Zwischen Bar und Barrikade

dzDie Höhen und Tiefen eines Liederdichters

Den Lyriker Robert Gilberts hochmusikalisch in Szene gesetzt: Ein Appell für ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens. Viel Applaus für ein beachtliches Konzert.

von Alexandra Prokofev

Kamen

, 12.11.2018, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lebensabschnitte eines bekannten Lyrikers miterleben: Beim Konzert „Zwischen Bar und Barrikade“ präsentierten Sänger und Musiker bekannte Stücke Robert Gilberts. Unter der Leitung von Reinhard Fehling beeindruckten die sanften Chorstimmen der „Letzten Heuler“ und Holger Woltering als Solosänger mit kräftiger Stimme.

Zwischen Bar und Barrikade

Chorleiter Reinhard Fehling (l.) in Aktion: Sein Konzertprogramm ist nicht zuletzt ein eindringlicher Appell für ein friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedenen Glaubens. © Borys Sarad

Zurück in die Geschichte

Zurück in die Zeit der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse: Gekleidet in alten Kleidern und die Hosenträger gespannt stimmt der Chor das erste Lied an. Die Ballade von der „Krüppelgarde“ ist eines der vielen Arbeiterkampfliedern, deren Texte Gilbert schrieb. In kleinen Rezitationen zwischen den Musikstücken erzählen die zwei Schauspieler Barbara Blümel und Michael Kamp die Lebensgeschichte des politischen Dichters. Abschnitte aus Gilberts Werken werden vorgelesen, und die Besucher erhalten Einblicke in sein Leben und seinen Umkreis. „Ein toller Bursche, der viel soff“, liest der Schauspieler aus Gilberts Schriften. Die Beschreibung gilt einem von Gilberts engsten Komponisten-Freunden, Hanns Eisler. Auch mit dem berühmten Komponisten Werner Richard Heymann hat Gilbert zusammengearbeitet. Nach dem Erfolgs-Schlager „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ folgt ein gefühlvolles Solo einer Chor-Sängerin: „Bestenfalls im Leichenschauhaus haste noch Kredit“ heißt es im „Stempellied“, dem Lied der Arbeitslosen. Vielen Besuchern ist der Berliner Dialekt vertraut.

Das dramatische Schlagen des Schlagzeuges drückt Kampfbereitschaft aus, die sanfte Leichtigkeit in den Tönen der Streichinstrumente dagegen Heiterkeit. Viele Höhen und Tiefen in Gilberts Leben werden musikalisch aufgegriffen. Ob der gefühlvolle Gesang des Chores oder die männlichen und weiblichen Solosänger mit kräftiger Stimme: Sie alle lassen das Publikum laut applaudieren und im Takt mitklatschen.

Zwischen Bar und Barrikade

Abschnitte aus Gilberts Werken werden vorgelesen und die Besucher erhalten Einblicke in sein Leben und seinen Umkreis. © Borys Sarad

Frohsinn und Sehnsucht

Auch die leichten Klänge eines Xylophons ergänzen die Stimmung. Von eher fröhlichen Liedern wie „Im Weißen Rössl“ geht es weiter zu einer düsteren Zeit, die den Dichter besonders geprägt hat: Die Flucht aus Deutschland aufgrund des Nazi-Regimes. Das sehnsuchtsvolle Lied „Abschied von Berlin“ präsentiert Dirigent und Komponist Reinhard Fehling dazu im Solo und am Klavier.

Mit poetischen Reimen im Ohr verlassen die Besucher die Konzertaula, den bekannten Dichter dabei in Erinnerung gerufen. „Es ging vorüber, ist nicht vorbei“, heißt es in Gilberts Schriften.

In einer früheren Version des Artikels wurde Gilbert als Komponist bezeichnet. Das Lied „Abschied von Berlin“ übernahm nicht Holger Woltering. Wir haben die Verwechslungen korrigiert.
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