Zwischen Wohlergehen und Massensterben

Diskussion über die Fritz-Haber-Straße

Die Bürgerinitiative Zivilcourage setzt sich für die Umbenennung der Fritz-Haber-Straße in Methler ein. Vorzugsweise mit dem Namen einer weiblichen Naturwissenschaftlerin.

Kamen

, 29.08.2018 / Lesedauer: 3 min
Zwischen Wohlergehen und Massensterben

Die Fritz-Haber-Straße soll umbenannt werden, so wünscht es sich die Bürgerinitiative Zivilcourage.Milk © Stefan Milk

Ein Leben im Spannungsfeld zwischen dem Segen der Forschung für das Wohlergehen der Menschheit und der Erfindung von todbringenden Chemiewaffenwaffen, die Gas zur ersten Massenvernichtungswaffe machen. Nobelpreisträger Fritz Haber, nach dem eine Straße in Methler benannt ist, wird in der Geschichtsschreibung widersprüchlich betrachtet. Und das auch von der Bürgerinitiative „Zivilcourage“, die seit einiger Zeit die Umbenennung der Straße fordert, beispielsweise mit einer weiblichen Naturwissenschaftlerin wie Clara Immerwahr oder Lise Meitner.

Um die Diskussion zu vertiefen, organisiert die Bürgerinitiative eine Veranstaltung im Haus der Stadtgeschichte am Samstag, 1. September. Dr. Dieter Woehrle, pensionierter Professor für Makromolekulare und Organische Chemie an der Universität Bremen, referiert dort ab 17 Uhr als Experte für chemische Waffen. Er soll auch auf die Rolle Fritz Habers im Ersten Weltkrieg eingehen. Mitglieder der Bürgerinitiative haben Flyer zur Veranstaltung auch direkt in der Fritz-Haber-Straße verteilt – mit der Bitte um Unterstützung des Vorhabens, der Straße einen anderen Namen zu geben – „vorzugsweise den einer weiblichen Naturwissenschaftlerin, deren Forschung nicht im Dienst des Kriegswesens und der Massenvernichtung stand“, so der Kamener Lokalhistoriker Klaus Goehrke, der sich mit dem Leben Habers beschäftigt hat. „Einerseits ermöglichte er durch seine Forschungen die Massenproduktion von Stickstoffdünger, wodurch sich die Ernährung der Weltbevölkerung verbesserte“, schreibt er in dem Faltblatt. „Andererseits entwickelte er nach Versuchen mit Phosgen und Chlorgas das Giftgas als Massenvernichtungswaffe, erstmals eingesetzt im Ersten Weltkrieg durch das Deutsche Reich.“

Clara Immerwahr, die für ihn als neue Namensgeberin infrage kommt, war nicht nur Habers Ehefrau, sondern auch erste promovierte Chemikerin in Deutschland. Sie hatte öffentlich Kritik an der Arbeit ihres Mannes geübt und den Einsatz des Giftgases als „Perversion der Wissenschaft“ bezeichnet. Im Mai 1915 nahm sie sich das Leben – am Morgen nach der Siegesfeier zum erfolgreichen Einsatz des Giftgases. „In der Forschung gibt es unterschiedliche Meinung zu den Motiven ihres Suizids“, so Goehrke.

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