Zwei von fünf der besten Auszubildenden des Landes kommen nicht nur aus Kamen, sondern auch einer Zahnarztpraxis. Dabei standen die Zeichen für ihre junge Karriere in der Zahnmedizin am Anfang gar nicht gut.

Kamen

, 05.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei der fünf besten Auszubildenden des Landes Nordrhein-Westfalen kommen nicht nur aus Kamen, sondern aus einer Zahnarztpraxis. Alina Hülsewede aus Kamen (21) und Jennifer Herrmann (19) aus Werne haben jetzt ihre Ausbildung als Zahnmedizinische Fachassistentin in der Zahnarztpraxis Externbrink an der Adenauerstraße 2 abgeschlossen. Nur drei weitere Auszubildende im Verband „Freier Berufe NRW“ erreichten die Einser-Traumnote. „Bessere Auszubildende kann man sich nicht wünschen“, sagt Zahnärztin Dr. Michaela Externbrink anerkennend. Und ihr Mann, Dr. Jan Externbrink, ergänzt: „Immer gewissenhaft, fleißig und guter Laune. Diese Auszubildenden waren klasse.“

Woanders wurden diese Azubis verkannt: Jetzt sind sie zwei der fünf besten Auszubildenden aus NRW

Jennifer Herrmann hat ihre Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten mit Sternchen absolviert. Sie ist eine der fünf besten Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen. © Stefan Milk

Eine Aufgabe ist, ängstliche Patienten zu beruhigen

Unsere Redaktion stattet den beiden jungen Frauen, die ihre Ausbildung mit Sternchen absolviert haben, einen Besuch in der Zahnarztpraxis ab. Dort wissen sie, was mit Mundspiegel, Wangenhalter, Abdrucklöffel und Wurzelheber zu tun ist. Nicht, dass sie alle diese Instrumente jetzt schon anwenden. Das ist freilich Aufgabe der insgesamt vier Praxis-Zahnärzte. Kleine Arbeiten beim Zahnstein-Entfernen, Röntgen, Absaugen und Anfertigen von provisorischen Kronen - das aber gehört zu ihren anspruchsvollen Ausbildungs-Aufgaben. Dazu Handreichungen und Präsenz am Zahnarztstuhl, um manchen ängstlichen Patienten zu beruhigen.

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Der Traum vom Traumberuf wäre fast geplatzt

Für Alina und Jennifer wäre der Traum vom Traumberuf fast geplatzt. Beide haben ähnliche Vorgeschichten: In den Zahnarztpraxen außerhalb Kamens kamen sie gar nicht zurecht - Jennifer erhielt die Kündigung, weil sie angeblich nicht in die Zahnarztpraxis passte. Und Alina wurde nahe gelegt, ihren Traum, Zahnärztin zu werden, aufzugeben. „Es gab da viele Horrorstorys - und die Meinung: Das schafft die gar nicht.“ Ganz anders bei Externbrinks: Dort entwickelten sich beide junge Frauen zu zahntechnischen Musterschülerinnen. Und wurden für ihre Hartnäckigkeit nun belohnt. Mit einer Einladung von Minister Hendrik Wüst nach Düsseldorf. Nur fünf Azubis in ganz NRW erhielten die Ehre. Zwei davon aus Kamen.

Woanders wurden diese Azubis verkannt: Jetzt sind sie zwei der fünf besten Auszubildenden aus NRW

Jennifer Herrmann bei der Preisverleihung mit Hendrik Wüst, Landesminister für Verkehr, und Bernd Zimmer, Vorsitzender des Verbandes „Freie Berufe NRW“ © Privat

Schon als Kind der Wunsch, Zahnärztin zu werden
Dachorganisation

Verband Freie Berufe

  • Alina Hülsewede und Jennifer Herrmann wurden für ihre Leistung geehrt vom Verband Freier Berufe im Lande Nordrhein-Westfalen (VFB NW).
  • Der Verband vertritt als Dachorganisation 35 Kammern und Verbände der Freien Berufe in NRW, darunter Apotheker, Ärzte, Grafik-Designer, Ingenieure, Notare, Patentanwälte, Rechtsanwälte, Restauratoren, Steuerberater, Tierärzte, Tonkünstler, Wirtschaftsprüfer und Zahnärzte.

