In Kamens Straßenverzeichnis gibt es nur wenige weibliche Namensgeber. Die haben sich diese Ehre durch besondere Leistungen verdient - oder sie sind das Resultat einer besonderen Leistung.

Kamen

, 16.03.2019, 19:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Debatte um eine mögliche Umbenennung der Fritz-Haber-Straße hat in den Blick rücken lassen, dass es in Kamen nur sehr wenige Straßen und Wege gibt, die nach Frauen benannt sind. Dabei gibt es durchaus viele Frauen, die eine solche Würdigung verdient hätten. Bürgermeisterin Elke Kappen hatte in der Ratssitzung etwa die „Mütter des Grundgesetzes“ ins Spiel gebracht. Elisabeth Selbert hat es schon geschafft eine solche Würdigung erfahren – Friederike „Frieda“ Nadig, Helene Weber und Helene Wessel tuchen dagegen noch nicht im Straßenverzeichnis auf.

Wo die Frauenquote in Kamen steigen könnte

Der Fromme-Helene-Weg ist ein Kuriosum. © Lea Niehage

Dass es für die Benennung einer Straße nur wenige Regeln gibt, macht ein Blick in die Liste Kamener Straßen ebenfalls deutlich. Denn mit der Fromme-Helene-Straße gibt es sogar eine Sackgasse, die an eine Figur des Dichters Wilhelm Busch erinnern soll.

Andere Frauen haben es dagegen mit großen Lebensleistungen geschafft, so im Gedächtnis zu bleiben, dass heute Straßen in Kamen an sie erinnern. In vielen Fällen sind es politische Verdienste, die damit gewürdigt werden. Annette von Droste-Hülshoff dagegen hat es mit ihrem dichterischen Schaffen zu einem eigenen Straßennamen gebracht.

Wo die Frauenquote in Kamen steigen könnte

Die Droste-Hülshoff-Straße erinnert an eine der größten deutschen Dichterinnen. © Lea Niehage

Die Frauenquote im Kamener Straßenverzeichnis ist aber mit 2,25 Prozent tatsächlich sehr gering. Eine Erhöhung soll das Ziel sein, das haben die jüngsten Diskussionen im Stadtrat ebenfalls gezeigt. Alle Parteien zeigten sich dafür offen, bei der Benennung von neuen Straße – etwa in Neubaugebieten – das weibliche Geschlecht intensiver in den Blick zu nehmen.

Keine besonderen Richtlinien

Der Kamener Stadtrat hat dazu alle Möglichkeiten. In einer Sitzungsvorlage hatte die Stadtverwaltung klar gemacht, dass das höchste Gremium der Stadt bisher keine örtlichen Regelungen, Richtlinien oder Satzungen für die Benennung oder Umbenennung von Straßen beschlossen hat. Damit haben die Lokalpolitiker genau den Spielraum, den sie brauchen, um die Frauenquote im Straßenverzeichnis zu erhöhen.

Die zehn weiblichen Namensgeberinnen

  • Die Luisenstraße in Heeren-Werve erinnert an Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810), Königin Luise von Preußen. Sie wurde mit 21 Jahren zu Ehefrau und Königin von Friedrich Wilhelm III von Preußen. Nach nur 34 Jahren verstarb sie und wurde von der Bevölkerung verehrt. Sie zählte zu Preußens populärsten Herrschern. Auch zu Lebzeiten wurde sie sehr verehrt, sie galt als Symbol für den Wiederaufstieg Preußens und für die Entwicklung hin zum Deutschen Kaiserreich und war Hoffnungsträgerin im Kampf gegen Napoleons Besatzung.
  • Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) gilt noch heute als eine der berühmtesten deutschen Schriftstellerinnen und Komponistinnen. Weltberühmt wurden ihre Novelle „Die Judenbuche“. Annette von Droste-Hülshoff war auch auf der 20-DM-Banknote zu sehen. Die nach ihr benannte Droste-Hülshoff-Straße liegt in Heeren-Werve.
  • Die Heilige Barbara - das ist die Schutzpatronin der Bergleute. Nicht umsonst wurde in Kamen eine Straße nahe des Förderturms nach ihr benannt. Die Barbarastraße verbindet die Grillostraße mit der Lünener Straße.
  • Ingeborg Bachmann (1926-1973) war eine österreichische Schriftstellerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr zu Ehren wird seit 1977 auch der Ingeborg-Bachmann-Pries verliehen. Die Ingeborg-Bachmann-Straße ist in Heeren zu finden und stößt an zwei Stellen auf die Bertold-Brecht-Straße.
  • „Die fromme Helene“ ist der Titel einer Bildergeschichte von Wilhelm Busch, die 1872 erschienen ist. Dass die Protagonistin es in die Liste Kamener Straßennamen schaffte, ist ungewöhnlich. Der Fromme-Helene-Weg zweigt vom Wilhelm-Busch-Ring in Kaiserau ab - ebenso wie der Max-und-Moritz-Weg und der Huckebeinweg.
  • Der Margarethenweg in der Nähe des Evangelischen Friedhofs in Methler geht auf die Heilige Margarete zurück, die auch Namensgeberin der Margaretenkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Methler ist. Ungewöhnlich ist, dass die Kirche und die Straße unterschiedlich geschrieben werden - mit und ohne das „h“ im Namen.
  • Elisabeth Selbert (1896-1986) war eine deutsche Politikerin und Juristin. Auch durch ihren Verdienst wurde am 23. Mai 1949 die Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Grundteil der deutschen Verfassung aufgenommen. Sie ist Namensgeberin für die Elisabeth-Selbert-Straße auf der Lüner Höhe.
  • Gertrud Bäumer (1873-1954) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin. Sie war 1919 Mitgründerin der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Einen Bezug zu Kamen gibt es, weil sie zeitweise an der Volksschule der Stadt unterrichtete. Die Gertrud-Bäumer-Straße in der Gartenstadt Seseke-Aue.
  • Helene Lange (1848-1930) war ebenfalls eine Mitbegründerin der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Das Wirken der Politikerin und Frauenrechtlerin ist eng mit dem von Gertrud Bäumer verknüpft. Da passt es, dass die Helene-Lange-Straße an die Gertrud-Bäumer-Sraße stößt.
  • Elsa Brändström wurde als „Engel von Sibirien“ bekannt, weil sie sich unter anderem für die deutschen und die österreichischen Kriegsgefangenen in den russischen Gefangenenlagern während des Ersten Weltkriegs einsetzte.
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