„Wir werden gerade überrannt“: Warum diese Firma auch bei Corona volle Auftragsbücher hat

dzWirtschaft in Kamen

In Zeiten von Corona erlebt der Falthallen-Hersteller Sabura aus dem Technopark einen Aufschwung, weil viele Züge nicht auf der Strecke sind und deswegen gewartet werden.

Kamen

, 17.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während bei vielen Firmen das Coronavirus auf die Auftragslage drückt, kann davon beim Falthallen-Hersteller Sabura keine Rede sein. „Wir werden gerade mit Anfragen überrannt“, berichtet Sabura-Gründer Udo Schwabe, der das junge Unternehmen zusammen mit seinem Sohn Christoph, der Geschäftsführer ist, leitet.

Seitdem die Technopark-Firma überdimensionale Falthallen für den Glacier-Express der Matterhornbahn in der Schweiz geliefert hat, geht die firmeneigene Erfindung viral. Sabura stellt Falthallen her, die industriell genutzt werden können. Im Nu können Sabura-Kunden so eine Halle fürs Schleifen, Lackieren oder die Montage aufbauen, um zusätzliche Produktionskapazitäten zu gewinnen.

Udo (l.) und Christoph Schwabe, Geschäftsführer der Technopark-Firma Sabura, vor dem Grundstück, das sie mit einer neuen Werkshalle bestücken wollen. Sie benötigen die neue Produktionsstätte, weil die Nachfrage nach Falthallen zurzeit extrem hoch ist.

Udo (l.) und Christoph Schwabe, Geschäftsführer der Technopark-Firma Sabura, vor dem Grundstück, das sie mit einer neuen Werkshalle bestücken wollen. Sie benötigen die neue Produktionsstätte, weil die Nachfrage nach Falthallen zurzeit extrem hoch ist. © Stefan Milk

Vor einem Jahr Großauftrag vom Matterhorn

Die Kamener Firma aus dem Technopark hatte vor einem Jahr den Großauftrag vom Matterhorn bekommen. Von der Glacier Express AG in Andernmatt. Der Schmalspurzug verbindet seit 1930 den Engadiner Ort St. Moritz über Chur, Andermatt und Brig mit Zermatt auf einem Gleis mit Meterspur. Nachdem jetzt in der Hannoveraner Fachzeitschrift „Besser lackieren“ ein Beitrag über Sabura und den Glacier-Express erschien, erlebte die Nachfrage noch einen zusätzlichen Schub.

Fernando Biner, Teamleiter der zur Matterhornbahn gehörenden Polywerkstatt Brig, beschreibt in dem Besser-lackieren-Text detailliert die Vorzüge der Falthallen aus Kamen und sagt: „Das Nadelöhr Lackierkabine gehört nun der Vergangenheit an.“ Er kommt zu dem Schluss: „Auch mit Blick auf die kommenden Triebzugrevisionen wird uns der neue Arbeitsplatz mit Sicherheit gute Dienste erweisen.“

Stilvoll reisen im Glacier-Express der Andernmatter Matterhornbahn in der Schweiz. Möglich wurde die Modernisierung der Waggons durch die Falthallen-Technik der Kamener Firma Sabura, mit der Firmen zusätzliche Produktionskapazitäten aufbauen können.

Stilvoll reisen im Glacier-Express der Andernmatter Matterhornbahn in der Schweiz. Möglich wurde die Modernisierung der Waggons durch die Falthallen-Technik der Kamener Firma Sabura, mit der Firmen zusätzliche Produktionskapazitäten aufbauen können. © Stefan Schlumpf / Glacierexpress

Tüftler-Unternehmen mit hohem Erfindergeist-Anteil

Gute Dienste hat Fernando Biner wiederum damit für das Kamener Tüftler-Unternehmen mit hohem Erfindergeist-Anteil geleistet. Denn jetzt sind auch andere Bahnunternehmen aus der Schweiz an der „Werkhalle im Taschenformat“ interessiert. Schwabe ist die ganze nächste Woche in dem Alpenland unterwegs, um mehrere Interessenten zu besuchen.

Unter anderem die Schweizer Zentralbahn in Bern. Und die Rhätische Bahn in Chur. Ihr Streckennetz liegt überwiegend im Kanton Graubünden, ein kleiner Teil auch in Italien.

Nicht nur durch die Matterhornbahn kann Schwabe Referenzen aus der Schweiz mitbringen. Auch die Berner Stadtwerke, die mit Sabura-Technik Straßenbahnen aufmöbelten, kauften eine Falthalle aus Kamen. Zuletzt war das Sabura-Team im Berliner Stadtteil Reinickendorf vor Ort, wo der Eisenbahnbauer Stadler Rail seine Züge reparieren lässt. Die Komponenten für das Faltzelt, sechs Meter hoch, 7,50 Meter breit und bis zu 30 Meter lang, wurden zuvor im Technopark gefertigt.

Atemberaubende Bilder vom Glacier-Express. Unter anderem durch die Strahlkraft ihres Schweizer Kunden ist die Nachfrage nach Falthallen made in Kamen deutlich gestiegen.

Atemberaubende Bilder vom Glacier-Express. Unter anderem durch die Strahlkraft ihres Schweizer Kunden ist die Nachfrage nach Falthallen made in Kamen deutlich gestiegen. © Stefan Schlumpf / Glacierexpress

In den Firmen fehlen oft Hallenkapazitäten

Volle Auftragsbücher in Zeiten von Corona? Das kommt für Sabura nicht von ungefähr. „Es liegt ja auf der Hand, dass zurzeit nicht so viele Züge unterwegs sind“, erläutert Schwabe.

Die Unternehmen würden jetzt die Zeit nutzen, um Triebwagen und Waggons auf Vordermann zu bringen. „Dazu fehlen oftmals Hallenkapazitäten. Mit unseren Falthallen kann man die schnell aufbauen.“ Das ginge nicht nur mit überschaubaren Anschaffungskosten, sondern auch relativ schnell. „Binnen sechs Wochen ist die Anlage da“, so das Sabura-Versprechen.

Dazu soll die eigene Hallenkapazität erweitert werden. Für das Nachbargrundstück liegt ein Bauantrag vor. Dort will Sabura so schnell wie möglich an den Start gehen und hofft, dass die Baugenehmigung rasch erteilt wird.

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Der Falthallen-Hersteller „Sabura“ erhält einen Auftrag mit großer Strahlweite. Unter Kamener Folien wird der Glacierexpress, der St. Moritz mit Zermatt verbindet, zum Luxuszug umgebaut. Von Carsten Janecke

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