Wo Rollstühle umkippen können: Der schmale Grat an der Glückaufstraße

dzPraxistest auf schmalem Bürgersteig

Die Glückaufstraße ist ein vielgenutzter Weg vom Süden in den Dorfkern. Doch der Bürgersteig ist dort so schmal, dass er kaum genutzt wird. Dafür geht es oft über die Fahrbahn.

Heeren-Werve

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Schräg abfallend und sehr schmal: Der Bürgersteig an der Glückaufstraße, die das Haus Mühlbach mit dem Dorfkern verbindet, ist vor allem für Rollator-Nutzer und Rollstuhlfahrer ein Problem. „Er ist teilweise kaum befahrbar“, kritisiert Silja Poschmann, Wohnbereichsleiterin des Hauses Mühlbach. Ein Praxistest, den sie zusammen mit Ortsvorsteherin Ursula Lungenhausen (SPD) organisiert hat, soll nun auf die schwierige Situation aufmerksam machen. „Rollstühle könnten dort sogar umkippen“, sagt die frühere Ratsfrau. Der Bürgersteig werde oftmals gar nicht mehr benutzt. „Dann geht es über die Fahrbahn. Und das ist sehr gefährlich“, hat Poschmann beobachtet.

Praxistest mit vielen Beteiligten am 13. Juni

Am Donnerstag, 13. Juni, gibt es den Praxistest mit Betroffenen und unter Beobachtung von Behördenvertretern wie dem Ersten Beigeordneten Dr. Uwe Liedtke. Mit dabei sind Vertreter der Arbeiterwohlfahrt, des Sozialwerks „Bürger für Bürger“ und der SoVD-Ortsgruppe Heeren. Treff ist um 16 Uhr am Haus Mühlbach. Die Stadtverwaltung ist mit einer Stellungnahme vor der Ortsbesichtigung vorsichtig. „Wir wollen erst einmal die Situation begutachten“, so Stadtsprecher Peter Büttner.

Diese Situation, so berichtet Poschmann, sei schon seit vielen Jahren schwierig. Das Problem sei aber noch einmal deutlicher geworden, seitdem auch das Seniorenwohnprojekt des Bauvereins zu Lünen auf dem Festplatz realisiert worden ist. „Das Pflegeheim Laureos ist um die Ecke, auch die altersgerechten Wohnungen. Die Glückaufstraße wird viel genutzt, weil sie direkt ins Dorf führt.“ Das gelte auch für Bewohner des Friedrich-Pröbsting-Hauses und weiterer Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen, beispielsweise an der Dieselstraße. Viele seien mit dem Rollator unterwegs, einige auch mit elektrischen Rollstühlen, sogenannten „E-Rollis“, mit denen die Bewohner deutlich mobiler geworden sind.

Ortsvorsteherin Ulla Lungenhausen bestätigt die Beobachtungen an der Glückaufstraße. „Wenn man rennen kann, merkt man das natürlich nicht“, sagt sie. „Doch für Menschen mit Behinderungen ist das sehr schwierig.“ Deswegen schlägt sie vor, dass sich auch jemand ohne Gehbehinderung einmal in einen Rollstuhl setzt, um den kritischen Bereich buchstäblich zu erfahren. „Ob man dann verkehrlich etwas ändern kann oder den Bereich umbauen muss, wird man dann sehen.“

Rege Teilnahme am Leben im Dorf

Das Haus Mühlbach an der Nikolaus-Otto-Straße gibt es seit 16 Jahren. Dort leben 30 erwachsene Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen überwiegend eigenständig, erhalten aber individuell abgestimmt alle notwendige Hilfen zur sogenannten Wiedereingliederung. Der Tagesablauf bietet dabei die gewohnten Strukturen des Zusammenlebens. „Es wird gemeinsam gekocht, die Hausarbeit erledigt und die Freizeit nach den persönlichen Wünschen gestaltet“, so Poschmann. Die Bewohner arbeiten in der Regel in den Werkstätten der Ev. Perthes-Stiftung in Südkamen, Rünthe und Oberaden. „Und sie nehmen rege Teil am Leben im Dorf, wie in Gruppen der Kirchengemeinden und in Sportvereinen. Eine Teilhabe, die uns ganz wichtig ist“, so Poschmann. Deswegen sei es notwendig, dass die Anbindung in die Dorfmitte auch gut nutzbar sei. „Es ist auch ein wichtiger Baustein zur Inklusion.“ Poschmann weiß, dass das Problem kein neues ist. „Es ist ein Dauerthema. Aber jetzt haben wir gesagt: Wir packen es an!“

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