Die tatkräftige Arbeit bei der Tafel leisten freiwillige Helfer. Überwiegend sind es Ruheständler, die sich für die Schwächsten in der Gesellschaft engagieren. Doch in der Corona-Pandemie zählen sie selbst zu den verwundbaren Gruppen. © Michelle Kozdon
Coronavirus

2G: An der Unnaer Tafel gehen Ungeimpfte jetzt leer aus

Die Unnaer Tafel setzt angesichts steigender Infektionszahlen auf strengere Regeln. Zum Schutz ihrer Helfer vor einer Covid-19-Infektion bedient sie bis auf weiteres nur noch Genesene und Geimpfte.

Wer für seine Lebensmittelversorgung auf die Unnaer Tafel angewiesen ist, muss nun neben dem Tafel- auch den Impfausweis oder ein Smartphone mit der Covpass-App vorlegen. Die Initiative führt die 2G-Regel ein, bedient also nur noch Geimpfte und Genesene. Das gilt für alle acht Ausgabestellen, ab sofort und bis auf weiteres.

Die Tafel entscheide sich schweren Herzens für diese Beschränkung, sehe aber keine Alternative dazu, erklärt die Tafel-Vorsitzende Ulrike Trümper. Zuvor hatte der Verein versucht, einen Teil seiner Lebensmittelverteilung unter freiem Himmel zu organisieren. Aber auch dabei seien Abstandsvorgaben nicht eingehalten worden. Nun gehe es darum, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen.

„Natürlich sehe ich die Versorgungslage aller, die auf die Tafel angewiesen sind“, so Trümper. Andererseits habe man seit Wochen auf die Problematik hingewiesen und die Kunden darum gebeten, sich impfen zu lassen. Nun stehe aber neben der Gesundheit der eigenen Leute die Aufrechterhaltung des Tafelbetriebes im Ganzen auf dem Spiel, erklärt die Tafel-Organisatorin.

Tafel-Helfer fürchten sich vor ungeimpften Kunden

„Unsere Helferinnen und Helfer sind zwar alle geimpft und werden nun auch geboostert, aber allein durch ihr Alter und teils auch durch Vorerkrankungen zählen sie auch zu den vulnerablen Gruppen. Viele haben Angst und haben das auch offen so ausgedrückt. 2G, das ist nun der Kompromiss, auf den sie sich einlassen. Ohne die Ehrenamtlichen könnten wir den Laden hier dicht machen.“

Die Ausgabe in der Tafel-Zentrale in Königsborn war an diesem Dienstag die erste, für die die 2G-Regel galt. © Udo Hennes © Udo Hennes

Die Unnaer Tafel unterstützt Bedürftige im Kreis Unna seit 2004, in dem sie Lebensmittelspenden von Einzelhändlern in der Region sammelt und an Ausgabestellen abgibt. Die Arbeit der Tafel ist durchaus personalintensiv, stützt sich überwiegend auf Freiwillige. Laut Ulrike Trümper sind die meisten Helferinnen und Helfer zwischen 70 und 85 Jahren alt.

Aktuell betreibt die Tafel Ausgaben an acht Standorten in Unna (Königsborn und Massen), Bergkamen und Bönen, Holzwickede, Lünen, Werne und Selm. Etwa 1500 „Kunden“ besuchen regelmäßig die Tafel, um sich für einen Symbolpreis eine Lebensmitteltüte befüllen zu lassen. Nach dem Versuch mit der „Frischluftverteilung“ und den damit verbundenen Kontrollen geht Trümper davon aus, dass 15 bis 20 Prozent der Tafelkunden keinen Immunschutz gegen Covid-19 haben.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
Zur Autorenseite
Sebastian Smulka

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.