Wer auf eine rasche Erstimpfung hofft, hat meist Pech. Zwar ist die Impfpriorisierung gefallen, doch es gibt kaum Termine. © picture alliance/dpa/AP
Corona-Schutzimpfung

Belegte Leitungen, kaum Impfstoff: Der Frust der Impfwilligen

Sie ist Geschichte, die Priorisierung bei der Impfung gegen Covid. Nun machen sich noch mehr Menschen aus dem Kreis Unna Hoffnungen auf eine rasche Spritze – die meisten vergeblich.

In der Corona-Pandemie wurde schon oft Geduld eingefordert. Zunächst waren es fehlende Masken und das Warten auf Impfstoffe, schließlich ging es um die Impftermine selbst. Die Impfpriorisierung gab vor, wer wann an der Reihe war. Nun ist die Priorisierung Geschichte – und die Nachfrage nach Terminen ist riesig.

In vielen Arztpraxen im Kreis Unna waren am Montag sämtliche Telefonleitungen dauerbesetzt. Viele Menschen, die zuvor noch keine Impfchance hatten, wollen nun schnell ihren ersten Piks – viele auch mit Blick auf geplante Sommerurlaube.

Aktuell keine Terminvergaben im KVWL-Portal

Wer auf das Impfzentrum setzt, guckt ohnehin in die Röhre. „Aufgrund der begrenzten Impfstoffmenge können derzeit leider keine Termine angeboten werden“, ist im Impfportal der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zu lesen. Immerhin: Menschen werden im Internet frühzeitig informiert und klicken sich nicht lange durch, um am Ende doch ohne Termin dazustehen – so war es zu Beginn der Impfkampagne.

Sehnsucht vieler Menschen: Der Nachweis im Impfpass bedeutet auch ein Stück mehr Freiheit. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Wenn von fehlendem Impfstoff die Rede ist, steckt dahinter oft ein Missverständnis. Tatsächlich wird nicht weniger Vakzin geliefert, es kann nur nicht für Erstimpfungen genutzt werden. Das zwischenzeitlich sehr hohe Tempo bei den Erstimpfungen muss nun bei den Folgeimpfungen noch einmal an den Tag gelegt werden. Innerhalb unterschiedlicher Fristen müssen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca erneut verabreicht werden. Und genau dafür wird aktuell fast jede Dosis gebraucht. Lediglich beim Impfstoff von Johnson & Johnson reicht ein Piks für den vollen Impfschutz.

Zahl der Folgeimpfungen deutlich größer

Was Impfwillige nun auf bittere Art zu spüren bekommen, hat sich abgezeichnet. Bereits seit geraumer Zeit übersteigt insbesondere im Impfzentrum die Zahl der Folgeimpfungen die der Erstimpfungen. Bislang wurden im Impfzentrum Unna laut KVWL 80.991 Menschen mindestens einmal gegen Covid geimpft. Am Freitag, Samstag und Sonntag wurden insgesamt aber nur 56 Erstimpfungen durchgeführt. Dagegen gab es im selben Zeitraum 3215 Folgeimpfungen.

Zahlen

Jeder Fünfte hat vollen Schutz

  • Im Kreis Unna sind inzwischen 178.051 Menschen mindestens einmal gegen Covid geimpft worden. Die Impfquote beträgt 45,1 Prozent. In diesen Zahlen enthalten sind Impfungen in Arztpraxen, im Impfzentrum Unna und durch mobile Teams.
  • Jeder fünfte Mensch im Kreis Unna hat bereits den vollen Impfschutz – entweder durch eine bereits durchgeführte Folgeimpfung oder weil er das Vakzin von Johnson & Johnson bekommen hat. 81.536 Menschen haben den vollen Schutz – das entspricht 20,7 Prozent.

Die mobilen Teams haben von Freitag bis Samstag gar keine Impfungen durchgeführt. Und so stehen die Arztpraxen im Zentrum, die möglichst vielen ihrer Patienten gerecht werden wollen – mit Erst- und Zweitimpfungen. Weil aber auch diese Ärzte nur begrenzte Kontingente zur Verfügung haben, trifft auch sie der Frust der Enttäuschten.

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Redaktion Unna

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