Es gab Aufruhr, als im Schützenverein kein Schützenfest gefeiert werden sollte. Wilhelm Ebbinghaus besänftigte die Aufwiegler. Im Jubeljahr der Schützen erinnert der Verein an die Persönlichkeit.

Kamen

, 01.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

200 Jahre Schützenverein Kamen: Ein Jubiläum, das in diesem Jahr groß gefeiert wird.Wilhelm Ebbinghaus: Die Aufwiegler im Verein besänftigt, als es kein Schützenfest geben sollte

Schütze Wolfgang Freese sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass die wechselvolle Geschichte dokumentiert wird. Er hat jetzt die wichtigsten Persönlichkeiten aus 200 Jahren Schützengeschichte porträtiert.

„Ein Rückblick auf 200 Jahre Vereinsgeschichte regt dazu an, auch an die Menschen zu erinnern, deren Wirken wir es verdanken, dass wir solch ein stolzes Jubiläum feiern können“, sagt er.

Für unsere Zeitung wirft er einen Blick auf die Leistungen von Julius Ohswaldt, Julius von Basse, Wilhelm Ebbinghaus, Ludwig (Louis) Kümper, Gerd Muermann und Franz Pusch – Porträts, die wir nun im Jubeljahr in loser Reihenfolge veröffentlichen. Auftakt ist mit Wilhelm Ebbinghaus.

Wolfgang Freese hat die Geschichte des Schützenvereins Kamen aufgezeichnet. Der 78-jährige Pressewart wirft dabei auch einen Blick auf besondere Persönlichkeiten, die sich um das Schützenwesen verdient gemacht haben - wie der frühere Bürgermeister Julius von Basse (l.) und Metzgermeister Wilhelm Ebbinghaus (r.).

Wolfgang Freese hat die Geschichte des Schützenvereins Kamen aufgezeichnet. Der 78-jährige Pressewart wirft dabei auch einen Blick auf besondere Persönlichkeiten, die sich um das Schützenwesen verdient gemacht haben - wie der frühere Bürgermeister Julius von Basse (l.) und Metzgermeister Wilhelm Ebbinghaus (r.). © Marcel Drawe

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte

„Wilhelm Ebbinghaus ist eine der bedeutendsten Schützenpersönlichkeiten der Vereinsgeschichte im 19. Jahrhundert“, würdigt Wolfgang Freese. Ebbinghaus wurde 1831 in Sölde geboren.

1857 eröffnete der 25-Jährige in der Kamener Weststraße eine Schweinemetzgerei, die bis zur Schließung vor einigen Jahren eine feste Größe im Kamener Einzelhandel war.

1871 hatte sich in Kamen mit neuen Statuten der ständig bestehende Bürgerschützenverein gegründet – der seit 1820 nachgewiesene Verein war bis dahin nur recht locker organisiert. „Schon bald dürfte der junge Metzgermeister dem Verein beigetreten sein, denn schon 1873 soll er als Hauptmann eine Kompanie geführt haben“, so Freese. „Leider sind die Protokollbücher aus dieser Zeit nicht erhalten geblieben.“

Schon ein Jahr später, 1874, avancierte Ebbinghaus zum Major und damit für zwei Jahre zum Stellvertreter des Schützenobersts. 1880 wurde er selbst zum Oberst gewählt, legte das Amt aber, vermutlich nach dem Tod seiner ersten Frau Henriette geb. Refeuter, bereits 1882 nieder.

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Jetzt kommt es zu Unruhen unter den Mitgliedern

Das Jahr 1883 kann als eines der bedeutendsten in der Vereinsgeschichte bis 1914 angesehen werden. Und in diesem Jahr, so freese, zeige sich die überragende Bedeutung, die Wilhelm Ebbinghaus für den Verein erlangt.

Fünf Jahre zuvor, nämlich 1878, war das letzte Schützenfest gefeiert worden. „Aus heute unbekannten Gründen kann sich der Vorstand – wieder! – nicht entschließen, ein Schützenfest auszurichten“, so Freese. „Jetzt kommt es zu Unruhen unter den Mitgliedern.“ Schließlich sind in dieser Zeit die Gelegenheiten, durch ein Fest den grauen Alltag zu durchbrechen, nicht sehr zahlreich.

Wilhelm Ebbinghaus zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Schützenvereins Kamen, der in diesem Jahr 200. Geburtstag feiert.

Wilhelm Ebbinghaus zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Schützenvereins Kamen, der in diesem Jahr 200. Geburtstag feiert. © Privat

Bürgerversammlung mit überragender Beteiligung

Der Unmut organisiert sich, und es wird zum 28. Juni zu einer Bürgerversammlung in den Schützenhof an der Weststraße aufgerufen. Der Begriff „Bürgerversammlung“ deutet an, welche Verbundenheit mit dem Schützenverein in der Bürgerschaft vorhanden ist. „Die Beteiligung muss überragend gewesen sein“, so Freese.

Den Vorsitz dieser Versammlung, so hat Freese weiter aufgeschrieben, übernimmt der zu diesem Zeitpunkt ehemalige Oberst Wilhelm Ebbinghaus. Kurzerhand wird die Gründung eines neuen Vereins mit Namen „Schützenbund“ beschlossen und Ebbinghaus auch gleich zu dessen Oberst gewählt. Ein Vorstand mit einem Präses an der Spitze und ein Offizierskorps werden ebenfalls durch Wahl eingesetzt. Und, das für die Rebellen Wichtigste: Es wird ein Datum für ein Schützenfest festgelegt.

Einen 123 Jahre wirkenden Beschluss gefasst

Diese Ereignisse machen den Vorstand des Bürger-Schützen-Vereins mobil. Innerhalb weniger Tage kommt es durch Vermittlung des Bürgermeisters Adolf von Basse zu einer Einigung. Schon am 12. Juli vereinigen sich beide Vorstände. Sie legen ein Festdatum für den 4. und 5. August fest und fassen den bis 2006, also für die nächsten 123 Jahre wirksamen Beschluss, den Verein neu zu organisieren und zu strukturieren. Ebbinghaus hat sein Ziel erreicht. Bei der nun erforderlichen Neuwahl der Führungsmannschaft krönt er sein Werk mit der erneuten Wahl zum Oberst.

Gründer einer bürgerlichen Familientradition

Wilhelm Ebbinghaus, so Freese, kann ohne Zweifel als ein lebensfroher Familienmensch betrachtet werden und ist Gründer einer bürgerlichen Familientradition wie man sie nur selten findet. Aus zwei Ehen wurden ihm 21 Kinder geschenkt.

Bis heute sind fünf seiner Nachfahrengenerationen im Schützenverein Kamen aktiv gewesen, darunter noch einmal drei Oberste, davon hatten zwei auch den Vereinsvorsitz inne und drei Schützenkönige.

Als engagierter Bürger trat Wilhelm Ebbinghaus auch in mannigfaltiger Weise in der Kamener Bürgerschaft in Erscheinung. So war er Stadtverordneter, Mitgründer eines Männergesangvereins, Kompanieführer im Krieger- und Landwehrverein und Kirchmeister der lutherischen Gemeinde. Im Jahre 1901 starb Wilhelm Ebbinghaus kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres.

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