„Wir können nicht sagen: So, liebe Architekten, jetzt arbeiten wir weiter“

dzNach Kombibad-Beschluss

Kamen hat jetzt einen Ratsbeschluss für den Neubau eines Kombibads, aber ein Baustart ist nicht in Sicht. Wo die Hindernisse liegen, erklärt Jochen Baudrexl vom Energieversorger und Badbetreiber GSW.

Kamen, Bergkamen, Bönen

, 27.09.2019, 15:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Baudrexl, der Stadtrat hat unter Vorbehalt der Finanzierbarkeit den Bau eines Kombibads in Kamen beschlossen. Sind die GSW dadurch dem Baustart näher gekommen?

Vorab möchte ich sagen: Ich kenne die Schwierigkeiten bei der Finanzierung sehr gut. Wir haben angespannte kommunale Haushalte. Wir haben eine Situation, dass die GSW nicht für zwei Kommunen zwei neue Bäder stemmen können. Das würde uns überfordern. Zu den Schwierigkeiten bei der Finanzierung tragen auch komplexe gesellschafts- und steuerrechtliche Fragen bei.

Und?

In der Sache selbst bin ich davon überzeugt, dass ein Kombibad für Kamen alternativlos und eine gute Entscheidung ist. Insofern, ja, wir sind dem Schritt näher, dass ein solches Bad gebaut wird und haben eine klare Perspektive. Wir können aber noch nicht sagen: So, liebe Architekten, jetzt arbeiten wir weiter. Weil die Finanzierung nicht gesichert ist.

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Welche Möglichkeiten bestehen, das Kombibad zu finanzieren?

Es gäbe eine einfache Möglichkeit: Die Gesellschafter sagen, die GSW sollen das wuppen. Das wäre aus meiner Sicht aber ein unverantwortlicher Umgang mit dem Energieunternehmen. Es müsste diese Kraftanstrengung vollbringen und 50 oder 60 Millionen Euro Schulden aufnehmen. Die hohen Kapitalkosten würden die Bäderkosten in einen Bereich bringen, der höher ist als vor ein paar Jahren, als wir sagten, dass wir davon runter müssen. So einen grob fahrlässigen Umgang mit dem Unternehmen wollen auch die Gesellschafter nicht.

Also Kamen, Bergkamen und Bönen. Welche Alternative gibt es?

Wir brauchen analog zu Bönen, wo bereits ein relativ neues Bad steht, eine Möglichkeit, dass die Investitionssumme durch die Gesellschafter in das Unternehmen eingebracht wird. Jetzt sind wir in schwierigen steuerrechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragen. In Bönen haben wir das so geregelt, dass Bönen die Investitionssumme über 25 Jahre verteilt als Kapitaleinlage leistet. Damals hatten wir aber noch keine NKF-Haushalte. Das ist jetzt höchste Kunst des Steuerrechts.

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So sehen die Pläne für das Kamener Kombibad aus

Das Architekturbüro Geising & Böker hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für ein ganzjähriges nutzbares "Kombibad" in Kamen vorgelegt.
07.11.2018
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Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Vorgesehener Standort für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen ist das Gelände des heutigen Freibads Kamen.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Technische Daten des Neubaus: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW
Gegenüber einem früheren Grobentwurf des Gutachterbüros GMF ist Grundfläche der aktuellen Planung größer geworden. © Geising & Böker/GSW
Der Vergleich der bisherigen Grobplanung und des jetzt vorgelegten Entwurfs. Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Aktuelle Kostenschätzungen: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW

Wann wird ein Finanzierungsmodell stehen, dass von allen Gesellschaftern getragen wird?

Wir sind konsensual im Gesellschafterkreis schon sehr weit. Jetzt ist das Problem, dass wir in Bergkamen erst im Frühjahr eine Kostenschätzung für das dortige Bad bekommen. Allerdings glaube ich, dass wir losgelöst von der unbekannten Höhe der Summe für ein neues Bad in Bergkamen uns noch bis Ende des Jahres eine grundsätzliche Lösung für die Finanzierungsfragen intern erarbeiten können. Diese bedarf dann einer intensiven Betrachtung des Finanzamts, das heißt, es muss eine steuerliche Auskunft eingeholt werden. Weitere Komplexität kommt noch dadurch hinzu, dass Kamen Fördermittel für das Kombibad anstrebt. Ob das bis Dezember durch die Räte ist, sehe ich noch nicht.

Stichwort

GSW

Die Gemeinschaftsstadtwerke GSW betreiben die Bäder in Kamen, Bergkamen und Bönen (außer das Naturfreibad Heil). Kamen und Bergkamen planen jeweils neue Schwimmbäder. Jochen Baudrexl ist GSW-Chef und mahnt Maßnahmen gegen den hohen Zuschussbedarf der maroden Bäder an.

Der Architekt des Kombibads ging im Mai davon aus, dass 2020 die Ausschreibung und Auftragsvergabe kommt, dann nach dem Ende der Freibadsaison 2021 der Baustart, danach 20 bis 24 Monate Bauzeit. Ist dieser Zeitplan noch zu halten?

Der Zeitplan ist deshalb wahrscheinlich nicht zu halten, weil Kamen sich um Fördermittel bemüht. Da weiß ich nicht, wie der Stand mit dem Fördergeber ist und ob wir eine Entscheidung über eine Förderung bekommen. Ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn ist oft förderschädlich, es sei denn, der Stadt gelingt es, in den Gesprächen einen vorzeitigen Beginn genehmigt zu bekommen. Für uns als GSW spielt eine Rolle, dass wir die erweiterten Schritte, die Geld kosten werden, erst unternehmen, wenn wir vorher die verbindliche Finanzierungszusage haben. Insofern wird der Zeitplan allein durch Rücksichtnahme auf die Förderkulisse nicht zu halten sein.

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Bis ein neues Kombibad steht: Halten so lange die vorhandenen Bäder, also Hallenbad und Freibad Kamen-Mitte sowie die Bäder in Heeren-Werve und Methler?

Mit dem vorgestellten Kombibad-Konzept werden die Kamener Bürgerinnen und Bürger ein bedarfsorientiertes, schönes, angemessenes Schwimmbad bekommen. Die Schwierigkeiten der Finanzierung müssen bewältigt werden. Das Hallenbad Methler haben wir nicht in der Hand, weil es dem Fußball- und Leichtathletikverband gehört. Wir wünschen uns, dass wir nicht aus einem technischen Kollateralschaden heraus eines der Bäder vom Netz nehmen müssen. Ich sehe auch nicht, dass jemand Heeren-Werve durch einen Beschluss vom Netz nehmen will. Ich werde wieder eine Kerze anzünden, dass das Bad hält. Wir halten die Bäder aufrecht, so lange es geht.

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