Kamen hält Ausschau nach neuen Gewerbegebieten. Die SPD hat sich nach potenziellen Flächen erkundigt, die „behutsam“ entwickelt werden können. Beim Flächenfraß und beim Verkehr wird über einen Tritt auf die Bremse diskutiert.

Kamen

, 29.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach den Ansiedlungserfolgen der vergangenen Jahren wächst in Kamen die Sorge, dass wachsende Gewerbe- und Wohngebiete zu Lasten von Umwelt und Lebensqualität gehen. Kritische Bürgerstimmen über den innerörtlichen LKW-Verkehr, aber auch über unangekündigte Erdbewegungen auf der grünen Wiese, stellen den bisherigen Kurs infrage.

Waren es bislang vor allem die Grünen, die vor ausuferndem Flächenfraß warnten, so melden sich nun auch bei der im Stadtrat vorherrschenden SPD kritische Stimmen, die eine behutsame Entwicklung anmahnen. Die Frage, wie die Stadt mit den verfügbaren Flächen in Zukunft umgeht, wurde jüngst bei der SPD-Haushaltsklausur in Billerbeck teilweise kontrovers diskutiert.

Flächenausweisung: Knabbern statt Fressen

Zwar herrscht bei den Sozialdemokraten weiterhin die Überzeugung vor, dass die Schaffung von Baugebieten wie südlich dem Dorf Methler und im Hemsack in Kamen grundsätzlich richtig ist und dass Gewerbeansiedlungen wie das neue Arvato-Logistikzentrum mit über 1000 neuen Arbeitsplätzen wichtig für die ehemalige Bergbaustadt sind; aber die Genossen stellen sich die Frage, wie der Strukturwandel der ehemaligen Bergbaustadt bei knapper werdenden Ressourcen verantwortungsvoll fortgesetzt werden kann.

Zwölf mögliche Flächen für neue Gewerbegebiete in Kamen

Potenzielle Flächen für Gewerbe (blau), Wohnen (rot) und Mischgebiete (grün). © Stadt Kamen

Gewerbeflächen werden knapp

Die Frage nach neuen Gewerbeflächen in Kamen stellt sich bereits jetzt: Im interkommunalen Gewerbegebiet Unna/Kamen gibt es verfügbare Parzellen nach Angaben der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) nur noch auf Unnaer Gebiet. Der Technopark Kamen – mit seiner Lage auf dem ehemaligen Monopol-Zechengelände ein Beispiel für Erfolge beim Strukturwandel – gilt als ausgebucht. 5000 Quadratmeter sollen laut Angaben auf der WFG-Internetseite noch frei sein, ebenso 28500 Quadratmeter im Gewerbegebiet „Am Mühlbach“ in Heeren-Werve. Aber potenzielle Interessenten sollten sich nicht zu früh freuen: Wer eine Immobilien-Datenbank der Stadt Kamen abfragt, bekommt ein unbefriedigendes Ergebnis: „In der Rubrik Gewerbe-/Industrieflächen, unbebaute Grundstücke sind leider keine Einträge vorhanden.“

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Über kurz oder lang steht der Stadtrat vor der Entscheidung, ob er neue Gewerbeflächen entwickelt. Vize-Verwaltungschef und oberster Stadtplaner Dr. Uwe Liedtke konnte bei der SPD-Haushaltsklausur berichten, dass der Flächennutzungsplan (FNP) insgesamt zwölf sogenannte Potenzialflächen für Gewerbe hergibt – die kleinste an der Ringstraße in Methler mit 3900 Quadratmetern und die größte zwischen A1 und Schattweg mit 490.000 Quadratmetern. Letztere ist so groß wie 68 Fußballfelder und ist in zwei Ausbaustufen (196.800 bzw. 293.500 Quadratmeter) unterteilt.

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17 Potenzialflächen für Wohngebiete

Insgesamt 17 Flächen, darunter bereits die beiden in Planung befindlichen Baugebiete am Pastoratsfeld und im Hemsack sind laut FNP für neue Wohngebiete vorgesehen. Das kleinste befindet sich mit 4700 Quadratmetern an der Mühlenstraße in Westick, das größte mit 69.900 Quadratmetern nördlich der Südkamener Straße – und südlich der Trasse der Südkamener Spange.

Fünf Mischflächen für Wohnhäuser und Gewerbe

Daneben gibt es noch fünf Mischflächen, die sowohl für Wohnhäuser als auch für nicht störendes Gewerbe geeignet sein könnten. Die kleinste Fläche liegt mit 7900 Quadratmetern an der Wasserkurler Straße (gegenüber der Einmündung Schimmelstraße) in Methler. Die größte Mischfläche liegt mit 18800 Quadratmetern unterhalb der Lüner Höhe auf der Nordseite der Seseke.

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Welche Fläche als nächstes in die Entwicklung geht, abgesehen von den bereits vor der Bebauung stehenden Flächen südlich dem Dorf Methler und im Hemsack, das ist bislang offen. Das sei eine Frage der Verfügbarkeit der Fläche und eine „politische Entscheidung“, sagte der Erste Beigeordnete Liedtke.

Bei dieser politischen Entscheidung wollen sich die Sozialdemokraten im Stadtrat künftig von neuen Grundsätzen leiten lassen, die bei der Haushaltsklausur beschlossen wurden. „Die SPD will mit den wenigen Flächen, die für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlungen zur Verfügung stehen, behutsam umgehen und Entwicklungen mit großer Rücksicht auf Natur, Umwelt und Klimaschutz und unter Berücksichtigung des Erhalts von städtischen Siedlungsstrukturen und Dorfstrukturen betreiben“, sagte Fraktionschef Daniel Heidler. „Wichtig ist dabei, die Kapazitäten der städtischen Infrastruktur zu beachten und diese nicht zu überfordern. Gewerbeansiedlungen müssen gute Arbeitsplätze mit hohen sozialen Standards und Innovationspotenzial schaffen.“ Konkrete Vorschläge für Flächen, die als nächstes entwickelt werden sollen, nannte er nicht.

LKW-Nachtfahrverbot gefordert

Die Frage der behutsamen Flächenausweisung geht über die zuletzt diskutierten Einzelmaßnahmen gegen LKW-Verkehr hinaus. Die SPD hat ein LKW-Nachtfahrverbot für die Lünener Straße und die Werver Mark beantragt. Die CDU hat ein Grundsatzkonzept für den Verkehr gefordert. Der Planungs-und Straßenverkehrsausschuss beschloss am Donnerstagabend einstimmig, dass die Aufnahme des Nachtfahrverbots in den Lärmaktionsplan geprüft werden soll.

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