Wo noch Potenzial für neue Supermärkte und Discounter in Kamen ist

dzLebensmittelmärkte

Kamen will sich neue Regeln für die Ansiedlung von Supermärkten, Discountern und Einzelhandelsgeschäften geben. Experten empfehlen, die Innenstadt und die Ortskerne zu stärken. Ein bekannter Wunsch-Standort ist damit raus.

Kamen

, 20.11.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Edeka hätte vor einiger Zeit gern einen Supermarkt mit Discounter auf dem ehemaligen Praktiker-Gelände in Südkamen eröffnet. Doch die Stadtverwaltung schob dem kontrovers diskutierten Projekt einen Riegel vor. Daran ändert sich wahrscheinlich auch durch neue Ansiedlungsregeln nichts.

Kamen will die Ansiedlung und Erweiterung von Supermärkten, Discountern und Geschäften im Stadtgebiet neu regeln. Dazu haben Experten der Dortmunder Beratungsfirma Junker & Kruse jetzt einen Entwurf vorgelegt. Daraus geht hervor, dass der Handel in der Innenstadt und in den Ortskernen gestärkt werden soll, was größere Märkte mit innenstadttypischen Sortimenten in Randlagen weitgehend ausschließt. „Die Entwicklung des großflächigen Einzelhandels darf die Entwicklung der City nicht konterkarieren“, sagte die Gutachterin Elisabeth Kopischke am Dienstagabend im Rathaus. Dort wurde vor Ratspolitikern das neue Einzelhandelskonzepts der Stadt Kamen vorgestellt.

250 Betriebe mit durchschnittlich 440 Quadratmeter Verkaufsfläche

Das Konzept enthält neben einer zahlenmäßigen und räumlichen Bestandsaufnahme des Handels (250 Betriebe mit durchschnittlich 440 Quadratmeter Verkaufsfläche) grobe Empfehlungen für die Stadt Kamen. Wenn beispielsweise künftig ein Vollsortimenter wie Edeka anklopft und an einer Stelle bauen will, können sich die Planer im Rathaus nach den neuen Leitlinien richten.

Das Einzelhandelskonzept durchläuft nun zunächst ein Beteiligungsverfahren, bis es 2020 vom Stadtrat beschlossen wird. Das bisherige Konzept aus dem Jahr 2005 stammt aus einer Zeit, als es noch ein Karstadt-Warenhaus in der Kamener Innenstadt gab und Online-Shopping kaum verbreitet war.

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City wird enger abgegrenzt

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die neuen Regeln kaum von den bisherigen. Eine Neuerung betrifft den Bereich der Kamener City. Der sogenannte zentrale Versorgungsbereich, in dem die Ansiedlung von Geschäften bevorzugt wird und der gegen Konkurrenz auf der grünen Wiese besonders geschützt ist, ist enger als bisher abgegrenzt. Die Häuserblocks westlich des Reckhofs, südlich des Koepeplatzes und rund um die Pauluskirche fallen heraus. Der Bereich mit dem Severinshaus südlich des Hellmig-Krankenhauses kommt hinzu. Der Hintergrund: 20 Prozent der Ladenlokale stehen leer, der Handel soll stärker in der Innenstadt konzentriert werden. „Man muss schauen, inwieweit Ladenlokale zusammengeführt werden können, und wo das nicht möglich ist, Alternativen suchen“, sagte Gutachterin Kopischke. Derzeit steht unter anderem der frühere Edeka-Markt an der Adenauerstraße leer.

Wo noch Potenzial für neue Supermärkte und Discounter in Kamen ist

Ausschnitt aus dem neuen Kamener Einzelhandelskonzept: Die Quadrate und Dreiecke markieren Standorte von Lebensmittelmärkten, die Kreise zeigen weiße Flecken und ihre Einwohnerzahl. © Junker & Kruse/Stadt Kamen

Supermärkte in Heeren-Werve und Methler

Die großen Lebensmittelketten haben neue Standorte in Kamen weiterhin auf ihrem Suchradar, wenn sie nicht eine Erweiterung vorhandener Märkte in Erwägung ziehen. Das Konzept nennt keine potenziellen Bauplätze, sondern zeigt, in welchen Bereichen der Stadt noch weiße Flecken bei der Nahversorgung existieren. In Alt-Methler, Wasserkurl, Westick, Südkamen, auf der westlichen Lüner Höhe, in Kamen-Ost, in Kamen-Mitte-Süd, in Werve sowie in Teilen Heerens gibt es Bereiche, in denen im Umkreis von 600 Metern keine größere Einkaufsmöglichkeit existiert. Wirtschaftlich attraktiv ist eine Ansiedlung dort aber nur, wenn eine Faustregel erfüllt ist. „Neue Lebensmittelmärkte brauchen 5000 bis 6000 Einwohner“, sagte Gutachter Stefan Kruse. Diese Kriterien können möglicherweise Methler und Heeren-Werve erfüllen.

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Noch Potenzial für Nahversorger

Neuansiedlungen wären erlaubt, wenn sie bestimmten Grundregeln des Konzepts folgen. Eine lautet: Nahversorger können ausnahmsweise auch außerhalb des zentralen Versorgungsbereichs ermöglicht werden, wenn der Standort eine sogenannte städtebaulich bzw. wohnsiedlungsräumlich integrierte Lage aufweist. Diese Ausnahmeregelung gilt nicht für Standorte innerhalb von Gewerbe- und Industriegebieten – gemeint ist zum Beispiel ein Standort wie auf dem ehemaligen Praktiker-Gelände, das abseits von Wohngebieten liegt.

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