Seit einem Jahr hat Kamen wieder einen neuen Mietspiegel. Das verschafft Mietern und Vermietern mehr Orientierung. © Marcel Drawe/Symbolfoto
Mieten und Vermieten

Wohnen in Kamen: Ein Jahr mit dem neuen Mietspiegel

Mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt versprach der neue Mietspiegel. Die Erfahrungen sind laut einem Bericht bislang positiv. Mit einem Missverständnis räumt ein Experte auf.

Eine Wohnung an der Schulstraße kostet 350 Euro Kaltmiete für 60 Quadratmeter. An der Bahnhofstraße ist nur minimal kleinere Wohnung bereits für 320 Euro zu haben. Oder soll es doch eine doppelt so große Fläche sein? Für 650 Euro ist noch eine Wohnung an der Westenmauer zu haben.

Dies sind nur drei aktuelle Beispiele aus aktuellen Immobilienanzeigen in Kamen. Ob die beispielhaft genannten Wohnungen bezahlbar sind, hängt natürlich vom eigenen Geldbeutel ab. Insgesamt aber gilt die Sesekestadt nicht als teures Pflaster. „Was durch die Medien geistert: Mieten, die sich keiner leisten kann, Schlangen bei der Wohnungsbesichtigung“, das kann Andreas Eichler in Kamen nicht feststellen. „Wir bewegen uns nicht in München, Hamburg oder Berlin“, sagt der Mitarbeiter der Sozialhilfe- und Wohngeld-Stelle im Rathaus.

Kamen ergriff die Initiative

Wenn es um bezahlbare Wohnungen geht, ist der Mietspiegel eine wichtige Orientierungshilfe auf dem Wohnungsmarkt. Erst seit einem Jahr hat Kamen überhaupt wieder einen solchen Vergleichsmaßstab, der von Mietern und Vermietern herangezogen wird, um eine angemessen Miethöhe zu ermitteln. Die Erfahrungen damit sind bislang positiv, wie jetzt im Sozialausschuss des Stadtrats deutlich wurde. Dort legte Eichler einen Bericht rund ums Wohnen vor.

Der Mietspiegel für Kamen wurde auf Kreisebene erstellt – von der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses im Kreis Unna, die dazu Fragebögen auswertete, die freiwillig eingereicht werden konnten. Die Preistabelle kam auf Kamener Initiative zustande und ist mittlerweile auch für die meisten anderen Städte und Gemeinden erhältlich.

Mietspiegel-Rechner online

Wer herausfinden will, wie die ortsübliche Vergleichsmiete laut Mietspiegel ist, kann dazu einen Online-Rechner auf der Internetseite des Kreises Unna benutzen, wie Andreas Eichler empfiehlt. Es gibt Versionen für Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Selm und Werne. Auszuwählen sind Baujahr, Wohnungsgröße, Beheizungsart (z.B. Gas), Ausstattung (einfach, mittel, gehoben) und Modernisierungsmaßnahmen (klein, mittel, überwiegend modernisiert) sowie Zu- und Abschläge (z. B. Dachgeschoss, Aufzug, Einfamilienhaus).

Eine relativ junge, 45 bis 70 Quadratmeter große, einfach ausgestattete, überwiegend modernisierte Wohnung mit Gas-/Ölheizung kostet demnach zwischen 6,59 und 7,70 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Nur einen Ausschnitt der Wohnungen

Der frühere Kamener Mietspiegel war bis zu dem konzertierten Vorgehen mehrerer Städte jahrelang nicht aktualisiert worden. Eine Stadt ohne aktuellen Mietspiegel? „Einige waren verwundert, dass das geht“, blickt Eichler zurück. Dabei hätten im Bundesvergleich nur ein Viertel aller Städte überhaupt einen Mietspiegel. Um eine kommunale Pflichtaufgabe handelt es sich bei dem im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelten Vergleichsmaßstab nicht.

Der neue Mietspiegel sorgt seit einem Jahr für mehr Preistransparenz auf dem Wohnungsmarkt. Andreas Eichler räumt dabei mit dem Missverständnis auf, dass der Mietspiegel den kompletten Bestand zeigt. „Der Mietspiegel bildet nicht ab, was im Stadtgebiet gezahlt wird, sondern es geht um die üblichen Entgelte, die in den vergangenen sechs Jahren neu vereinbart oder geändert worden sind“, erklärt er.

Kamen verfügt über rund 22.095 Wohnungen im Stadtgebiet (Stand: 2019), die durchschnittlich 88 Quadratmeter groß sind. Jedem der rund 43.000 Einwohner steht damit statistisch gesehen 46 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. In jedem Haushalt wohnen durchschnittlich 2,1 Menschen. Über 2000 Menschen beziehen Leistungen des Jobcenters, das auch die Miete übernimmt, beispielsweise für zwei Personen maximal 450,45 Euro Kaltmiete bei einer 50 bis 65 Quadratmeter großen Wohnung. Menschen mit niedrigem Einkommen können Wohngeld beantragen. Ein beispielhafter Rentner mit einer Brutto-Rente von 860 Euro bekommt 141 Euro, das sind seit einer Wohngeldreform vor einem Jahr 37 Euro mehr als bislang. Für 640 Haushalte sind zudem durch Grundsicherung die Kosten der Unterkunft abgedeckt.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Wohnungssuche oder bei Wohnungsangeboten gemacht? Erfahrungsberichte von Mietern und Vermietern sind willkommen: immobilien@rnw.press.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer
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