Die vegane Ernährungsberaterin Barbara Röss will die Menschen zum Entdecken von Fleisch-Alternativen ermuntern - auch als Beitrag zum Klimaschutz. © VHS
Klimaschutz

„Bio“ ist nicht alles: Wie Sie mit Fleischverzicht das Klima retten

Allein durch unsere Ernährung tragen wir erheblich zum Klimawandel bei. Mit neuen Kursen will die VHS aufklären. Es stecken unbequeme Wahrheiten darin, aber auch Tipps: Veränderung kann Freude machen.

Bei der Frage, wie Klimaschutzziele erreicht werden können, rückt immer wieder auch die Ernährung in den Vordergrund. Jeder Mensch kann kleine oder auch größere Beiträge leisten. Die VHS trägt dem Trendthema mit einem neuen Schwerpunkt in ihrem Kursprogramm Rechnung: Klimafreundlich kochen. Der Ansatz soll nicht dogmatisch sein, sondern vor allem Freude am Entdecken wecken.

Ernährung ohne Fleisch kann gesund und schmackhaft sein. Bei der VHS gibt es Tipps dafür. © Stadt Unna © Stadt Unna

„Mein Ziel ist nicht, jeden vegan zu machen“, sagt Barbara Röss. Sie selbst lebt seit Jahren ohne tierische Produkte und ist durchaus eine Botschafterin der veganen Ernährungs- bzw. Lebensweise, auch durch ihre Aktivität im Ernährungsrat Unna. Mit ihren Angeboten bei der VHS Unna-Fröndenberg-Holzwickede will sie aber vor allem aufklären. „Die Leute sollen verstehen, was es bedeutet, was sie dreimal am Tag essen.“ Es gehe um Wissensvermittlung. „Was die Menschen dann damit machen, müssen sie selbst entscheiden.“

Mit dem neuen Schwerpunkt im Kursprogramm reagiere man auch auf eine steigende Nachfrage, sagt Nicola Biege, Bereichsleiterin bei der VHS.

Ananas sollte nicht fliegen

Wie viel Treibhausgas entsteht bei Herstellung, Lagerung und Transport welcher Lebensmittel? Diese Frage beantwortet Ernährungsberaterin und -coach Barbara Röss anhand von Zahlenbeispielen. Sie betont, dass es unterschiedliche Berechnungsbeispiele mit unterschiedlichen Ergebnissen gebe, je nach den Grunddaten, die genutzt wurden. Die Beispiele würden aber einen guten Eindruck davon vermitteln, was bestimmte Lebensmittel mit dem Klima machen.

VHS-Angebote

Kochen für den Klimaschutz

  • Online-Kochkurs „Klimafreundlich kochen“, Mittwoch, 24. Oktober
  • Online-Auftaktveranstaltung „Hilfe, mein Kind is(s)t vegan!“, 17. November
  • Insgesamt 71 Angebote zu Kochen und Ernährung im aktuellen VHS-Semester, davon die Hälfte vegetarisch/vegan
  • Alle Informationenwww.vhs-zib.de; Tel. (02303) 103-713 oder -714

Wird Ananas per Flugzeug transportiert, so werden pro Kilogramm Frucht 15,1 Kilogramm CO2 freigesetzt. Reist dieses Obst per Schiff, sind es nur 0,6 Kilogramm.

Ananas nach Herkunft und Transportweg auszuwählen, ist für Verbraucher vielleicht gar nicht so einfach. Bei Äpfeln aber bieten die heimischen Lebensmittelmärkte meist viel Auswahl. Und auch hier mag Röss manchen überraschen: Ein Apfel aus Deutschland könne aufgrund langer Kühllagerung eine schlechtere Klima-Bilanz haben als einer, der um die halbe Welt transportiert wurde. Zu bevorzugen wären eher regionale Produkte, die aber auch in der jeweiligen Saison verfügbar sind – mit möglichst kurzem Weg vom Baum beziehungsweise Acker oder aus dem eigenen Gemüsebeet auf den Küchentisch. Apropos Acker: Die gute alte Kartoffel nennt Röss einen „Klimaschutz Champion“. Sie sei in dieser Hinsicht dem Reis als Beilage zu bevorzugen.

„Bio“ ist nicht die Rettung

Ernährungsberaterin Röss erklärt, sie halte biologisch anstelle von konventionell erzeugten Lebensmitteln für gut und wichtig. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass „bio“ mitunter mehr Treibhausgasausstoß bedeute. So gebe es Berechnungen, wonach bei Bio-Hartkäse die Emission dreieinhalb mal so hoch sei wie bei konventionellem.

Kartoffeln gelten unter den Beilagen als „Klima Champions“: besser als Reis. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Das Problem fürs Klima sei die tierische Herkunft. Steige man hingegen auf Käse ohne Milch um, mit Kokosfett als Grundlage, dann betrage der Ausstoß klimaschädlicher Gase nur noch ein Drittel wie beim Nicht-Bio-Käse aus Milch. Ähnlich der Quark – Röss rechnet vor: 4,1 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Quark. Quark aus Soja: 0,7 Kilogramm.

Unbestritten ist, dass vor allem eine Ernährung mit viel Fleisch dem Klima Schaden zufügt. Und Rindfleisch gilt dabei noch als erheblich schädlicher als Schwein. Bei vielen Menschen aber sei die Ernährungsweise festgefahren. Sie bräuchten einen Impuls, sagt Röss. Sie wolle daher auch Freude am Entdecken von schmackhaften und zudem gesunden Alternativen wecken. „Die Leute sollen sich öffnen und das Universum an Köstlichkeiten entdecken.“

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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