Die Omas for Future in Kamen mit Hedda Döring, Felicitas Junker und Getraud Bungter-Striepens (v.l.). Sie stehen vor ihrem Schaufenster an der Weststraße. © Marcel Drawe
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„Wir haben nur eine Welt!“: Omas for Future sind nicht Gretas Altersabteilung

Kamens Omas for Future werben für einen neue Lebensweise – mit Verzicht, aber ohne Verluste. Die Seniorinnen wollen nicht die Welt retten, aber ihren Anteil leisten, damit diese lebenswert bleibt.

Nicht jugendlich ungestüm wie „Fridays for Future“. Sondern mit mehr Lebenserfahrung und dem Überblick, den jedes weiteres Lebensjahr bringt: Kamens „Omas for Future“ sehen sich nicht als Altersabteilung der von Greta Thunberg angestoßenen Umweltbewegung.

„Es geht uns nicht nur um Klimaschutz, sondern um den umfassenden Blick auf unsere Lebensweise“, sagt Hedda Döring, eine der sechs Gründerinnen der Ortsgruppe Kamen. Diese hat sich im Juli 2020 gegründet.

Als eine von neun Ortsgruppen in NRW zählen die Kamener noch zu den Pionieren der Bewegung, die es erst seit 2019 gibt. Und mit jeder neuen Umweltkatastrophe, wie jüngst erlebt, wird ihr Anliegen dringender.

Farbe bekennen zu einer Welt im (Klima-)Wandel

Noch ist die Gruppe in Kamen klein. Aber sie soll wachsen. In einem Schaufenster gegenüber der Commerzbank an der Weststraße bekennen die Omas Farbe zu einer Welt im (Klima-)Wandel: „Die Mietsache ist schonend zu behandeln und in gutem Zustand zurückzugeben“, steht dort auf einem Plakat, auf dem der blaue Planet zu sehen ist.

Also doch in erster Linie Klimaschutz? „Natürlich auch. Wir haben nur eine Welt, die wertvoll ist“, sagt Felicitas Junker. Und Gertraud Bungter-Striepens ergänzt: „Wir fordern nicht nur den Verzicht, der mit der Angst verbunden ist, jemanden etwas wegzunehmen. Wir wollen zum Umdenken anregen.“

Die Omas for Future Kamen haben sich im Juli vorigen Jahres gegründet. Sie organisieren nun unterschiedliche Aktionen, die für ein nachhaltige Lebensweise werben.
Die Omas for Future Kamen haben sich im Juli vorigen Jahres gegründet. Sie organisieren nun unterschiedliche Aktionen, die für ein nachhaltige Lebensweise werben. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Klima-Bänder mit guten Wünschen für die Zukunft

Das machen sie mit kleinen Aktionen. Gegen Wasserverschwendung, gegen Plastikmüll, für regionale Produkte. Dafür werben sie in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale auf dem Alten Markt, im Haus der Familienbande und jetzt auch mit der Evangelischen Kirchengemeinde Kamen, die das Südkamener Buxtorfhaus als Anlaufstelle angeboten hat.

In den Kindergärten schaffen die Omas Bewusstsein, indem sie mit den Junioren „Klima-Bänder“ basteln, auf denen Wünsche für die Zukunft formuliert sind. „Die Schöpfung zu bewahren, das ist auch unser Ziel. Es ist unterstützenswert, was die Omas für Future hier auf die Beine stellen“, lobt Pfarrer Karl-Ulrich Poth.

Hedda Döring, Felicitas Junker und Getraud Bungter-Striepens haben sich den Omas fpr Future angeschlossen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das neue Thema Upcycling ist ein ganz altes

Wer sich den Omas anschließen will, der sollte schon ein gewisses Alter haben. „50 Plus“, benennt Hedda Döring die ungefähre Grenze. Der Blick richtet sich trotzdem auf die jüngeren Generationen, die den Antrieb für das Engagement der älteren Semester bilden. „Es ist war vorbildlich, wie sie Rücksicht auf uns in der Corona-Zeit genommen haben. Da können wir nur etwas zurückgeben“, so Bungter-Striepens. Hilfreich findet sie die Distanz, die die Lebensreife im Oma-Alter bietet. „Wir sind ganz anders aufgewachsen. Das neue Thema Upcyling, das war bei uns damals gang und gäbe.“

Nicht jeder Verzicht ist ein Verlust

Mehr Umweltbewusstsein, mehr Bewusstsein für eine Welt, auf der wir leben, ohne dass dabei Lebensqualität verloren geht. „Im Gegenteil. Wenn ich Rad fahre statt das Auto zu nehmen, dann hat das auch für mich Qualität“, sagt Hedda Döring. Nicht jeder Verzicht sei ein Verlust. „Das Umdenken birgt auch Chancen.“ Dazu wollen sie die Kamener motivieren. Wer Lust hat, bei den Omas for Future mitzumachen, kann sich melden unter der E-Mail [email protected]. Willkommen sind im Übrigen auch Opas. Weitere Infos gibt es unter www.omasforfuture.de. „Unsere Generation hat gut gelebt“, sagt Felicitas Junker. „Wir haben viel gehabt.“ Auf einer Welt, die sich jetzt nachhaltig wandelt in Zeiten vermehrter Klimakatastrophen. Und so geht der Blick dann doch noch einmal Richtung Greta Thunberg und ihrer Freitags-Mitstreiterinnen. „Gut, dass sie uns aufgerüttelt haben.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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