Alina wusste schon als Kind, dass sie Zahnärztin werden will, obwohl es in der Familie niemanden gibt, der in diesem Bereich arbeitet. „Ich habe das schon in meine Freundebücher eingetragen und bin dafür immer belächelt worden“, sagt sie schmunzelnd. Mit der Ausbildung in der Tasche konnte sie jetzt reichlich Wartezeit verkürzen, weil ihr sehr guter Abi-Schnitt von 1,7 für die Studien-Zulassung von 1,1 nicht ausreichte. So nahm sie jetzt ein Zahnmedizin-Studium in Göttingen auf. Und mit der Ausbildung im Rücken hat sie viele Vorteile, auch wenn sie jetzt erst einmal die Zähne an Phantomköpfen richtet und nicht bei richtigen Patienten. „Die Erfahrungen aus der Praxis sind wertvoll. Ich habe keine Berührungsängste mehr. Und man weiß durch die tägliche Praxisarbeit, was auf einen zukommt.“ Sie kann sich aber gut daran erinnern, als sie zum ersten Mal den Sauger führte. „Da haben die Hände noch gezittert.“

Woanders wurden diese Azubis verkannt: Jetzt sind sie zwei der fünf besten Auszubildenden aus NRW

Dr. Jan Externbrink nahm die Auszeichnung stellvertretend für Alina Hülsewede an. Die Studentin musste statt glanzvoller Preisverleihung sich ihrem Studium in Göttingen widmen, das sehr herausfordernd ist. © Privat

„Wollte immer am Zahnarztstuhl stehen“

Jennifer, die ebenso ihre Ausbildung mit Auszeichnung absolviert hat, geht dagegen einen anderen Weg. Während Alina durch ihr Studium die Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzt hat, absolvierte sie alle drei Lehrjahre und entschied sich, als Zahnmedizinische Fachangestellte in der Praxis zu bleiben. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Ich wollte immer am Zahnarztstuhl stehen und mit Patienten zu tun haben“, sagt sie. Ihr Weg in die Kamener Praxis ging über die Gesamtschule Bockum-Hövel, wo sie die Fachoberschulreife ablegte und dann direkt in eine Zahnarztpraxis in Hamm, wo es nicht passte. Mit dem Super-Abschluss in der Tasche hat sie mit dem Kapitel abgeschlossen frei nach dem Motto: „Es kann ja nicht nur an mir gelegen haben.“

Zahnarztpraxis Externbrink seit 1971

Die Praxis Externbrink mit etwa 20 Kräften, darunter vier Zahnärzte, gibt es bereits seit 1971. Gegründet wurde sie von Jans Zahnarzt-Eltern Dr. Jürgen und Dr. Gesine Externbrink am Wiemeling, bevor 1976 der Umzug zur Adenauerstraße erfolgte. Die Zahngesundheit, so Dr. Jan Externbrink, sei in den vergangenen 20 Jahren allgemein deutlich besser geworden. Allerdings trete das Phänomen der sogenannten „Kreidezähne“ auch in Kamen immer öfter auf.

Die Zahngesundheit der Externbrink-Patienten weiter zu erhalten und verbessern, daran könnte auch Alina Hülsewede künftig beitragen, auch wenn sie jetzt noch in Göttingen studiert. Wenn sie die zehn bis zwölf Semester, sprich: fünf bis sechs Studienjahre absolviert hat, kann sie sich vorstellen, zurück nach Kamen zu kommen und hier ihre zweijährige Assistenzzeit zu absolvieren. Dann wäre sie wieder an der Seite ihre Azubi-Freundin Jennifer. Dr. Jan Externbrink scheint diese Vorstellung zu gefallen. „Ja, darüber lässt sich reden!“

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