Zum Kampf gegen Laubsauger geblasen: Bündnisgrüne fordern auf den Verzicht

dzNaturschutz in Kamen

Laubsauger sind praktisch, wenn Berge von Laub beseitigt werden sollen. Die Geräte sind aber nicht nur laut, sondern auch für Insekten schädlich, wie die Grünen feststellen. Sie fordern auf Verzicht.

Kamen

, 12.03.2020, 10:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die einen sind sie erhebliche Arbeitserleichterung, für die anderen Unruhestifter: Laubsauger und -bläser, mit denen Laub aus Parks und von Wegen gepustet wird. Die Kamener Bündnisgrünen blasen nun zum Kampf gegen das lautstarke Arbeitsgerät. Sie legen einen entsprechenden Antrag für den Umwelt- und Klimaschutzausschuss am Donnerstag, 19. März, vor. Der öffentliche Teil beginnt um 18 Uhr im Sitzungssaal II des Rathauses.

Verzicht auf allen städtischen Flächen

„Auf allen städtischen Flächen wird auf die Verwendung von Laubsaugern und -bläsern aus ökologischen und Lärmschutz-Gründen verzichtet. Dazu werden die städtischen Servicebetriebe als auch die für die Grünpflege beauftragten Unternehmen verpflichtet“, so der Vorschlag der Bündnisgrünen, den sie in dem Ausschuss zur Abstimmung stellen. „Durch den Schallpegel von über 100 Dezibel – das ist ungefähr so laut wie ein Presslufthammer – werden vor allem die Nachbarn belästigt und die Gesundheit der Benutzer geschädigt“, so Fraktionsvorsitzende Anke Dörlemann. Schon ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel könne es bei Dauerbelastungen zu Hörschäden kommen.

Bei der Beseitigung von Laub steht die Verkehrssicherung im Mittelpunkt. Wird das Laub nass, kann es rutschig und damit gefährlich werden.

Bei der Beseitigung von Laub steht die Verkehrssicherung im Mittelpunkt. Wird das Laub nass, kann es rutschig und damit gefährlich werden. © Michael Dörlemann

Auch Kleintiere wie Spinnen und Insekten werden aufgesaugt

Mitarbeiter der Servicebetriebe an der Gutenbergstraße sind im Herbst in den Parks und Grünanlagen unterwegs, um mit den Geräten Wege und Grünflächen auch wegen der Verkehrssicherheit vom Laub zu befreien. Für die Bündnisgrünen ist nicht nur die Lautstärke ein Argument dagegen, sondern auch der ökologische Schaden. Die Geräte, „die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, stoßen gesundheitsschädliche Abgase wie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus“, so Dörlemann. Auch die Bodenbiologie werde durch Laubsauger gravierend beeinträchtigt. „Die lauten Ordnungshalter“, so Dörlemann, „saugen mit den welken Blättern auch Kleintiere wie Spinnen und Insekten auf, häckseln und töten sie dabei. Außerdem zerstören sie Pflanzensamen.“

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Verlust der Deck-Schicht, die vor Austrocknung und Kälte schützt

Dörlemann zählt in dem Antrag weitere Argumente auf: Beispielsweise werde die Humus- und Nährstoffbildung behindert, weil die abgesaugten und mit einer Luftgeschwindigkeit von bis zu 220 Stundenkilometern weggeblasenen Blätter und Äste nicht mehr auf dem Boden verrotten. Die am Boden lebenden Kleintiere wie Würmer, Insekten, Spinnen und Kleinsäuger verlören Nahrung und Lebensraum, der Boden werde der Deckschicht beraubt, die ihn vor Austrocknung und bei extremer Kälte schütze. Deshalb, so Dörlemann, rate selbst das Umweltbundesamt vom Einsatz der Geräte ab: „Rechen und Besen sind eine wirkliche Alternative!“

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