Der mutmaßliche Täter, der als Feuerwehrmann fünf Brände gelegt haben soll, ist erst 18. Zurzeit wird ermittelt, ob er auch andere Taten begangen hat. Die Psychologie kennt das Phänomen.

Kamen

, 30.08.2019, 15:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nächtlich grüßt das Murmeltier. Frei nach dem Film „Täglich grüßt das Murmeltier“, in dem Wettermann Phil Connors denselben Tag immer wieder von vorn erlebt, fühlten sich Kamens Feuerwehrleute, als sie in den vergangenen Jahren immer wieder zu einem Schauplatz ausrückten: Den Müll-Containern an der Südkamener Straße, in denen Altpapier und Altglas gesammelt werden.

Immer wieder loderte aus den Papiercontainern die Flammen, bis jetzt ein mutmaßlicher Täter gestellt wurde.

Ausgerechnet ein Feuerwehrmann. Die Staatsanwaltschaft korrigierte am Freitag auf Anfrage der Redaktion bisherige Angaben zum Alter des Tatverdächtigen. Er ist nicht, wie bisher kommuniziert wurde, 20 Jahre alt, sondern erst 18. Die Polizei ermittelt zurzeit weiter. „Viele Taten der jüngeren Zeit sind ungeklärt. Es wird untersucht, ob der Mann auch für andere Brände verantwortlich ist“, so Henner Kruse von der Staatsanwaltschaft Dortmund nach Rücksprache mit der örtlichen Polizei. Auch wenn das Thema für die örtliche Feuerwehr schwierig ist: Die Nachwuchsarbeit in Kamen gilt als äußert vorbildlich. Zahlreiche Feuerwehrleute engagieren sich dort tatkräftig.

Zündelnder Feuerwehrmann erst 18: Legte er noch mehr Feuer?

Immer wieder mussten Polizei und Feuerwehr zur Unnaer Straße, Höhe Schöner Fleck, ausrücken.

Höhepunkt der Brandserie in der letzten Juli-Woche

Fünf Taten gehen laut Geständnis auf das Konto des jungen Mannes - es handelt sich um die Brände am 27. Juni, 23. Juli, 13. August, 14. August und 18. August. Der Tatbestand der Brandstiftung ist dabei im Übrigen nicht erfüllt. Derlei buchstäbliches Spiel mit dem Feuer, das auch als vorsätzliche Inbrandsetzung bezeichnet wird, fällt unter „Sachbeschädigung.“

Höhepunkt der Brandserie war in der letzten Juliwoche, als Kamens Brandbekämpfer drei Mal in nur einer Woche zu dem Containerstellplatz gerufen wurden und sie schon routinemäßig den Wasserstrahl eines C-Rohrs auf die Flammen richteten.

Weitere Routine: Den ausgebrannten Container mit Löschschaum zu fluten, damit er nicht noch einmal angezündet werden kann. Denn auch das kam einmal vor: Am 14. Mai, als der Behälter gleich zwei Mal angezündet wurde - nach dem Abrücken von Polizei und Feuerwehr. Ansonsten werden die Container in der Regel über Silvester geflutet, weil dann die Gefahr besonders groß ist, dass Altpapier-Container in Brand gesetzt werden - durch gedankenlos durch die Schlitze geschmissenes Feuerwerk.

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„Als wäre dieser Dienstag nicht anstrengend genug gewesen“

Nächtlich grüßt das Murmeltier: Wie oft es an dem Stellplatz mit den fürs Recycling vorgesehenen Wertstoffen gebrannt hat, lässt sich kaum aufzählen. Die Feuerwehr schreibt in den Einsatzberichten auf ihrer Website mehrfach davon, dass sie „wieder einmal zum schon fast ‚klassischen‘ Einsatz“ an den Containerstellplatz an der Unnaer Straße gerufen wurde. Klassisch auch die Einsatzzeit, die in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten abgearbeitet wird. Arbeitszeiten der zugegebenen Taten: 35 Minuten am 27. Juni. Und 40 Minuten am 23. Juli, nachdem die Feuerwehr an dem Tag schon vier Einsätze hatte. Sie schreibt dazu: „Als wenn dieser Tag nicht schon anstrengend genug gewesen wäre für die Mitglieder der Feuerwehr Kamen, folgte am späten Abend die inzwischen fünfte Alarmierung dieses Tages für ehrenamtliche Kräfte.“ Der Einsatz am 13. August dauerte 35 Minuten, der Einsatz am 14. August 30 Minuten. Der Einsatz am 18. August, dem Tag der Festnahme des jungen Feuerwehrmanns, ist auf der Website der Feuerwehr nicht erwähnt.

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Über krankhafte Brandstiftung oder Pyromanie

„Die krankhafte Brandstiftung oder Pyromanie gehört zu den spektakulärsten, mitunter aber auch folgenschwersten seelischen Störungen“, heißt es auf der Psychiatrie-Website „http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/brand.html“ von Prof. Dr. Volker Faust. Das Beschwerde- oder besser Krankheitsbild sei charakterisiert durch ausgeprägte Faszination von allem, was mit Feuer und Brand in Zusammenhang steht, einschließlich Löschmöglichkeiten wie Löschgeräten und Löschfahrzeugen. Der Ablauf kennzeichne sich folgendermaßen: Durch eine Spannung oder affektive Erregung, bevor der Band gelegt wird. „Während des Feuers und den damit verbundenen Begleitumständen interessiert, neugierig, fasziniert, gebannt“, heißt es zu den Gemütszuständen. Falls in der jeweiligen Feuerwehr aktiv, dann sei derjenige bei den Löscharbeiten nicht selten besonders einsatzfreudig. Während des Brandes äußere sich das in Entspannung, Befriedigung und Vergnügen. Danach, selbst angesichts der entstandenen Zerstörung, ergebe sich in der Regel Gleichgültigkeit, Zufriedenheit, Behagen, Wohlgefühl oder Entzücken.

Für die Feuerwehrleute ist es ruhiger geworden

Ob das auf den Kamener zutrifft oder auch auf den Dortmunder, der jetzt nach mehreren Feldbränden gestellt wurde, ist nach wie vor ungeklärt. Nach fast täglichen Feldbränden im August hatte nach der Verhaftung ein 21-jähriger Dortmunder umfangreich ausgesagt.

Seitdem die beiden jungen Männer gestellt wurden, ist es für die Feuerwehrleute deutlich ruhiger geworden. An der Unnaer Straße hat es seitdem nicht mehr gebrannt.

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