Wo goldgelber Sand ein Mythos ist

dzErste Bilanz im Sandwerk

Erste Bilanz im Sandwerk nach dem Staubwolken-Vorfall vor zwei Wochen: Aus den angelieferten Böden werden nahezu 50 Prozent Sand gewonnen. Auch die andere Hälfte wird recycelt.

Kamen

, 29.10.2018, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass herkömmlicher Erdboden fast zur Hälfte aus feinkörnigem Sand – nicht größer als zwei Millimeter – besteht, ist schon eine Überraschung für den neutralen Beobachter, der mit den Augen gerade jenen Bagger verfolgt, der seine Schaufel in dem großen Erdhaufen vergräbt. Einen Monat, nachdem die Sandaufbereitungsanlage der Werver Deponie in Betrieb gegangen ist, zieht GWA-Geschäftsführer Andreas Gerard eine erste Bilanz. „Aus den angelieferten Böden gewinnen wir bis zu 49 Prozent Sand“, sagt er zufrieden.

Wo goldgelber Sand ein Mythos ist

In der Kalkhalle (links) wird das aufbereitete Material zwischengelagert, bevor es in einem zweiten Arbeitsgang zu feinkörnigem Sand gesiebt wird. © Stefan Milk

Auf Kritik reagiert

Zwei Wochen ist es her, als das neue Sandwerk Negativ-Schlagzeilen produzierte, nachdem sich eine Staubwolke über das Gelände legte, was Beschwerden von Passanten und Anwohnern provozierte. Beim Starten der Anlage hatte sich getrockneter Kalk vom Vortag gelöst, der sich als Wolke über die Felder legte. Bei der Aufbereitung im Werk wird der Kalk den Böden in unterschiedlicher Dosierung zugefügt, um sie je nach Nässegrad zu binden. „So eine Wolke wird nicht wieder entstehen“, so Gerard. „Das sind Erfahrungen, die man erst einmal sammeln muss.“ Die letzte Produktcharge des Arbeitstages werde nun nicht mehr mit Kalk versetzt – sodass bei Betriebsstart am nächsten Morgen keine Kalkanhaftungen mehr abfallen könnten.

Dass die neuartige Arbeit im kommunalen Deponie- und Recyclingbetrieb durchaus notwendig und auch zukunftsweisend ist, davon ist Gerard überzeugt. „Egal ob Metall, Bauschutt oder Papier – aus Gründen der Nachhaltigkeit gilt es doch immer, neue Verwertungskreisläufe zu finden. Das ist eine stoffliche Wiederverwertung, die gesellschaftlich gewollt ist.“

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Sand nicht goldgelb

Etwa 50 Prozent Sand im Erdboden. Das das ist nicht die einzige Überraschung. Denn der Sand ist längst nicht goldgelb, wie man ihn sich vorstellt, wenn man an Sandkästen oder Endlos-Strände in der Ferne denkt. Er ist nicht mal gelb. Dort, wo der Sand am Ende des Siebprozesses mit dem gleichmäßigen Vortrieb des Förderbandes zu meterhohen Bergen aufgeschüttet wird, ist er immer noch – braun. Vielleicht nicht mehr dunkelbraun, sondern hellbraun. Aber weit entfernt von goldgelb. „Es ist ein Mythos, dass Sand immer gelb sein muss“, sagt Gerard und lächelt. „Früher wollten die Architekten oft immer nur diesen goldgelben Sand. Aber wenn man dann darüber asphaltiert hat, hat man ihn nicht mehr gesehen.“

Und deswegen ist das Goldgelb längst nicht mehr Trumpf auf jenen Baustellen, wo der in Werve gewonnene Sand eingeschaufelt wird. Verwendet wird er beim Leitungsbau, weil er mit einer Körnung von null bis zwei Millimeter besonders schonend ist: Für den Rohrleitungs- und Kabelbau darf nur Sand verwendet werden, der sehr feinkörnig ist und keine scharfen Kanten hat. Die Qualität des Sandes entscheidet später über die Lebensdauer der darin verlegten Kabel und Rohre. Ist der Sand zu spitz, können Schäden an den Leitungen entstehen. „Selbst in Dubai oder China, wo man denken würde, da gibt es Sand genug, muss solches Material importiert werden“, weiß Gerard. Der Sand aus Werve landet dort aber nicht. Bei einem Transport über mehr als 30 Kilometer würde das Recycling unwirtschaftlich. So geht das Material, das aus heimischen Baustellen antransportiert wird, irgendwann wieder auf eine Baustelle in der Nähe.

Und was passiert mit den anderen 50 Prozent der angelieferten Erde? Die landet in der benachbarten Boden- und Bauschutt-Verwertungsanlage, die das Material noch einmal in unterschiedliche Fraktionen trennt, die wieder irgendwo Verwendung finden. Und so setzten Gerard und Kollegen darauf, dass sie mit ihrer Anlage künftig nur noch im besten Sinne des Materialflusses Staub aufwirbeln.

  • Die Anlagen steht auf einer Fläche von 5400 Quadratmetern im nördlichen Eingangsbereich der Inertstoffdeponie Werve.
  • Die Anlage ist mit einem der Hauptabnehmer des Sandes entstanden: Mit dem Versorger „Gelsenwasser“. GWA und Gelsenwasser sind jeweils zu 50 Prozent an der neuen Gesellschaft zur Weiterverwendung von Mineralstoffen (GWM) beteiligt. Gelsenwasser benötigt den Sand zum Einbau seiner Wasserrohrleitungen.
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