Textilhändler auf dem Wochenmarkt in Kamen: Was kurzzeitig wieder erlaubt war, ist nun wieder verboten. © Stefan Milk
Corona-Pandemie

Wirrwarr auf dem Wochenmarkt: Textil-Händler dürfen doch nicht verkaufen

Das ist schwer zu verstehen: Erst durften Textil-Händler auf dem Wochenmarkt in Kamen ihre Ware wieder verkaufen, jetzt nicht mehr. Die Coronaschutzverordnung wurde wohl zu großzügig ausgelegt.

Die Coronaschutzverordnung scheint sich bisweilen ähnlich dynamisch zu entwickeln wie die Pandemie selbst. Was vor einer Woche noch galt, kann in der nächsten Woche schon wieder ganz anders sein. Diese Erfahrung mussten gerade wieder die Händler machen, die auf dem Wochenmarkt in Kamen Bekleidung verkaufen.

Schien ein Erlass des Gesundheitsministeriums ihnen vor zwei Wochen noch den Verkauf zu gestatten, müssen sie nun wieder außen vor bleiben.

Ein Hin und Her, das weder für die Händler noch für die Bürger und offenbar auch für die Stadtverwaltung nicht mehr nachvollziehbar ist. Angesprochen auf das Wirrwarr, sagt Sprecher Peter Büttner zwar, man wolle die übergeordnete Behörde, also das Landesministerium, nicht kritisieren.

Die Stadt müsse die Erlasse vor Ort umsetzen, und das sei nicht immer ganz leicht. Siehe die Textilhändler: Zu Beginn des zweiten Lockdowns seien diese nicht zum Wochenmarkt zugelassen gewesen, schildert Büttner.

„Charakter“ des Marktes offenbar doch nicht entscheidend

Anfang Januar habe es dann eine Mitteilung des Ministeriums gegeben, wonach es auf den „Charakter“ des Marktes ankomme. Damit war gemeint, ob der Schwerpunkt auf Bekleidung – wie etwa in Bergkamen – oder auf Lebensmitteln liege, wie in Kamen. Auf Märkten, wo mindestens 50 Prozent Güter des täglichen Bedarfs verkauft werden, sollte auch weiterhin der Verkauf von Bekleidung erlaubt sein, hieß es.

Doch das wurde offenbar mittlerweile wieder zurückgenommen. Ein Erlass vom 22. Januar regele, dass Textilhändler nicht auf dem Wochenmarkt zugelassen sind, weil sie eben keine Güter des täglichen Bedarfs verkaufen, so der Kamener Stadtsprecher weiter.

Stadt Bergkamen: Haben die Verordnung richtig angewendet

In der Nachbarstadt Bergkamen hört sich das Ganze freilich etwas anders an. Dort sind die zahlreichen Textilhändler schon seit etlichen Wochen vom Markt verschwunden, einige wenige Lebensmittelstände sind geblieben.

Die Bergkamener Dezernentin Christine Busch sagt, dass es keine geänderte Verordnung, sondern eine Klarstellung vom Land gegeben habe. Die Städte – neben Kamen übrigens auch Werne –, die zuletzt Non-Food-Artikel zugelassen haben, hätten sie zu großzügig ausgelegt. Bergkamen habe die Verordnung indes richtig angewendet. Sie habe sich eigens rückversichert, so Busch.

Der Wochenmarkt in Kamen ist dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr im Bereich zwischen Marktplatz und Willy-Brandt-Platz. In Bergkamen ist der Wochenmarkt auf dem Marktplatz donnerstags von 7.30 Uhr bis 13 Uhr geöffnet.

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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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