Der Lärm an der Nordstraße ist bald verklungen, wenn die 300 Bohrpfähle gesetzt sind. Sie bilden das Fundament der neuen „Villa Möcking“, die aus 21 Wohnungen und zwei Ladenlokalen besteht.

Kamen

, 12.09.2019, 13:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das schwere Bohrgerät, das an der Nordstraße auf der Möcking-Baustelle im Einsatz ist, ist so groß, dass es die Fassaden der hohen Häuser noch weit überragt. Die Spezialtiefbohrer der Firma Demler aus Netphen arbeiten sich neun Meter hinab, um ein Loch auszuheben, in das Beton für den Stahlbetonpfahl gegossen wird. 300 Bohrungen sind notwendig, um ebenso viele Pfähle, die direkt nebeneinander stehen, zu setzen. „Am Ende ergibt sich dadurch eine tragende Wand für die Tiefgarage“, berichtet Maximilian Kirchhoff. Der 25-jährige Projektleiter, der Architektur studiert hat, ist Leiter der Planungsabteilung der Baugesellschaft beta-Eigenheim aus Bergkamen. Dort, wo er steht, soll künftig zentral gewohnt werden. Unter dem Titel „Villa Möcking“.

Zentral Wohnen mit Möbelhaus-Adresse: 300 Bohrpfähle für die Villa Möcking

Dort, wo die Bohrungen gemacht wurden, kann man bereits erkennen, wo die Einfahrt der Tiefgarage mit 21 Stellplätzen verläuft. © Stefan Milk

Historische Jugendstilverglasung wird wieder eingebaut

Die drei Gebäude mit den Hausnummern 4 bis 6 sind verschwunden. Wo jetzt ein großes Loch in der zuvor stolzen Häuserreihe der Nordstraße klafft, stand früher das Möbelhaus Möcking, das seine Ladentüren im Frühjahr 2017 nach über 100-jähriger Geschichte geschlossen hat. Ersetzt werden soll das einst repräsentative Haus durch ein Gebäude mit ähnlichem Charme, nur deutlich moderner. Historische Elemente aus dem alten Gebäude werden aber wiederzufinden sein, wie Kirchhoff betont: „Die Jugendstilverglasung wurde vor dem Abriss ausgebaut, um diese in dem neuen Gebäudekomplex unterzubringen.“ Historische Elemente im neuen Zusammenhang. Die Buntglasverglasung aus dem 19. Jahrhundert sei „ein Juwel und Blickfang.“ Sie soll in jenen Erkern integriert werden, die künftig von der Hofseite im Rücken der Anlage zu sehen sind.

Zentral Wohnen mit Möbelhaus-Adresse: 300 Bohrpfähle für die Villa Möcking

Die Nordseite mit der Einfahrt zur Tiefgarage (vorn rechts). So soll das Möcking-Bauprojekt von der Rückseite aussehen. In der Mitte ist das freistehende Stadthaus zu erkennen. © beta

21 Wohnungen mit ebenso vielen Stellplätzen

Doch was kommt jetzt eigentlich? „Zwei Gebäude mit insgesamt 21 Eigentumswohnungen und zwei Ladenlokale“, erläutert Kirchhoff. Das Hauptgebäude an der Nordstraße hat 19 Wohneinheiten mit 79 bis 210 Quadratmetern. Dabei handelt es sich um 1,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen. Zudem gibt es im Erdgeschoss zwei großflächige Gewerbeeinheiten, die sich, wie früher Möcking, mit ihren Schaufensterfronten zur Nordstraße öffnen. „Wir stehen bereits in Verhandlungen mit Gewerbetreibenden“, so Kirchhoff. Reizvoll sei vor allem die planerische Herausforderung, bei der die beiden Gebäudeteile mit einer Tiefgarage verbunden werden. 21 Stellplätze werden für die neuen Eigentümer vorgehalten. Die Zufahrt erfolgt rückwärtig - vorbei am Commerzbank-Parkplatz - über die Kampstraße. An den bisher gesetzten Bohrpfählen ist schon die bogenförmige Tiefgaragenzufahrt zu erkennen. „Wenn alle Bohrpfähle stehen, wird dazwischen ausgeschachtet“, so Kirchhoff.

Zentral Wohnen mit Möbelhaus-Adresse: 300 Bohrpfähle für die Villa Möcking

Mit dem schweren Bohrgerät werden neun Meter Tiefe Beton-Bohrpfähle gesetzt. © Stefan Milk

Moderne Architektur soll sich gut einpassen

Kirchhoff hat bei der Planung darauf geachtet, dass sich das Gebäude trotz moderner Zeichnung gut in das Nordstraßen-Gefüge einpasst. „Es soll passen zur denkmalgeschützten Villa an der Ecke.“ Vertikale Erker, klare Linien, fließende Übergänge und ein cremefarbener Ton des Putzes und der Teilverklinkerung sollen das neue Gebäude gut in die vorhandene Bebauung einbinden. Die Architekten bezeichnen die Nordstraßenansicht als „dreiteilige Blockrandbebauung“. Kirchhoff: „Ich habe mich viel mit der Umgebung auseinandergesetzt. Wir wollten nicht zu viel machen.“ Viel gemacht wurde planerisch schon auf der Rückseite. Das zusätzliche Stadthaus, das zwei Wohnungen birgt, wird so platziert, dass ein großzügiger Quartiersplatz, der üppig begrünt werden soll, entsteht, der sich zum Kirchplatz orientiert.

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Lärmende Arbeiten sollen in Kürze beendet sein

Das erklärt der Projektplaner, während der Bohrer lärmend weiter arbeitet; Lärm, unter dem auch die Innenstadtbewohner zurzeit leiden. Etwa eine halbe Stunde bis Dreiviertelstunde dauert eine Bohrung. Über ein Schnecke wird das Erdreich herausbefördert, das dann abtransportiert wird. „Es handelt sich um einen tragfähigen Boden“, so der angehende Architekt. „Überraschungen hat es bisher nicht gegeben.“ In etwa ein bis zwei Wochen sollen die lärmenden Arbeiten beendet sein. Nach dem Start der Hochbauarbeiten, die voraussichtlich im Herbst beginnen, rechnet er mit 24 Monaten Bauzeit. Mitte bis Ende des Jahres 2021 könnte das Bauprojekt dann abgeschlossen sein. Der Zuschnitt der einzelnen Wohnungen befindet sich derzeit in Planung. Im Herbst soll mit der Vermarktung begonnen werden. Der Preis wird etwa 3000 Euro pro Quadratmeter betragen. Dann heißt es einziehen an einem Standort mit der früheren Möbelhaus-Adresse.

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