Wohltemperierte Kirche hilft allen – außer dem Holzwurm

dzSt. Marien Kaiserau

Schonendes Heizen soll dazu führen, dass Bilder, Figuren und Orgel in der St. Marien-Kirche besser geschützt werden. Für die Gemeinde, den Geldbeutel und fürs Klima lohnt sich‘s aber auch.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 23.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gefühlt sind sie eigentlich immer schon dagewesen: Die Pieta und der Heilige Josef gehören praktisch zum „ewigen“ Inventar der 1910 gebauten St. Marien-Kirche in Kaiserau. Doch so unvergänglich wie die christlichen Inhalte, die sie darstellen, sind ihre hölzernen Körper nicht.

Ungebetene Besucher

Das zeigen die winzigen Bohrlöcher und die brüchig gewordenen Oberflächen in deren Nähe. Klare Hinweise auf den zerstörerischen Zugriff einiger ebenso winziger wie ungebetener Gäste. Keine Frage: Der „Gewöhnliche Nagekäfer“ oder auch einfach „Holzwurm“ hat sich am Inneren der wertvollen Holzfiguren zu schaffen gemacht und muss nun bekämpft werden.

Pfarrer Bernhard Nake zeigt die Schäden an den Holzfiguren in der Kirche in Kamen, der der Holzwurm hinterlassen hat.

Pfarrer Bernhard Nake zeigt die Schäden an den Holzfiguren, der der Holzwurm hinterlassen hat. © Stefan Milk

Wahrscheinlich in Form einer unbekömmlichen CO2-Behandlung, deutet Pfarrer Bernhard Nake an. Bei der bald anstehenden Innenrenovierung soll das Problem jedenfalls mitgelöst werden. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen“, so der Pfarrer.

Temperatur-Schwankungen entschärft

Was bezüglich eines anderen Problems im Inneren der St. Marien-Kirche übrigens schon geschehen ist: Dabei geht es um die Gefahr durch plötzliche Temperatur-Schwankungen, unter denen nicht nur die Holzfiguren, sondern auch Bilder und vor allem die Orgel erheblich leiden können. Die Schwankungen sind jetzt erheblich entschärft worden. Zum einen durch die vom Erzbistum vergebene Regelung, dass innerhalb der Heizperiode die Temperatur in der Kirche nicht tiefer als 9 Grad und nicht höher als 14,5 Grad liegen darf.

Die Holzwurmschäden in der Kirche in Kamen sind deutlich zu erkennen.

Die Holzwurmschäden sind deutlich zu erkennen. © Stefan Milk

Damit der Temperaturwechsel aber noch schonender ist, wurde die Heizung in Kaiserau nun so eingestellt, dass sich die Kirche pro Stunde immer nur um 1 Grad erwärmt. Wenn also am Sonntag die Gemeinde um 9.30 Uhr zur Messe erscheinen und nicht über Gebühr frieren soll, springt die Heizung bereits um 5 Uhr an. Wärmer als 14,5 Grad wird es dann aber trotzdem nicht – darf es aus den geschilderten Gründen nicht werden. Wem das zu kalt ist, den bittet der Kirchenvorstand, sich warm zu kleiden. Insgesamt scheint es in der Gemeinde Verständnis für die gebremste Heizleistung zu geben. Klagen seien nur in wenigen Einzelfällen vorgekommen, betont Pfarrer Nake.

Erheblicher Spar-Effekt

Das könnte auch daran liegen, dass die Pfarrgemeinde durch die neuen Regeln nicht nur wertvolle Gegenstände im Kirchen-Innerern schont, sondern auch Geld spart und einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leistet – und damit eben auch zur Bewahrung der Schöpfung.

Auch an diesen Stellen hat der Holzwurm in der Kirche in Kamen Spuren hinterlassen.

Auch an diesen Stellen hat der Holzwurm Spuren hinterlassen. © Stefan Milk

Die neue Brennwertheizung, durch die vor einigen Jahren die sehr in die Jahre gekommene, elektrische Fußbodenheizung ersetzt wurde, sanken die Heizkosten von 15.000 bis 17.000 Euro auf 5.000 bis 6000 Euro im Jahr. Mit entsprechenden Folgen für den CO2-Ausstoß.

Die neue Technik bedeutete übrigens auch, dass heute wenigstens die 14,5 Grad erreicht werden können. „Früher war es manchmal nicht möglich, über 9 Grad zu kommen“, erinnert Pfarrer Nake.

Investitionen lohnen sich manchmal eben für alle – vielleicht mit Ausnahme der Holzwürmer, aber das wird man erst nach dem nächsten Umrüstungs-Kapitel genauer wissen.

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