Zukunftsangst und Optimismus: Weinhaus öffnet eingeschränkt, aber es öffnet in Zeiten von Corona

dzKamener Einzelhandel

Das Weinhaus Schulte ist ebenso von der Corona-Krise betroffen. Dort, wo es Lebensmittel wie Pasta gibt, gibt es auch Zukunftsängste. Dennoch will Händlerin Nicole Schulte optimistisch bleiben.

Kamen

, 30.03.2020, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielfach erreicht Hochachtung, Respekt und Applaus jene Einzelhändler, die in Zeiten der Corona-Pandemie trotz gesundheitlicher Risiken ihre Läden geöffnet halten.

Dass die Weinhandlung Schulte an der Bahnhofstraße 7 auch noch geöffnet hat, damit rechnet im Angesicht zahlreicher geschlossener Läden nicht jeder. Im Feinkostladen, der seit 27 Jahren in Kamen vor Ort ist, hält Geschäftsführerin Nicole Schulte zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen weiter Stellung, obwohl sie die Öffnungszeiten bereits einschränken musste und jetzt statt sechs Wochentage nur noch drei, donnerstags bis freitags, geöffnet hat.

Zu wenig Menschen sind noch unterwegs, um bummeln zu gehen und auch kleinere Läden aufzusuchen.

Hände desinfizieren und Abstand zu den weiteren Kunden halten. Im Weinhaus Schulte klappt das bisher gut.

Hände desinfizieren und Abstand zu den weiteren Kunden halten. Im Weinhaus Schulte klappt das bisher gut. © Borys Sarad

Jetzt öfter zuhause kochen mit besonderen Zutaten

Der Mundschutz ist für Nicole Schulte und ihre beiden Kräfte nun alltägliches Mittel, wenn sie die Kunden bedienen. Im Eingangsbereich steht ein kleiner Tisch mit Desinfektionsmittel mit der Aufforderung, die Hände damit einzureiben, bevor es ins Ladeninnere geht.

„Es hat sich eingebürgert, dass die Kunden dort erst einmal warten, bis sie beraten werden können“, so Schulte. Nicht nur Wein und andere Getränke hat sie im Angebot, sondern auch Pasta, Pesto, Antipasti und besondere Saucen. Schulte war froh, als sie die Nachricht erhielt, dass sie weiter öffnen darf. „Wir haben ja auch verderbliche Waren im Angebot.“

Ihre Beobachtung in Zeiten von Corona: „Weil man nicht mehr Essen gehen kann, kochen die Menschen jetzt mehr. Und greifen deshalb auch öfter zu besonderen Saucen und Zutaten.“ Das sei auch bei ihr zuhause so: „Jetzt ist die Küche jeden Tag in Beschlag. Die ganze Familie sammelt sich dort.“

Das Weinhaus Schulte bietet auch Lebensmittel an. Das Geschäft zählt mit seinem Warenangebot in Zeiten der Coronakrise zu den systemrelevanten Läden, die geöffnet bleiben dürfen.

Das Weinhaus Schulte bietet auch Lebensmittel an. Das Geschäft zählt mit seinem Warenangebot in Zeiten der Coronakrise zu den systemrelevanten Läden, die geöffnet bleiben dürfen. © Borys Sarad

Zukunftsängste in der Krise

Dass das Geschäftsleben schwieriger wird, hat Schulte schon vor einigen Wochen gemerkt. Zahlreiche Lieferanten haben ihren Sitz in Italien, dem Epizentrum der Corona-Krise. „Da ist vor Wochen schon die Stimmung gekippt.“ Einige Händler hätten geschlossen, andere längere Lieferzeiten durch die strengeren Grenzkontrollen.

Auch sie hat durchaus Zukunftsängste. „Wie lange kann man in dieser Krise durchhalten?“, hat sie sich schon einige Male gefragt. „Einige Wochen vielleicht.“ Sie will den Optimismus aber nicht verlieren; ihr Anliegen ist, dass die Kamener merken, dass das Weinhaus nicht geschlossen hat. Deswegen hat sie ein großes Plakat mit handschriftlichen Lettern ins Schaufenster gehängt – mit dem Verweis, dass es jetzt auch einen Lieferservice gibt, wie auch in anderen Kamener Unternehmen wie Brumberg und einigen Supermärkten.

Wie andere Kamener Einzelhändler bietet das Weinhaus jetzt auch einen Lieferservice an.

Wie andere Kamener Einzelhändler bietet das Weinhaus jetzt auch einen Lieferservice an. © Borys Sarad

Vor 27 Jahren an der Oststraße gestartet

Das Weinhaus hat Tradition: Vor 27 Jahren startete die Familie an der Oststraße. Nicole Schultes Mutter Karin-Maria Elzner eröffnete in einem Fachwerkbau ein klassisches Weingeschäft. Auch Schultes Vater hatte mit Wein zu tun; von Bönen aus steuerte er einen Vertrieb der guten Tropfen.

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Als das Familienunternehmen nach zehn Jahren an die Bahnhofstraße zog, wurde das Sortiment nach und nach erweitert. Zunächst mit Feinkost wie Olivenöle und handgemachter Pasta, dann Wohnaccessoires wie Leuchten, Vasen und Deko.

Vor etwa sieben Jahren dann mit einem Geschäftsfeld, das auf den ersten Blick womöglich unpassend erscheinen mag: Designermode. „Doch das passt hervorragend“, sagte die Unternehmerin, als sie im September 2017 das 25-jährige Bestehen feierte.

Besondere Olivenöle und Essigsorten: In Zeiten von Corona kochen die Menschen mehr, wie Weinhaus-Geschäftsführerin Nicole Schulte festgestellt hat.

Besondere Olivenöle und Essigsorten: In Zeiten von Corona kochen die Menschen mehr, wie Weinhaus-Geschäftsführerin Nicole Schulte festgestellt hat. © Borys Sarad

Weine aus Italien kamen noch vor der Krise

Credo seit jeher: All jene Dinge anbieten, die für ein schönes Leben notwendig sind. Wer sich auf den 160 Quadratmetern umschaut, der kann das bestätigen. Weitere 80 Quadratmeter stehen nebenan zur Verfügung, wo außerhalb von Corona-Zeiten regelmäßige Wein-Events stattfinden. Für diese Event, wenn sie bald wieder stattfinden, und für den aktuellen Verkauf sind die Lager gut gefüllt. Schulte: „Ich hatte das Glück, dass ich die Weine aus Italien noch vor der Krise erhalten habe.“

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