Wladimir Kaminer liest und zeigt, wie skurril das Leben manchmal ist

Lesung

Vor einem Jahr war es Frank Rosin, und jetzt ist es Wladimir Kaminer, der in der Kamener Stadtbibliothek liest. Er bringt auch eine Menge Humor, Lebensfreude und viele skurrile Geschichten mit.

von Yvonne Blaschke

Kamen

, 01.03.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wladimir Kaminer begeisterte die Zuhörer in der Kamener Stadtbibliothek nicht nur mit seinen Texten sondern auch mit skurrilen Geschichten aus seinem Leben.

Wladimir Kaminer begeisterte die Zuhörer in der Kamener Stadtbibliothek nicht nur mit seinen Texten, sondern auch mit skurrilen Geschichten aus seinem Leben. © Marcel Drawe

Wladimir Kaminer bezeichnet sich selbst als „Geschichtensammler“ und es wird schnell klar, was er damit meint: Die besonderen Erlebnisse, Momente oder Erfahrungen, die er während seiner Reisen zusammenträgt oder die ihm ganz zufällig in seinem Leben begegnen, sind Grundlage seiner oft skurrilen Geschichten.

Gerade das mache seine Lesungen auch so interessant, sagt eine Zuhörerin, denn er liest eben nicht nur vor, sondern bringt die Geschichten auf eine ganz besondere Art und Weise herüber. Er verkörpert sie in gewissem Maße selbst.

„Syreralistisches Komitee zur Rettung der Welt“

Die Erzählungen, die Kaminer im Laufe des Abends auspackt, sind eine bunte Mischung.. Er berichtet darüber, wie Syrer in sein Dorf eingezogen sind und sich ein „syreralistisches Komitee zur Rettung der Welt“ gebildet hat, wie Touristen bei einer Kreuzfahrt sagenhafte 5000 Liter Bier getrunken haben, und welche Probleme es mit sich bringt, wenn die Oma das Smartphone des Enkelkindes bekommt.

Eigentlich geht es in der Lesung um „Liebeserklärungen“. Und so versucht Kaminer, die schwärmerischen Traumvorstellungen der Liebe mit der ernüchternden Realität zu verbinden. Mit scheinbarer Leichtigkeit gelingt es ihm, Tragödien dabei so mit Humor zu verschmelzen, dass etwas liebenswürdig Menschliches entsteht.

Woher sollte beispielsweise Susanne, die auf einen gemeinsamen Abend mit Ben gehofft hat und sich kurzerhand in seinem Hotelzimmer versteckt, auch wissen, dass der Angebetete heute mit seinen Kumpels Fußball gucken und Bier trinken geht?

Skurrile Geschichten aus dem Leben des Autors

Kaminer begeistert nicht nur mit seinen Werken, sondern auch mit Geschichten aus seinem Leben. So erzählt er, wie er das Angebot angenommen hat, auf einem Kreuzfahrtschiff zu lesen. Er unterschätzte jedoch, wie langweilig Passagieren die Reise werden kann, wenn das Wetter nicht mitspielt. So wandelte sich die Reise letztlich zu einer einwöchigen Lesung.

Die Zuschauer hatten in den zwei Stunden viel Spaß. Die Art, auf die der Autor die Geschichten mit seinem Leben verknüpft, kam sehr gut an, und über Äußerungen wie „In der Karibik trifft man mehr Brandenburger als in Brandenburg“ wurde herzlich gelacht.

In der Pause standen die Leute Schlange, um sich von dem Autor ein Buch signieren zu lassen.

Viele der Anwesenden hatten vorher schon an Lesungen des Autors teilgenommen. Sie wussten schon, dass sie ein heiterer Abend erwartete.

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