Wohnen im 200 Jahre alten Fachwerkhaus: „So manches Abenteuer erlebt“

dzBaudenkmal in Kamen

Das Fachwerkhaus von Familie Chanicki ist ein Blickfang. In der Sanierung stecken unzählige Arbeitsstunden, aber jetzt ist Zeit für eine seltene Geburtstagsfeier: Der Hof wird genau 200 Jahre alt.

Kamen, Methler

, 03.08.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eines der am besten erhaltenen Fachwerkhäuser Kamens steht in Westick. Der gute Zustand ist Familie Chanicki zu verdanken, die das Baudenkmal in unzähligen Stunden aufwändig und liebevoll restauriert hat. Ulrike Chanicki öffnet dem Besucher die Tür des Bauernhauses.

„Das ist ein Traum“, sagt die Bewohnerin auf die Frage, wie es sich anfühlt, in einem so alten Haus zu wohnen, Nummer 8 auf der Kamener Denkmalliste. Holz und Lehm sorgen für eine gemütliche Atmosphäre sowie ein angenehmes und gesundes Raumklima. Chanicki wohnt darin mit ihrem Mann Reimund und den Kindern Anna und Johannes.

Seit Ulrike und Reimund 1998 zunächst als Mieter einzogen, haben sie viel über die Geschichte des Hauses und seine Bauweise in Erfahrung gebracht. Es steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Eine Inschrift auf der Fassade verrät, dass Wilhelm Dieckheuer den Hof einst errichtete. Datiert ist sie auf 3. August 1820, sodass die Chanickis an diesem Montag den 200. Geburtstag des Hauses feiern können.

Errichtet im Jahr 1820 von Wilhelm Dieckheuer, blieb das Fachwerkhaus bis 1930 im Besitz der Familie. Nachbar Wilhelm Menken übernahm es. Seit 2004 gehört es Familie Chanicki.

Errichtet im Jahr 1820 von Wilhelm Dieckheuer, blieb das Fachwerkhaus bis 1930 im Besitz der Familie. Nachbar Wilhelm Menken übernahm es. Seit 2004 gehört es Familie Chanicki. © Udo Hennes

Ursprungszustand wiederhergestellt

Ulrike Chanicki schildert, wie die Sanierung des typischen Westhellweger Bauernhauses ablief. Nach dem Kauf im Jahr 2004 ging es ein Jahr später los. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde sei immer darauf geachtet worden, den Ursprungszustand möglichst wieder herzustellen. „Saniert wurde mit Materialien, die ähnlich schon zur Erbauungszeit verwendet wurden.“ Dazu zählen Lehmputz und Kalkfarbe mit Kasein als Bindemittel, also einem Bestandteil der Milch. Als nützlich erwies es sich, dass der Hof Dieckheuer in der Vergangenheit von Eingriffen in die Grundstruktur weitgehend verschont geblieben war.

„In den vielen Jahren der Sanierung wurde so manches Abenteuer erlebt“, erklärt Chanicki. „Dazu gehören zum Beispiel auch die unzähligen alten Scherben, die überall beim Graben auftauchen und zum Teil aus dem Mittelalter stammen.“ Belege für die lange Geschichte des Standorts.

Ein Blickfang für Spaziergänger und Radfahrer, die manchmal bewundernd vor dem prächtigen Haus und seinem schönen Garten am Roggenkamp in Westick stehen bleiben.

Ein Blickfang für Spaziergänger und Radfahrer, die manchmal bewundernd vor dem prächtigen Haus und seinem schönen Garten am Roggenkamp in Westick stehen bleiben. © privat

Eine Keimzelle des Dorfes Westick

Wilhelm Dieckheuer errichtete das Haus auf einer Hofstelle, die noch mindestens 500 Jahre älter ist. Im 14. Jahrhundert wird sie erstmals schriftlich erwähnt. Die Chanickis erfuhren, dass die Geschichte noch viel weiter auf einen der sogenannten vier Urhöfe von Westick zurückreicht. „Es gibt Vermutungen, dass die Hofstelle Teil des im Südteil gelegenen Urhofes war. Dieser Urhof wurde im frühen 13. Jahrhundert in mindestens drei Höfe aufgeteilt, nämlich Dieckheuer, Wittkamp und Mork“, gibt Chanicki die Forschungen wieder. Im Buch „1100 Jahre Methler“ finde man einen Auszug aus dem Stadtarchiv in Kamen.

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Blickfang für Spaziergänger

Trotz der vielen Arbeit habe die Familie den Kauf des Hauses nie bereut. Die Sanierung wurde so in mehrere Abschnitte aufgeteilt, dass man gleichzeitig in dem Haus wohnen und werken kann. „Obwohl immer noch ein Bauabschnitt aussteht, ist das Haus soweit gerettet, dass es noch weitere 200 Jahre erleben könnte“, ist Chanicki sicher. Zur Freude auch der Spaziergänger und Radfahrer, die manchmal bewundernd vor dem prächtigen Haus und seinem schönen Garten am Roggenkamp in Westick stehen bleiben.

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Fünfbogenbrücke über die Seseke in Kamen.© Stefan Milk
Herz-Jesu-Kirche in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Ehemaliges Hotel „König von Preußen“ (Bergheim) in der Nähe des Marktplatzes.© Stefan Milk
Katholische Kirche Heilige Familie.© Stefan Milk
Gaststätte Kümpers an der Bahnhofstraße 1© Stefan Milk
Altes Amtsgericht, heute Haus der Stadtgeschichte an der Bahnhofstraße in Kamen.© Stefan Milk
Pauluskirche in Kamen.© Stefan Milk
Pfarrhaus an der Heerener Straße.© Stefan Milk
Ehemaliges Pförtnerhaus der Zeche Königsborn an der Westfälischen Straße in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Wasserschloss Haus Heeren in Heeren-Werve.© Stefan Milk
Torbogen des Heerener Schlosses.© Grzelak
Apotheke am Marktplatz in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges VHS-Haus, Am Geist, in Kamen.© Stefan Milk
Ehemaliges Haus Kaja, Am Geist, in Kamen.© Marcel Drawe
Fachwerkhaus an der Westenmauer 25 in Kamen.© Marcel Drawe
Margaretenkirche in Methler.© Stefan Milk
Handwerkerhaus an der Afferder Straße 6 in Methler.© Marcel Drawe
Bahnhof Kamen.© Stefan Milk

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