürzlich empfohlen.

Doch die Antwort lautete Nein.

Abstand von sechs Monaten zur zweiten Impfung

Auf der Terminvergabe-Seite www.kreis-unna.de/gegencorona ist es so formuliert: „Voraussetzung dafür, eine Boosterimpfung erhalten zu können, ist für sämtliche in der EU zugelassenen Impfstoffe – mit Ausnahme des Impfstoffs der Firma Janssen (zuvor: Johnson & Johnson) – ein Abstand von mindestens sechs Monaten nach Abschluss der Grundimmunisierung (2. Impfung).“

Auf Nachfrage begründet Kreissprecher Max Rolke diese Regelung wie folgt: „Der Kreis Unna hält sich an die offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese besagt, dass eine Impfung im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen soll. Eine Verkürzung ist nur möglich, wenn es freie Kapazitäten gibt. Freie Kapazitäten gibt es derzeit nicht.“

Deshalb würden Menschen, die die Sechs-Monats-Frist noch nicht erreicht haben, an den Impfstellen abgewiesen. Kulanz gebe es bei einem Abstand von bis zu minus sieben Tagen. Wer also eine Woche, bevor die Sechs-Monats-Frist abgelaufen ist, kommt, werde trotzdem geimpft. „Alle andere müssen abgewiesen werden, da es aktuell auch noch viele Menschen gibt, die die Frist bereits überschritten haben“, so Rolke.

Termine sind in kürzester Zeit weg – auch zu nachtschlafender Zeit

Dieser Umstand sorgte an der Impfstelle in Unna schon für Unmut – ebenso übrigens wie die Terminvergabe über die Internetseite. In der Nacht von Freitag auf Samstag (19./20. November) sei schon um 0.02 Uhr die Hälfte aller Termine in Unna für die nächsten zwei Wochen vergeben gewesen, hat Rolf König beobachtet. Im Laufe der Nacht waren dann alle weg.

Der Kreissprecher sagt dazu: „Bei der Vielzahl an Anfragen und knappen Kapazitäten ist die Terminvergabe immer ein Problem: Die allermeisten Termine sind innerhalb kürzester Zeit ausgebucht – egal zu welcher Uhrzeit wir sie freischalten würden. Wir arbeiten gemeinsam mit den Kommunen daran, weitere Angebote zu schaffen.“ Bis Anfang Dezember solle es in jeder Kommune im Kreis Unna eine Impfstelle geben (Ausnahme: Bergkamen/Werne, die eine gemeinsame Impfstelle betreiben).

Neue Impfstellen in Selm, Holzwickede und Fröndenberg

Just an diesem Mittwoch (24. November) schaltete der Kreis drei weitere Impfstellen frei, bei denen zukünftig Termine gebucht werden können: das Bürgerhaus in Selm, die Rausinger Halle in Holzwickede und die Schützenhalle Warmen in Fröndenberg. Freie Termine in Selm waren am Mittwoch schnell vergeben, in Holzwickede und Fröndenberg wurden sie noch nicht freigeschaltet.

„Wir müssen an der Stelle um Geduld bitten“, sagt Max Rolke. Es sei einfach nicht möglich, alle Impfwilligen gleichzeitig zu impfen – zumal das Angebot des Kreises auch nur eine Ergänzung zu dem Angebot der niedergelassenen Ärzteschaft sei, die zuvorderst für die Durchführung der Booster-Impfungen zuständig ist.

Rolf König und seine Frau haben es übrigens inzwischen geschafft: Sie sind nun geboostert. Durch einen Bericht unserer Redaktion in Lünen wurden sie auf ein Impfangebot des dortigen Hausarztes Dr. Ahmad Chiri aufmerksam.

„Und ganz offen geschrieben, bin ich auch bei der neusten Entwicklung, dass jetzt noch nicht einmal klar ist, ob Biontech oder Moderna verimpft wird, froh, dass wir es geschafft haben“, so König in einer Mail an unsere Redaktion.

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues

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